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Zurück. Das war Jacksons einziger Gedanke. Ein Gedanke so groß, dass er ihm den kühlen Blick auf alles andere verstellte. Ein Gedanke, der ihm die Luft zum Atmen nahm. Das altersschwache Boot stampfte durch die graue See, der Dunkelheit entgegen, raus aus dem künstlichen Licht der City, weg von den Hafenanlagen. Fjodor steuerte die nach Fisch stinkende Kiste geradewegs in die Richtung, in der sie das Festland vermuteten.
»Wir müssen zurück!«, keuchte Jackson.
Sein Freund Crockie stand neben ihm an der Reling. Er war sichtlich bemüht, seinen Magen und seine Nerven unter Kontrolle zu halten. Der Kahn schwankte in den Wellen des Ozeans. Crockie schüttelte den Kopf, auf dem die ersten Haarstoppeln wieder sprießten, nachdem die Abteilung Z ihm im Gefängnis den Schädel rasiert hatte. »Red keinen Mist, Jackson. Wir sind ihnen gerade noch entkommen. Es gibt kein Zurück. Entweder wir schaffen es bis zu der verdammten Küste oder …« Dasoder wollte er sich wohl lieber nicht ausmalen.
Crockie kramte in einer Box im Heck des Bootes. Sie stand neben unordentlich hingeworfenen Netzen und ein paar Hummerkörben, die sich dort stapelten. Schwimmwesten kamen zum Vorschein. Drei Stück. Für sieben Personen. Außerdem leuchteten die Westen in einem schreienden Orange, weithin sichtbar. Sichtbarkeit war im Augenblick das Letzte, was sie brauchten.
Crockie knallte den Deckel der Kiste zu. »Wenn ich jemals wieder ein normales Leben haben sollte, lerne ich schwimmen«, knurrte er.
Die Mädchen und Jimmy hatten sich sofort unter Deck in die winzige Kajüte verzogen, um zu überprüfen, ob alles an Bord war, was sie für teure Minuten und Stunden bei dem Eigentümer des Schiffs gekauft hatten. Grischa stand in der Bugspitze und hielt Ausschau. Immer wenn eine hohe Welle heranrollte, gab er Fjodor ein Zeichen, der daraufhin den Motor drosselte.
Jackson packte Crockie an den Schultern. »Wir müssen zurück, Crockie«, wiederholte er. »Zurück!«
Die Lichter der Hochhäuser von Ocean City, die gelbliche Beleuchtung der Hafenanlage der schwimmenden Millionenstadt, entfernten sich immer weiter. Der altersschwache Kahn legte ein beachtliches Tempo vor und schlingerte dabei bedenklich durch die Wellenkämme.
»Er hat sie, Crockie, verdammt noch mal, er hat sie!«
»Wer hat was?« Crockie wand sich aus Jacksons Griff. »Willst du mir die Schulter auskugeln?«
»Kilroy. Rufus. Er hat sie.« Die Panik in Jackson wuchs. Sie überflutete ihn in Wellen, die schlimmer als dieses grauschwarze Wogen vorm Bug des Bootes waren. Es war ihm egal, wie wirr er sich anhörte. Beim Anblick seiner kleinen Schwester an der Hand dieses alten Mannes hatte sich sämtliche Vernunft von ihm verabschiedet.
Jackson hatte sie gesehen. Er hatte genau gesehen, wie der alte Mann Jacksons Schwester Celine festgehalten und zu ihm herübergegrinst hatte. Es bestand kein Zweifel: Es war Rufus Gainsbourgh gewesen. Der Mann, dem Jackson vertraut hatte. Der Mann, der Jackson und Crockie mal einen Hubackle zugesteckt, mal mit einer alten Speicherplatte und ziemlich oft mit einem guten Rat ausge