: Richard Dübell
: Das Jahrhundertversprechen Historischer Roman
: Ullstein
: 9783843716017
: Jahrhundertsturm-Serie
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 736
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Berlin in den Zwanziger Jahren: Der atemlose Tanz auf dem Vulkan Berlin 1921: Der erste Weltkrieg ist seit drei Jahren zu Ende und wirft dennoch lange Schatten, auch auf die Familie von Briest. Otto und Hermine von Briest stehen kurz vor dem Bankrott. Alle Hoffnungen liegen nun auf Tochter Luisa, die beim Film Karriere machen soll. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise strömen die Menschen in die Varietés, die Lichtspielhäuser und auf die neu entstandenen Autorennstrecken. Auch Luisa von Briest ist dem Rausch der Geschwindigkeit verfallen. Sie hat sich in einen erfolgreichen Rennfahrer verliebt. Doch ein Rausch birgt auch Gefahren - nicht nur in der Liebe: Am Horizont ziehen bereits die dunklen Wolken des Nationalsozialismus auf, und die Familie von Briest sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Der fulminante Höhepunkt von Richard Dübells 'Jahrhundertsturm'-Trilogie  

Richard Dübell, geboren 1962, lebt mit der Liebe seines Lebens in Landshut. Er zählt zu den beliebtesten deutschsprachigen Autoren historischer Romane, schreibt aber auch Krimis. Seine Bücher standen mehrfach auf der Spiegels-Bestsellerliste und wurden in vierzehn Sprachen übersetzt. Er ist Kulturpreisträger seiner Heimatstadt.

2

Es war noch schlimmer, als Max gedacht hatte. Nicht nur Otto und seine Frau Hermine waren in der Agentur, sondern auch deren Tochter Luisa. Max hatte bislang nur Bilder von ihr gesehen; Otto, ein Freund moderner Techniken, hatte in jedem Lebensjahr eine Fotografie von ihr anfertigen lassen und Max den Stapel einmal gezeigt. Luisa war jetzt knapp elf Jahre alt. Max wusste, dass Otto und Hermine hart im Nehmen waren und sich bei Gefahr durchaus behaupten konnten. Aber das Mädchen? Ihm wurde übel bei dem Gedanken, dass er es versäumt hatte, die Briests gestern zu warnen, als noch Zeit genug gewesen wäre, gefahrlos abzureisen. Luisa, die neben ihrer Mutter in der geöffneten Tür im ersten Stock stand, schaute Max mit großen Augen an.

»Maxe, was machste denn hier – und so abjehetzt«, sagte Hermine erstaunt. Max hatte sie vom ersten Kennenlernen an dafür geliebt, dass sie ihren Berliner Dialekt nie vollständig unterdrücken konnte, selbst nach so langer Ehe mit dem perfekt Hochdeutsch sprechenden Otto von Briest nicht. »Brauchste was? Ich dachte, Otto hätte gesagt, du wärst über Weihnachten gut uffjehoben bei Verwandten aufm Land?«

Ja, dachte Max, das hab ich deinem Mann gesagt, weil ich nicht wollte, dass ihr euch Gedanken macht, ob ich Weihnachten in der Gosse verbringe oder nicht. Aber für derartige Überlegungen war jetzt keine Zeit.

»Bist du Max Brandow?«, fragte Luisa. Sie streckte dem schwitzenden Max die rechte Hand hin. »Ich bin Luisa. Ich hab schon von dir gehört.«

Max, von der Freundlichkeit Luisas überrascht, schüttelte ihr unwillkürlich die Hand und fragte sich dann, ob seine Pfote sich wirklich so dreckig und verschwitzt anfühlte, wie er befürchtete. »Mensch, Frau von Briest!«, stieß er dann hervor. »Ihr müsst hier weg! Wisst ihr denn nich, wat hier los is?«

Die Agentur bestand aus mehreren Räumen in zwei Stockwerken des Gebäudes. Im ersten Stock waren das Zimmer der Sekretärin sowie zwei weitere Räume, in denen Gehilfen arbeiteten. Im zweiten Stock hatten Otto und seine Frau zwei kleine Büros. Diese Büros waren die Keimzelle der Agentur, damals, als sie noch von ihrem Gründer Edgar Trönicke geführt worden war. Edgar war einer der ersten Privatdetektive Berlins gewesen. Otto und Hermine waren in seine Fußstapfen getreten; Hermine war Edgars Sekretärin gewesen, bevor Otto sie geheiratet hatte. Die Treppe zum zweiten Stockwerk herab kamen jetzt schnelle Schritte.

Max drehte sich um und sah Otto von Briest hinter sich stehen. Otto musste die letzten Worte von Max gehört haben. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen.

»Weißt du was Neues, Max? Komm mit rein. Willst du was Heißes zu trinken? Wir haben Tee.«

»Ick will nüscht, ick will nur, det Se Ihre Familje nehmen und schleunigst verschwinden!«, drängte Max.

»Du bist ganz nass«, sagte Otto. »Komm erst mal rein. Auf ein paar Minuten kommt’s wohl nicht an.«

Max’ Bauchgefühl sagte ihm, dass es wahrscheinlich schon auf ein paar Minuten ankam. Aber er hatte der Wärme und der Illusion von Familie, die die Detektivagentur Briest für ihn bedeutete, noch nie widerstehen können. So nahm er Ottos Gelassenheit als willkommene Ausrede dafür, diese Illusion eine kurze W