: Peter Splitt
: ABGETAUCHT Ein spannender Roman über die mögliche Flucht Hitlers nach Argentinien
: neobooks Self-Publishing
: 9783742737946
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 380
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die gebürtige Argentiniern Mia Sastre kehrt nach vielen Jahren im amerikanischen Exil erstmals in ihr Heimatland zurück um das Erbe ihrer verstorbenen Tante Juana anzutreten. Ihre erste Anlaufstelle ist der schwereiche Notar Manuel Guzmann in Cordoba. Er klärt sie über das Testament ihrer Tante auf. Das Erbe besteht aus einem Haus in Bariloche, sowie 50.000 $ in bar. Doch das ist längst noch nicht alles. Mia bekommt außerdem eine Metallkassette mit persönlichen Dingen ihrer Tante und vier Notizbücher ausgehändigt. Erstgenannte enthält Orden und Abzeichen aus der Zeit des Dritten Reiches, dazu Fotos, die ihre Tante mit einem deutschen Offizier in SS Uniform zeigen. Mia kommen erste Zweifel. Wer war Tante Juana in Wirklichkeit und was hatte sie mit den nach Argentinien geflüchteten Nazis zu tun? Nach und nach kommen erschütternde Details ans Licht. Die Geständnisse ihrer Tante reißen Mia in ein Gefühlschaos. Sie besucht jene Orte, an denen sich ihre Tante gut 60 Jahre zuvor aufgehalten hat und gerät in gefährliche Situationen, die sie zunächst nicht richtig ernst nimmt. Aber die alten Seilschaften lauern überall und sind aktiver denn jeh. Als Mia langsam dahinter kommt, um was es hier wirklich geht, ist es bereits zu spät.

Peter Splitt wurde 1961 in Remscheid geboren und verbrachte seine Kindheit im Bergischen Land. Nach einer technischen sowie kaufmännischen Berufsausbildung wechselte er in die frühere Bundeshauptstadt Bonn und erlangte dort Sprachdiplome in Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Er schreibt Abenteuergeschichten, Thriller und spannende Krimis aus der Region und hat sich damit auf dem Literaturmarkt bereits einen Namen gemacht.

Kapitel 1


Das gleichmäßige Brummen der Triebwerke versetzte Mia in eine Art Dämmerzustand. Sie lehnte ihren Kopf gegen das heruntergezogene Plastikrollo des ovalen Jet-Fensters und versuchte sich zu entspannen. Sie wollte nach New York, wo ein Flieger nach Argentinien auf sie wartete. Zum ersten Mal, seit ihrer Kindheit, würde sie in ihr Heimatland zurückkehren. Ein seltsames Gefühl beschlich sie, als sie daran dachte, wohin sie jetzt unterwegs war. Wie würde es heute am Rio de la Plata aussehen?

Sie konnte sich kaum noch an den riesigen Fluss erinnern. Sie dachte an ihre Mutter und an Tante Juana, stellte sich vor, wie die beiden im Teenager-Alter zusammen auf der geräumigen Holzveranda ihres Elternhauses saßen und gemütlich einen Mate-Tee tranken.

Tante Juana war die älteste Schwester ihrer Mutter gewesen. Auf alten Fotos war sie großgewachsen und schlank, mit dichtem, langem schwarzen Haar, das ihr bis über die Hüfte reichte. Sie muss eine eigentümliche Person gewesen sein, vor der ihre Geschwister Respekt hatten. Wenigstens so lange, bis sie dann völlig abdriftete und von der Familie verstoßen wurde. Was genau vorgefallen war, hatte Mia niemals in Erfahrung bringen können. Überhaupt wusste sie nicht viel über Tante Juana, nur dass sie das schwarze Schaf in der Familie war. Ihre Mutter hatte nicht gern über sie gesprochen, auch wenn sie es geliebt hatte, Geschichten zu erzählen - meistens aus Argentinien. Dazu hatte Mutter sie hochgehoben und auf ihre Knie gesetzt, bevor sie anfing zu erzählen. Als Kind war Mias Welt noch in Ordnung gewesen. Sie hatte die unbeschwerten Kindheitsjahre genossen. Die Kinder der Wohlhabenden glaubten für gewöhnlich, dass ihnen niemals etwas wirklich Schlimmes widerfahren könnte. Das änderte sich schlagartig, als die Militärjunta 1976 an die Macht kam. Zu diesem Zeitpunkt war Mia gerade zehn Jahre alt geworden.

Die Erinnerung an ihre Kindheit trieb ihr jetzt die Tränen in die Augen, ein kaum hörbares Schluchzen entwich ihrer Kehle. Ihre Eltern waren viel zu früh gestorben. Schuld daran trug die verfluchte Militärdiktatur. Sie war auch der Grund dafür, warum Mia in einer Nacht und Nebelaktion zusammen mit einigen entfernten Verwandten Argentinien in Richtung USA verlassen hatte. Hier hatte sie bis zu ihrer Volljährigkeit bei Tante Ana, einer weiteren Schwester ihrer Mutter gelebt. Zum Glück lag ihre eigene Vergangenheit bereits weit zurück, aber jetzt hatte sie sie wieder eingeholt. Durch die Nachricht von Tante Juanas Tod. Von einer Frau, die sie nie richtig kennengelernt hatte.


Die Nachricht war heute auf den Tag genau vor drei Wochen von der argentinischen Botschaft gekommen und seitdem hatte Mia nicht mehr ruhig schlafen können. Zwar lag Tante Juanas Leichnam bereits unter der Erde, aber anscheinend gab es Nachlassangelegenheiten, die vor Ort geregelt werden mussten. Der Brief war mit einer ziemlichen Verspätung eingetroffen. Das war kein Wunder, denn nach ihrer Scheidung war Mia mehrfach umgezogen.

Mit ihren 49 Lenzen war sie keinesfalls alt, aber auch nicht mehr so jung und knackig, wie ein junger Teenager. Der Zahn der Zeit begann auch bei ihr seine Spuren zu hinterlassen. Ihr dunkles Haar trug sie jetzt kürzer, ihre Figur war runder und irgendwie üppiger geworden. Auch Fältchen und Krähenfüße hatten sich eingestellt, obwohl Mia sie mit entsprechendem Make-Up zu überdecken versuchte. Sie wusste, ihre Augen hatten den Glanz der Jugend verloren, aber trotzdem fühlte sie sich noch immer als attraktive Frau.

„Bitte anschnallen, wir fliegen jetzt hinaus auf den atlantischen Ozean, es könnte zu Turbulenzen kommen“, ertönte eine verzerrte, männliche Stimme durch die Bordlautsprecher. Das Geräusch ließ Mia zunächst zusammenzucken, allerdings fing sie sich schnell wieder und versuchte sich zu beruhigen. Hier oben, über den Wolken, war sie allein mit ihren Überlegungen, nahm diesen Moment der trügerischen Geborgenheit in sich auf, wollte ihn so lange wie möglich festhalten.

Doch dann, so plötzlich wie er gekomme