: Marina Anders
: Notärztin Andrea Bergen 1358 Wann werd' ich endlich große Schwester?
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732568291
: Notärztin Andrea Bergen
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Wann werd' ich endlich große Schwester? - Warum die kleine Lili die Geburt ihres Brüderchens kaum erwarten konnte

Endlich große Schwester sein! Von dem Moment an, als die kleine Lili erfährt, dass ihre Mama noch ein Baby bekommt, zählt sie die Tage, bis sie endlich ihr Geschwisterchen im Arm halten kann! Baden, Windeln wechseln und Fläschchen geben, all das will Lili übernehmen, damit die Mama Hilfe hat.

Doch als der kleine Samuel auf der Welt ist, ist alles ganz anders als gedacht: Das Baby schreit den lieben langen Tag, die Mama weint und hat gar keine Zeit mehr, mit Lili zu spielen. Und nun ist auch noch der Papa ausgezogen, weil er Sammys Geschrei nicht mehr ertragen kann! Nein, so hat sich Lili das Große-Schwester-Sein nicht vorgestellt! Am liebsten würde sie den Bruder wieder abgeben ...

Als ihre Mama kurz darauf bei einem Ausflug vor Erschöpfung auf der Parkbank einnickt, schiebt Lili den Kinderwagen tiefer in den Park hinein. Später fehlt von Baby Sammy jede Spur - und für Marielle, die Mutter der Kinder, wird der schlimmste Albtraum Wirklichkeit ...

Carsten wird mir das nie verzeihen, dachte Marielle Bonhoff niedergeschlagen. Sie konnte es ihm nicht einmal übel nehmen.

Voller Schmerz blickte sie auf die Tür, durch die ihr Mann gerade gegangen war. Auch dieser Abend hatte wieder in der üblichen Missstimmung geendet. Würde es nun bis zur Geburt ihres Babys so weitergehen?

Sie hörte die Haustür ins Schloss fallen. Einen Moment später wurde ein Motor angelassen. Ein Auto fuhr aus der Einfahrt und die Straße hinunter – Carstens Auto.

Marielle stand auf und nahm die Gläser vom Couchtisch. Nach dem Abendessen hatten sie sich noch in die gemütliche Sitzecke gesetzt und etwas getrunken. Carsten hatte sich ein Pils genehmigt, Marielle trank während ihrer Schwangerschaft nur Saft und Wasser.

Traurig blickte sie auf das verwaiste Sofa, auf dem sie früher gern gekuschelt hatten. Früher, das war lange her. Zumindest kam es Marielle so vor. Seit ihrem »Verrat«, wie Carsten es genannt hatte, gab es kaum noch ein Kuscheln. Er hielt ihr nur immer wieder vor, dass sie ihn hereingelegt hatte.

Marielle ging in die Küche, um den Abwasch zu erledigen. Als sie glaubte, oben im ersten Stock ein Geräusch gehört zu haben, trat sie hinaus auf den Flur und lauschte. Doch alles blieb still. Sie musste sich getäuscht haben. Lili schien fest zu schlafen. Sie wollte später noch einmal nach ihr sehen.

Mechanisch sortierte Marielle das Geschirr in die Spülmaschine. Ihre Gedanken lösten sich von Carsten, der entweder zu seinen Eltern gefahren war oder jetzt in seiner Stammkneipe saß, und wanderten zu dem Buchprojekt, an dem sie seit einer Weile schrieb. Es sollte ein Ratgeber für Schwangerschaft und Geburt werden, und Marielle war überzeugt, dass sie zu diesem Thema einiges zu sagen hatte.

Natürlich würde sie nicht nur eigene Erfahrungen einbringen, sondern zu verschiedenen Themen gründlich recherchieren. Typische Erkrankungen während der Schwangerschaft zum Beispiel, von denen ihr Baby und sie hoffentlich verschont bleiben würden. Sie hoffte, dass sie einen Verlag finden würde, der sich für ihr Buch interessierte, damit etwas Geld ins Haus kam. Carsten dagegen lachte nur darüber, was sie schmerzte.

Nachdem sie in der Küche Ordnung geschafft hatte, ging sie hinüber ins Arbeitszimmer. »Computerzimmer«, nannte Carsten es. Durch eine Regalwand getrennt, hatte hier jeder seinen Schreibtisch stehen. Marielle setzte sich an den ihren und schaltete ihren Laptop ein.

Sie versuchte, sich auf ihr Manuskript zu konzentrieren, doch es gelang ihr nicht. Mehrmals las sie die letzten Abschnitte durch, ohne den Text wirklich aufzunehmen. Es hatte keinen Sinn, heute Abend noch weiterzuschreiben. Sie fühlte sich einsam und verlassen, richtig deprimiert.

Einen Moment lang spielte sie mit dem Gedanken, ihre Mutter anzurufen. Oder eine Freundin. Irgendjemanden, mit dem sie reden konnte. Doch dann verwarf sie den Gedanken wieder. Sie wollte anderen nichts vorj