: Sabine Wassermann
: Herrin zweier Länder Historischer Roman
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962151690
: 1
: CHF 4.50
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 387
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Pharaonin und Priesterin der Löwengöttin im Kampf um die Macht über das Ägyptische Reich - das aufregende Schicksal einer Frau, die eiskalte Herrscherin und leidenschaftlich Liebende zugleich ist. Ägypten um 2200 vor Christus: Nach dem Tod des Pharaos Pepi erringt dessen Neben-Sohn Merenre mit Hilfe fremdländischer Truppen die Macht. Zu seiner Frau macht er Neith, eine Tochter des Pharao und Priesterin der Löwengöttin Sachmet. Ihre leidenschaftliche Liebe steht unter keinem glücklichen Stern: Neith kann keine Kinder bekommen, und Merenre wird nach nur einem Jahr der Herrschaft von seinen einstigen Verbündeten ermordet. Neith reißt den Thron an sich und regiert gemeinsam mit ihrem Wesir und Geliebten Ankhmahor das gewaltige Nil-Reich. Doch die Fürsten Ägyptens dulden keine Frau auf dem Pharaonenthron. Als Verrat droht, bereitet Neith einen Racheplan vor, wie ihn nur die Priesterin der Löwengöttin ersinnen kann.

1.


Als die Pyramide vor vielen Jahren fertiggestellt worden war, hatte niemand daran gedacht, dass der Wasserstand des Nils einmal so niedrig sein könnte. Zwischen den beiden Rampen des Taltempels und dem Wasser war ein breiter Streifen nackten, feuchten Bodens, den die Tempeldiener mit Bastmatten belegt hatten, damit sich die Begleiter des verstorbenen Pharaos nicht die Füße beschmutzten. Zehn Männer trugen die Kultbarke mit dem hölzernen Sarkophag hinauf in den Tempel. Dahinter folgten die Priester und die königliche Familie. In ihrer Mitte schritt der zukünftige Herrscher, ein zehnjähriger Junge mit erhaben gerecktem Kinn und verkrampften Schultern. Neith, seine um neun Jahre ältere Schwester, schickte ihm ein aufmunterndes Lächeln, das er hilflos erwiderte. Er hat Angst, dachte sie, aber das sollte er nicht. Wie gerne wäre ich an seiner Stelle.

Die Rampe war schmal, und so musste sie sich ein Stück zurückfallen lassen, um den ranghöheren Mitgliedern der Königsfamilie Platz zu machen. Ihr kleiner Bruder betrat die Halle des Tempels, aus dem der Weihrauch stieg und sich mit dem Morgennebel mischte. In der Ferne, verborgen vom Dunst, erhob sich die PyramideNeferkare ist standhaft im Leben. Mit ihrer Höhe von hundert Königsellen hatte sie nichts gemein mit den drei Pyramiden weiter nördlich, diesen herrlichen weißen Sternen, die zu einer längst vergangenen, einer für Ägypten weitaus glücklicheren Zeit gehörten.

Ob ihr kleiner Bruder fähig sein würde, den beiden Ländern wieder jene Gunst zu verschaffen, welche die Götter ihnen seit vielen Jahren verweigerten? Neith glaubte es nicht. Neferkare-Tereru wurde nicht aufgrund seiner Befähigung Pharao. Sondern weil es niemand anderen gab.

Ein leiser Ruf erklang. Unten am schlammigen Ufer hatte zwischen den Schiffen ein winziges Papyrusboot festgemacht. Ein Mann sprang heraus und zog es ein Stück herauf. Neith blieb auf dem untersten Stein der Rampe stehen, während die königliche Familie bereits über die Terrasse schritt und in den Totentempel drängte. Niemand hatte bemerkt, dass sie zurückblieb. Der Mann hastete mit schlammverschmierten Füßen über die Bastmatten und blieb vor ihr stehen.

»Warum bist du hier?« Atemlos wischte er sich den Schweiß von der Stirn.

»Weil mein Vater, der göttliche Neferkare-Pepi, zu Grabe getragen wird«, antwortete sie ungeduldig. »Sollte ich, seine Tochter, nicht dabei sein?«

Er war nicht weniger ungeduldig. »Du bist die Tochter irgendeiner seiner Nebenfrauen; du hast ihn in deinem Leben drei oder viermal zu Gesicht bekommen. Niemand wird dich vermissen, wenn du jetzt mit mir gehst.« Er deutete auf den Nachen. »Wir könnten nach Iunu fahren. In den Häusern der Sonnenpriester wird man uns aufnehmen.«

Zweifelnd betrachtete Neith das schmale Gefährt. Iunu, die heilige Stadt des Sonnengottes Re, war nicht weit, aber in diesen armseligen Nachen würde sie keinen Fuß setzen. Überhaupt begriff sie nicht ganz, wovon Ipui sprach. O ja, von der Bedrohung durch die Aamu, ein Volk von Nomaden jenseits des Türkislandes, das brandschatzend durch die Lande zog, das wusste sie durchaus. Aber war es nötig, augenblicklich in dieses Boot zu steigen?

»Ach, Ipui.« Sie legte eine Hand auf seine sc