Paris, September 1999
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Es war eine dieser Abendgesellschaften, zu der die Teilnehmer strömten, um ihrer häuslichen Langeweile zu entgehen. Die meisten kamen in der Hoffnung, die Person kennenzulernen, die ihnen künftig weitere einsame Abende ersparen würde. Ob es nur für eine Nacht halten sollte oder für das restliche Leben, blieb jedem selbst überlassen.
Fast alle Gäste, die sich an diesem Septemberabend in dem eleganten Pariser Restaurant zu einem Cocktail-Empfang zusammenfanden, waren ledig oder geschieden und besuchten mehr oder weniger regelmäßig die verschiedenen Singleclubs der Stadt auf der Suche nach dem perfekten Partner.
Seit einigen Jahren gehörte ich auch dazu.
Tanzabende, Theaterbesuche und Sonntagsausflüge füllten meinen Terminkalender und mein Adressbuch, nicht jedoch die Leere in meinem Dasein. Und das, obwohl ich in einem ständigen Wettlauf gegen die Zeit lebte.
Das Leben ist so paradox.
Schon als ich einen Blick auf die plaudernden und lachenden Grüppchen der Gäste dieses Abends warf, wusste ich, dass ich mich nicht amüsieren würde.
Aber ich war auch nicht zu meinem Vergnügen hier, sondern um meiner Freundin Denise einen Gefallen zu tun, die diesen Abend organisiert hatte. Denise war Leiterin der PartnerschaftsvermittlungSerenity, die mit dem Slogan „Ausgewählte Begegnungen mit hohem Niveau“ warb.
Trotz des gesalzenen Beitrags hatte ihr Club viel Erfolg bei zahlungskräftigen Leuten zwischen dreißig und fünfzig. Sie konnte es sich leisten, ausgewählten hübschen, jungen Frauen die Mitgliedschaft zu schenken, um der erhöhten Nachfrage des Topmodel-Typs nachzukommen. Gesucht wurden sowohl echte Partnerschaften als auch Abenteuer. Letztere gerne von verheirateten Männern aus der Provinz, die beruflich oft in der Hauptstadt weilten und sich dann diskret amüsieren wollten. Oder von trennungswilligen Männern, die erst einmal sehen wollten, was sonst noch so auf dem Markt war, bevor sie das Risiko eingingen, alleine dazustehen.
Genau genommen war Denise nicht meine Freundin. Uns verband seit zwei Monaten lediglich eine Art Geschäft auf Gegenseitigkeit. Sie hatte ein hübsches Foto von mir in ihren Vermittlungsunterlagen und durfte mich den Männern vorstellen, die sich mit mir verabreden wollten, und ich hatte dadurch die Chance, einen gut situierten und beziehungswilligen Mann kennenzulernen, ohne auch nur einen Franc Mitgliedsbeitrag zahlen zu müssen. Zumindest glaubte ich das anfangs noch.
Manchmal lud sie mich auch zu Partys oder Abendessen ein, weil es ihr an vorzeigbaren jungen Damen mangelte. So wie an diesem Abend.
Langsam stelzte ich auf hohen Absätzen durch die Menge, gemessenen Schrittes wegen des engen Rocks, und spähte vergebens nach bekannten Gesichtern.
Ein Ober, der mit einem Tablett herumging, bot mir Champagner an. Dankbar nahm ich ein Glas. Ich hatte es nötig, mir gute Laune anzutrinken.
Endlich fand ich Denise, eine kleine, vollbusige Dame in den Vierzigern m