Vorwort zur sechsten Auflage
Datenbanken sind nach Softwaretechnik das wichtigste Teilgebiet der Fachrichtung Informatik. In einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Informatik (GI) bezeichnen sich 30,32 Prozent der Informatiker als Datenbänker1, der stärkste Wert nach dem Gebiet Softwaretechnik mit 33,39 Prozent. Selbst dem Fachgebiet Wirtschaftsinformatik ordnen sich weniger GI-Mitglieder zu (24,54 Prozent). Und weitere Gebiete wie Technische Informatik (11,44 Prozent), Künstliche Intelligenz (8,68 Prozent) und Computergraphik (4,38 Prozent) sind weit abgehängt.
Datenbanken, genauer das Gebiet der Verwaltung großer Mengen strukturierter Daten, ist auch eines deralten, klassischen Gebiete der Informatik. Datenbanksysteme gibt es auf heutzutage veralteten Datenbankmodellen wie dem hierarchischen und Netzwerk-Modell seit den sechziger Jahren, das derzeit immer noch verbreitetste relationale Datenbankmodell ist bereits in den siebziger Jahren in der Forschung und dann in den achtziger Jahren in Form von kommerziellen Datenbank-Management-Systemen eingeführt worden. Die auch aus den siebziger Jahren stammende Datenbanksprache SQL ist immer nochintergalactic dataspeak, also die Standardsprache für die Verwaltung strukturierter Daten. Analysiert man große Online-Stellenportale wie das von Monster, so ist SQL nach Java und fast gleichauf mit C++ die drittgefragteste Sprache der Informatik — weit vor Python und anderen modernen Programmiersprachen und weit vor anderen Daten- und Dokumentbeschreibungssprachen wie XML und JSON.
Datenbanken hatte man aufgrund der langen Vorgeschichte im neuen Jahrtausend sowohl als Forschungsgebiet als auch als modernes Lehrgebiet in der Informatik den schleichenden Tod vorausgesagt: Relationale Datenbanksysteme waren nun einmal einfach da, veränderten sich kaum noch, gehörten zur Folklore für Informatiker. Das Kerngebiet der Informatik schien aus der Mode zu kommen.
Aber plötzlich erlebte das Forschungs- und Lehrgebiet Datenbanken einen riesigen Boom als Kernstück moderner Informationssystem-Infrastrukturen: Sowohl die Hardware entwickelte sich in verschiedene Richtungen weiter, als auch Anwendungen wie das Internet, Big Data, Industrie 4.0, das Internet der Dinge und Digitalisierung im allgemeinen Sinne sind abhängig von einer riesigen Menge von Daten, die effizient verwaltet und wiedergefunden werden muss. Und im Sinne von Big Data Analytics und Maschinellem Lernen müssen Daten heutzutage auch nicht nur wiedergefunden werden, es müssen auch komplexe Muster in riesigen Datenmengen gefunden werden und sie müssen statistisch analysiert werden.
All das führte dazu, dass sich in den 10er Jahren dieses Jahrhunderts das Gebiet Datenbanken dynamischer entwickelt als je zuvor. Und obwohl in diesem Lehrbuch für eine erste Grundvorlesung Datenbanken im Bachelor-Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Technischen Informatik im Wesentlichen die klassischen Grundlagen wie das relationale Datenbankmodell und SQL vorgestellt werden müssen, müssen sich die Autoren auch auf die vielfältigen Neuentwicklungen einstellen. Die führen dazu, dass das Buch in dieser sechsten Auflage von 2018 wieder umstrukturiert wurde. Wir stellen im Folgenden kurz die Veränderungen von der ersten zur fünften Auflage vor und beschreiben dann, welche Neuerungen diese sechste Auflage bestimmen.
Von der ersten zur fünften Auflage
Abbildung 1: Die zweite und dritte Auflage des Biberbuches
Die erste Auflage des Biber-Buches ers