: Christine Riedl-Valder
: Caféhäuser in München Geschichte(n) aus drei Jahrhunderten
: Verlag Friedrich Pustet
: 9783791761428
: 1
: CHF 8.90
:
: Regional- und Ländergeschichte
: German
: 160
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Anders als in Wien, wo man der Legende nach der Belagerung durch die Türken die Liebe zu diesem Getränk verdankt, äußern sich in München vielfältige Einflüsse und eine starke Bindung zum Süden. Ab dem späten 18. Jahrhundert wurde München auch in Sachen Kaffeegenuss zur 'nördlichsten Stadt Italiens' und ist es bis heute geblieben. In der Geschichte der Münchner Cafés spiegelt sich das facettenreiche Gesellschaftsleben der Landeshauptstadt wider. Nicht zuletzt spielten die Cafés auch eine wichtige Rolle als Schauplatz weiblicher Emanzipation. Daneben bezeugen bayerisches Konfekt, Torten, Kuchen und Gebäck seit jeher die sinnliche Daseinsfreude, die man in der Isar-Metropole zu genießen weiß.

Christine Riedl-Valder, Dr. phil., geb. 1957, arbeitet seit ihrem Studium in Wien und Regensburg als Kulturjournalistin. Sie hat bereits zahlreiche Beiträge zur Literatur, Kunst und Geschichte Bayerns veröffentlicht.

„… unstreitig die Ursache für so viele körperliche Erschlappungen“ Zögerliche Ausbreitung der Caféhauskultur im 18. Jahrhundert


Die Widersacher des Cafégewerbes


Es sollte noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis der Kaffeekonsum in München wirklich in der Bürgerschaft verankert war, denn es gab zunächst großen Widerstand gegen das aufkommende Modegetränk. Dem Gewerbe haftete der Makel des Unseriösen an. Die Riege der Kaffeesieder setzte sich im 18. Jh. aus einer bunt gemischten Schar von ausländischen Schauspielern, Händlern, ehemaligen Kammerdienern, Hofköchen und -schreibern zusammen, die sich damit meist nur ein Zubrot verdienten, oft keine Abgaben leisteten und daher von den Städtern angefeindet wurden. Außerdem genossen die Serviererinnen in diesen Etablissements anfangs einen zweifelhaften Ruf. Das erste deutschsprachige „Frauenzimmer-Lexikon“, das 1715 in Leipzig erschien, stellte ihnen ein vernichtendes Urteil aus: „Caffe-Menscher, heissen nach heutiger Art zu reden, diejenigen verdächtigen und liederlichen Weibes-Bilder, so in denen Caffe-Häusern das anwesende Mannsvolck bedienen, und ihm alle willigen Dienste bezeugen.“ Für Damen galt überhaupt der Besuch von Lokalen ohne männliche Begleitung bis ins 19. Jh. als unschicklich. Der Historiker Lorenz von Westenrieder widmete sich in seinem Münchner Stadtportrait von 1782 auch den herrschenden Sitten und schrieb dazu: „Was den Wohlstand betrifft: so besuchen wohlerzogne Frauenspersonen, ohne Begleitung eines Manns, kein Wirthshaus …“ Ganz anders sah die Situation in Frankreich aus. Das Verdienst, das Caféhaus dort schon früh gesellschaftsfähig gemacht zu haben, gebührt dem Sizilianer Francesco Procopio Coltelli, der sein „Café Procope“ um 1689 gegenüber dem Théâtre Français in Paris eröffnete. Dessen verschwenderische Ausstattung mit großen Spiegeln, Kristalllüstern, edlen Tapisserien und Marmortischen erregte in ganz Europa Aufsehen und zog die vornehme Gesellschaft an. Es wurde über Jahrhundert hinweg vorbildlich für alle Caféhäuser von Rang. Die erste namhafte Adresse dieser Art in München entstand erst mit dem „Hofgartencafé“ des Italieners Sarti Anfang der 1780er-Jahre und seines Nachfolgers Luigi Tambosi, gefolgt dann von einer Reihe prunkvoller Lokale in der Prinzregentenzeit.

Als Sittenwächter gebärdeten sich auch die gutsituierten Wirte der Münchner Weingasthöfe, die im Äußeren Rat der Stadt zahlreich vertreten waren. Sie versuchten mit einer Beschwerde an Kurfürst Karl Albrecht die wachsendeKonkurrenz der Kaffeesieder einzudämmen. Darin heißt es:„Zum luxuriösen Leben wird viel beigetragen durch die Vermehrung der Kaffeehäuser, die Tag und Nacht dem Übermut offen stehen und wo die unnötigen und wollüstigen Getränke wie Kaffee, Tee, Rosoglio (= eine Likörart, hauptsächlich Orangenlikör), Wein etc., jederzeit angeboten werden“. Der Kurfürst versprach daraufhin, keine neuen Lokale mehr zuzulassen. In einem Dekret vom 20. April 1727 ist vermerkt, dass der Regent beabsichtige, „die Caffeehäuser … nach und nach gar abgehen zu lassen“. Die meisten