Scott Carey klopfte an die Tür der Eigentumswohnung, und BobEllis (den alle in Highland Acres immer noch Doctor Bobnannten, obwohl er seit fünf Jahren im Ruhestand war) ließihn herein. »Na, Scott, da bist du ja. Pünktlich umzehn. Was kann ich für dich tun?«
Scott war ein stattlicherMann, eins dreiundneunzig in Socken, mit einer anständigen Wampe. »Dasweiß ich auch nicht recht. Wahrscheinlich gar nichts, aber … ichhabe ein Problem. Hoffentlich kein großes, aber vielleicht doch.«
»Eines, worüberdu mit deinem regulären Arzt nicht sprechen willst, ja?« Mitseinen vierundsiebzig Jahren hatte Ellis schütteres silberweißes Haar und hinkteein bisschen, was ihn auf dem Tennisplatz allerdings kaum behinderte.Da hatten er und Scott sich kennengelernt und angefreundet. EngeFreunde waren sie wohl nicht, aber Freunde auf jeden Fall.
»Ach, bei dem war ich schon«, sagte Scott. »Zur Vorsorgeuntersuchung, die längst überfällig war. Blutbild,Urin, Prostata, das ganze Programm. Alles in Ordnung. Der Cholesterinspiegelist ein bisschen hoch, aber noch im grünen Bereich. Ichhatte mir nämlich Sorgen wegen Diabetes gemacht. Im Internet stand,das wäre am wahrscheinlichsten.«
Abgesehen von den Klamotten jedenfalls. Die Sachemit den Klamotten fand sich auf keiner Website, ob medizinischoder sonst wie ausgerichtet. Mit Diabetes hatte das bestimmt nichts zu tun.
Ellis führte ihn ins Wohnzimmer, von dessengroßem Erkerfenster man einen Blick auf das vierzehnte Grün derWohnanlage in Castle Rock hatte, wo er mit seiner Fraujetzt lebte. Gelegentlich spielte er eine Runde, hielt sich jedocheher an Tennis. Für Golf begeisterte sich seine Frau, wasnach Scotts Vermutung der Grund war, weshalb die beiden hierwohnten, wenn sie nicht gerade den Winter in einer ebenfallssportlich orientierten Anlage in Florida verbrachten.
»Falls du Myra vermissen solltest,die ist in ihrer methodistischen Frauengruppe«, sagte Ellis. »Glaube ichwenigstens, es kann auch irgendein städtischer Ausschuss sein. Morgen fährtsie jedenfalls nach Portland, wo sich die Mykologische Gesellschaft vonNeuengland trifft. Die Frau schwirrt durch die Gegend wie einewild gewordene Hummel. Zieh deine Jacke aus, setz dich und sagmir, worum es geht.«
Obwohl es erst Anfang Oktober und nichtbesonders kalt war, trug Scott seinen North-Face-Parka. Er zog ihnaus und legte ihn neben sich auf das Sofa. Inden Taschen klimperte es.
»Wie wär’s mit einem Kaffee? Oder Tee?Außerdem ist vom Frühstück noch Gebäck da, glaube ich, falls …«
»Ich nehme gerade ständig ab«, sagte Scott unvermittelt. »Darum bin ich hier. Die Sache istirgendwie ziemlich komisch. Früher habe ich mich vor der Waageim Bad immer gedrückt, weil die mir in den letztenzehn Jahren oder so nichts Erfreuliches mitgeteilt hat. Jetzt stelleich mich gleich morgens früh drauf.«
Ellis nickte. »Ich verstehe.«<