: Sylvia Weill
: Das Haus der sieben Eulen
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962151720
: 1
: CHF 5.40
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 367
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im neunzehnten Jahrhundert wächst die Waise Charlotte Parker bei ihren Tanten in England auf. Schon als Kind spielt sie mit Harry, dem Erbe des benachbarten Schlosses. Er wird ihre große Liebe. Doch vorher muß sie in ein Internat in der Schweiz. Während dieser Zeit verschwindet ihre über alles geliebte Schwester unter mysteriösen Umständen. Nach ihrer Rückkehr ist Harry verändert. Während einer Reise nach London wird Charlotte von Harrys Halbbruder Adam betrunken gemacht und ohne ihr Wissen mit ihm verheiratet. Das ändert ihr gesamtes Leben. Sie kämpft gegen diese Eheschließung, doch widerwillig lernt sie ihren Ehemann immer besser kennen. Wird sie sich doch noch in ihn verlieben? Was wird aus ihren Gefühlen für Harry und wird sie jemals ihre Schwester wiedersehen? Erst als sie in einen Hinterhalt gelockt wird, erfährt sie die brutale Wahrheit.

1. Kapitel


Ich kann mich noch sehr gut an meine frühe Kindheit imHaus der sieben Eulen erinnern. Es war für mich das Paradies gewesen, und am liebsten wäre ich immer Kind geblieben, um bis an mein Lebensende mit meinen Tanten und meiner Großmutter dort zu leben.

Das Haus stammte noch aus der elisabethanischen Ära und wurde von jedem Besucher bestaunt, obwohl es nicht sehr groß war. Meine Großmutter hatte den gesamten oberen Bereich bewohnt, meine Tanten Walfriede und Antonia, meine Schwester Edith und ich die beiden Stockwerke darunter. Die wenigen Dienstboten waren in einem Anbau untergebracht.

Ein großer Garten umgab das Haus, in dem Edith und ich, wann immer es vom Wetter her möglich war, gespielt hatten. Wir tauchten in eine kindliche Welt ein, in der es Zwerge, Elfen und Trolle gab, mit denen wir ganz selbstverständlich kommunizierten. Manchmal waren Nachbarskinder zu uns gekommen, die natürlich mit den Naturgeistern auch vertraut gewesen waren. Die Zeit schien stillzustehen, und ich war jedes Mal todtraurig, wenn die Sonne langsam unterging und ich ins Haus gehen musste. Edith hatte damit keine Probleme gehabt.

Wir kletterten auf Bäume und stellten uns vor, in unserem Zauberreich große Abenteuer zu bestehen. Ich war immer die Prinzessin, die in irgendwelche Schwierigkeiten geriet und von Edith oder den Nachbarskindern daraus befreit werden musste.

Damals hatte ich noch kein Gespür für die Zeit und dafür, dass sie so rasch verstreicht, dass wir Menschen gar nicht mithalten können.

Manchmal hatte ich bemerkt, dass Tante Walfriede uns still beobachtete. Sie arbeitete in ihrem Gemüsegarten, den sie inständig liebte, und in dem niemand anderes einen Handschlag tun durfte. Ich glaube, sie sprach auch mit den Seelen ihrer Pflanzen, denn nirgendwo im ganzen Ort gedieh das Gemüse und das Obst so gut wie bei uns. Tante Walfriede erzählte mir immer, dass wenn ein Mensch die Seelen der Pflanzen wirklich liebte, dann erwiderten sie dieses Gefühl und dankten es mit einem prächtigen Wachstum.

Das Einzige, woran Tante Walfriede mich heranließ, waren die Himbeersträucher. Sie wusste, dass ich Himbeeren liebte und nicht genug davon bekommen konnte. Also durfte ich mir so viele pflücken, wie ich wollte. Aber sie hatte darauf bestanden, dass ich mich vorher bei den Pflanzen bedanken musste, dafür, dass ich die Beeren abnahm. Das tat ich auch jedes mal, denn ich war ja mit der Elfe befreundet, die die Himbeeren bewachte.

Weil Edith beim Pflücken der Beeren immer recht ruppig vorging und Zweige abknickte, war es ihr irgendwann nicht mehr erlaubt, sich dort zu bedienen. Aber sie mochte sowieso keine Himbeeren.

Unsere Eltern lebten mit Edith in Indien, weil mein Vater im Dienst der Krone dort beschäftigt war. Doch als meine Mutter mit mir schwanger war, hatten meine Eltern beschlossen, dass sie nach England zurückkehren sollte, um das Kind hier zu bekommen. In Indien gab es einfach wegen der mangelhaften hygienischen Zustände zu viele Gefahren für Mutter und Kind. Bei Edith war alles gutgegangen, dafür dankten sie Gott jeden Sonnta