Jasmin von Seelbach hielt die Kaffeetasse mit beiden Händen umschlossen, als würde sie sich an ihr wärmen. Gedankenverloren sah sie in den tristen Spätwintertag hinaus. Gleichmäßig prasselte der Regen gegen die Fensterscheiben des exklusiven Antiquitätenladens, den sie von ihrer älteren Schwester Nora übernommen hatte, als diese geheiratet hatte.
Diesen Laden in der Düsseldorfer Altstadt hatte bereits ihre Großmutter als junge Frau geführt, und so bescheiden er von außen auch wirkte, war er doch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und lockte zahlungskräftige Kunden aus aller Welt an.
»Wenn du mich ließest, könnte ich aus dem Laden eine wahre Goldgrube machen«, hatte ihr Lebensgefährte Andreas von Wegebrecht mehr als einmal kopfschüttelnd gesagt. »Du hättest es nicht mehr nötig, jeden Tag zu öffnen, könntest dich stattdessen auf wenige Stunden im Monat beschränken. Trotzdem wäre der Umsatz noch um einiges höher.«
»Mir macht die Arbeit Spaß«, wehrte Jasmin ebenso oft ab. »Daheim würde mir ohnehin die Decke auf den Kopf fallen. Den lieben langen Tag nur auf der faulen Haut zu liegen ist nun mal nicht mein Ding.«
Der junge Graf machte trotzdem immer wieder Vorschläge, wie sie den Laden effektiver führen könnte, und um Streit aus dem Weg zu gehen, ließ Jasmin ihn reden – und machte das, was ihr gefiel.
Sie fand es nun mal immer wieder spannend, auf neue Kunden einzugehen, auch, wenn diese keine Reichtümer besaßen und oft nur Kleinigkeiten mit nach Hause nahmen. Doch diese Kleinigkeiten wusste Jasmin in besten Händen.
So wie kurz vor Weihnachten, als die alte, verhärmt wirkende Dame einen jubilierenden Barockengel erstanden hatte, weil dieser sie an den Engel erinnerte, den ihre Großmutter einst besessen hatte …
Das Läuten des Telefons riss Jasmin aus ihren Gedanken.
»Seelbach«, meldete sie sich knapp.
Weder beruflich noch privat ging sie mit dem Wörtchen »von« vor ihrem Namen oder gar mit ihrem Prinzessinnentitel hausieren. Obwohl dies vor allem ihre amerikanischen Kunden um einiges mehr beeindrucken würde, wie Andreas ihr immer wieder versicherte.
»Ich bin’s, Schatz.« Seine Stimme klang verzerrt aus dem Hörer. Wahrscheinlich hetzte er wieder mal über die Autobahn zwischen zwei Terminen zu wichtigen Kunden.
»Hallo, Andreas, alles in Ordnung?« Ein unbewusstes Lächeln umspielte Jasmins Lippen. »Du klingst gestresst.«
»Ich klinge nicht nur so.« Ein tiefer Seufzer folgte. »Tut mir leid, Schatz, aber bei Maier-Brinkmann hat es länger gedauert. Ich schaff’s nicht mehr, vor dem Termin mit Ludewig mit dir zu M