: Sissi Merz
: Familie mit Herz 27 Kinderaugen, die Schlimmes sahen
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732567867
: Familie mit Herz
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Kinderaugen, die Schlimmes sahen -Erschütternder Roman um das dunkle Geheimnis der kleinen Hannah


Dass Holger aus seiner Ehe ein Kind hat, ist für Charlotte vom ersten Moment an kein Problem. Sie liebt Holger und schließt auch sein Töchterchen fest in ihr Herz. Alles will sie tun, damit Hannahs Traurigkeit über den frühen Tod der Mutter verblasst und sie wieder ein fröhliches, unbeschwertes Mädchen sein kann.

Doch je länger Charlotte mit dem Kind zusammen ist, desto auffälliger findet sie Hannahs Verhalten. Die Kleine lacht nie, erschrickt schnell und hat nachts schlimme Albträume. Immer stärker wächst in der jungen Frau der Verdacht, dass das Kind ein Martyrium hinter sich hat. Heimlich beginnt sie deshalb, Nachforschungen anzustellen - und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur ...

Malerisch ging die Sonne über dem Meer unter und tauchte die Umgebung in warme Rottöne. Von ihrem Hotelzimmer im dritten Stock hatte Charlotte Sander beinahe einen Logenplatz, um den herrlichen Sonnenuntergang auf Korsika zu genießen. Sie lehnte an der Brüstung des kleinen Balkons und atmete tief die würzige Inselluft ein.

Seit fast einer Woche war Charlotte nun in Porto Vecchio und ließ es sich richtig gut gehen. Korsika war zwar auch im Juni schon recht heiß, doch das grüne Landesinnere und die Kunstschätze, die es zu entdecken gab, machten die oft drückende Hitze wett.

Charlotte besuchte die Insel nun schon zum dritten Mal, denn sie fühlte sich trotz des großen Touristenandrangs einfach wohl hier. Es tat ihr gut, nach hektischen Monaten im Büro einfach mal die Beine baumeln zu lassen.

Die Sonne hatte nun den Horizont erreicht und verschwand wenige Augenblicke später hinter der schnurgeraden Linie des Meeres, das glatt wie ein Spiegel dalag. Der Himmel glühte noch eine ganze Weile in düsteren Farben, die ins Violette und schließlich Tiefblaue abglitten, während der Mond seine bleiche Sichel über den Himmel schob.

Als die Sonne endgültig verschwunden war, kehrte Charlotte in ihr Zimmer zurück. Die Nächte hier kühlten um diese Zeit recht schnell ab. Außerdem hatte sie noch etwas vor. Sie wollte sich mit einem neuen Bekannten treffen, einem Reporter aus Düsseldorf, den sie gestern im Restaurant kennengelernt hatte. Sie waren, wie das oft im Urlaub geschieht, über dies und jenes ins Gespräch gekommen und sich auf Anhieb sympathisch gewesen.

Eigentlich lehnte Charlotte Urlaubsflirts ab. Es war schließlich bekannt, dass Männer ihren Urlaub häufig als Erholung von der Ehe zu betrachten schienen und dann darauf aus waren, unbedingt eine Frau »abzuschleppen«.

Aber zu dieser Sorte Mann gehörte Holger Steinmetz nicht, das glaubte Charlotte aus ihrer kurzen Bekanntschaft schon schließen zu können. Er hatte ihr erzählt, dass er Witwer sei und Vater einer siebenjährigen Tochter. Überhaupt war Holger ein sehr offener Mensch. Und gegen eine nette Begleitung war schließlich nichts einzuwenden.

Trotzdem wunderte sich Charlotte nun, dass ihr Herz bei dem Gedanken an Holger unwillkürlich schneller schlug. Sie würde sich doch nicht auf den ersten Blick verliebt haben?

Holger Steinmetz war ein äußerst attraktiver Mann, groß, schlank, mit einem männlich-markanten Gesicht. Sein dichtes blondes Haar bildete zudem einen interessanten Kontrast zu seinen braunen Augen. Aber er war nicht der Typ, der auf sein Aussehen baute. Offen trug er noch immer seine