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Bilder marterten sie. Ein Garten, darin der Gott, gefangen in einer Wassersäule. Machtlos schlug er gegen die unsichtbare Barriere aus Luft, diesie geschaffen hatte. Seine Haare trieben im Wasser wie Schlingpflanzen. Das schöne Gesicht war verzerrt in verzweifelter Hilflosigkeit. Da war die rothaarige Frau, auf ihrer Gesichtshaut ein Fleckenschwarm. Kein Mensch auf der ganzen Welt sah so aus. Tränen flossen wie Sturzbäche über dieses Gesicht, schwemmten die Flecken jedoch nicht fort. Ihr Blick galt einem Mann, der, die Züge in Hass und Anstrengung verzerrt, mit seinem Schwert um sich schlug.
Ein Sklave war er. Einer, der sich herausnahm, nur dem dienen zu wollen, den er für würdig erachtete. Einer, der sich gegen seinen Herrn erhoben hatte. Ihn getötet hatte. Getötet!
»Anschar.«
Geeryu würgte den verhassten Namen zwischen den verkniffenen Lippen hervor. Sie zuckte zusammen, als sie Mallayur, ihren königlichen Geliebten, wieder sterben sah. Anschar hatte ihn in die tödliche Umarmung des Gottes geworfen. Dann hatte er auch sie töten wollen. Sie glaubte sein wirbelndes Schwert zu erblicken. Näher und näher kam Anschar, schlug ihr erst das Ohr ab und stieß die Klinge in ihre Brust.
Wie oft plagten die Erinnerungen sie in ihren Träumen? Tausende Male.
Sie warf den Kopf zurück und riss den Mund auf. Aufbäumen wollte sie sich, konnte aber nur die Schultern heben. Ihre Brust war ein Gebiet, so groß wie eine Schlucht, in der nichts als Schmerz hauste. Kraftlos sank sie zurück auf eine Matte. Unter den Fingern erspürte sie grobes Grasgeflecht.
Ein Licht flammte auf.
»Sie hat etwas gesagt«, flüsterte jemand. Ein Mensch. »Dank sei dem Götterpaar, nach all der Zeit hat sie endlich etwas gesagt. Das Vogelopfer an Inar und Hinarsya war nicht umsonst.«
Füße tappten heran, und Licht schimmerte durch Geeryus geschlossene Lider. Sie zwang sich, sie einen Spalt weit zu öffnen. Eine schwielige, dicht behaarte Hand hielt ein Öllämpchen. Ein so kleines, gänzlich schmuckloses Tongefäß besaßen nur arme Leute. Das Öl darin musste die Abende mehrerer Zehnttage erhellen. Wo, bei der Dreiheit, war sie?
Das Flämmchen zuckte dicht vor ihren Augen.
»Hab keine Angst, Frau. Wie heißt du, woher kommst du? Sag’s nur, vertrau mir, ich laufe gleich los, deinen Angehörigen zu sagen, wo du bist. Ich heiße Iriasched, bin Grasmattenflechter. Ich war in der Stadt, als eine Feuersbrunst ausbrach. Die Menschen rannten wie toll umher. Ich auch. Dabei bin ich über dich gestolpert. Hast in einem Gebüsch gelegen, es hatte schon Feuer gefangen. Ich hab dich auf meinen Karren geladen und hergeschleppt. Ich stelle die Lampe hier an deine Seite, ja? Wenn du willst, lasse ich sie die ganze Nacht brennen