2. Kapitel
Am Samstag erledigte Simone meist liegengebliebene Arbeiten in ihrem Büro, während ich zu Hause über meinen Texten brütete. So auch diesmal. Kurz nach 16 Uhr holte ich sie ab.
Ich stand neben der Eingangstür und wartete auf sie. In der Hand hielt ich eine schöne rote Rose.
»Für mich?«, fragte sie freudig. Ohne ein Wort überreichte ich ihr die prächtige Blume. Genießerisch roch sie daran. »Danke, Schatz«, sagte sie mit ihrem gewinnenden Lächeln und hauchte mir einen Kuss auf die Wange.
Dieses »Schatz« fräste sich durch mein Gehirn, es tat mir fast weh. »Nenn mich bitte nicht Schatz! Du weißt, dass ich das nicht mag.« Verständnislos zuckte sie mit den Schultern.
Als ich ihr morgens am Telefon aufgeregt geschildert hatte, wer meine Tante war, war sie erstaunlich ruhig geblieben. »Jane Blackriver? Ja, kenne ich, halte ich aber für überbewertet«, war alles, was sie dazu sagte.
Wir stiegen in meinen Wagen. »Iiih, hast du darin gegessen?« Angeekelt wischte Simone über den Sitz, wo vier Krümel lagen, und nahm seufzend Platz. Sie fuhr nicht gern mit mir. Die Kurven nahm ich ihrer Meinung nach zu zackig, generell raste ich, bei jeder Ampel trat sie mit auf die Bremse, das Auto war zu klein und und und … In ihrem teuren Wagen wäre mehr Platz gewesen, aber für die Fahrt aufs Land wollte sie das Fahrzeug nicht beschmutzen. Während sie stur geradeaus starrte, fuhren die Gefühle Schlitten mit mir.
Simone und ich – eigentlich passten wir nicht zusammen. Durch Zufall hatten wir uns v