1. Kapitel
»Habt ihr schon gehört? Peter Croft lässt sich von seiner dritten Frau scheiden und ist auf dem Weg zu Nummer vier!«
Claudia Neill blickte über die festlich geschmückte Tafel. Ihre schwarzen Augen funkelten voller Schadenfreude. Ein kalter Schauer lief Bianca Jay den Rücken hinunter, als Cesares jüngere Schwester genüsslich fortfuhr: »Amanda ist natürlich am Boden zerstört. Das arme Ding war ja am Rande eines Nervenzusammenbruchs, seit Peter bei der Oscarverleihung mit diesem vollbusigen Filmsternchen fotografiert wurde – wie heißt sie doch gleich –, na, ihr wisst schon, wen ich meine. Spielt meistens kleine Nebenrollen und hat früher in einer Popgruppe gesungen. Allerdings wird die arme Amanda außerordentlich großzügige Unterhaltszahlungen bekommen …«
Claudia zuckte gelangweilt die Schultern. »Aber egal wie hoch die Abfindung ausfällt, es wird ihr nicht darüber hinweghelfen, für ein jüngeres Modell sitzen gelassen zu werden. Aber was hat die arme Amanda denn erwartet? Sie hat schließlich einen Mann geheiratet, der einen Ruf als Playboy zu verlieren hat und der außerdem mehr Geld besitzt, als er jemals ausgeben kann: da sollte sie sich glücklich schätzen, dass sie ihn länger als ein, zwei Jahre halten konnte.«
Wurde darauf etwa eine Antwort von ihr erwartet? Bianca wünschte sich zum hundertsten Mal, dass sie nicht eingewilligt hätte, herzukommen. Cesare hatte sie darum gebeten. »Es tut mir wirklich leid, besonders weil es mein erster Abend wieder in London ist. Aber meine kleine Schwester hat Geburtstag, und ich habe ihr ein Abendessen in meiner Wohnung versprochen. Nur wir vier, du und ich, Claudia und Alan. Sie bleiben sicher nicht lange, denn soweit ich weiß, kann ihr Babysitter nicht länger als bis elf – es ist ihr zu anstrengend, darüber zu wachen, dass diese beiden kleinen Monster im Bett bleiben! Und dann haben wir den Rest der Nacht ganz für uns.«
Und wie immer war es ihr unmöglich gewesen, ihm zu widerstehen. Das war gefährlich.
Während des ganzen Abends hatte Bianca, wie auch in den vergangenen Wochen, über ihre Beziehung nachgedacht. Sie schluckte. Cesare mitzuteilen, dass ihre Affäre, die jetzt schon seit sechs Monaten bestand, zu Ende war, würde ihr das Herz brechen. Aber sie musste es tun, bevor sie gänzlich verloren war. Oder sie würde weitermachen wie bisher und wissen, dass er eines Tages mitihr Schluss machen würde. Sie musste eine Entscheidung treffen.
»Zum Glück«, gurrte Claudia mit einem Seitenblick auf ihren Ehemann, »ist Alan nicht reich genug, um mich auszutauschen, also bin ich wohl ziemlich sicher.« Sie ließ ein perlendes, gekünsteltes Lachen hören, dann fiel ihr Blick auf Bianca. »Du und Cesare, ihr wisst wenigstens genau, wo ihr steht, nicht wahr? Ihr habt all den Spaß einer unverbindlichen Affäre ohne die ehelichen Pflichten.«
»Pflichten?«, fragte Alan mit gespielter Entrüstung.
»Na, du weißt schon, Darling – mit dir über meine Kleiderrechnungen streiten, mit den Wutanfällen der Zwillinge fertigwerden, Babysitter organisieren …«
Bianca hörte gar nicht mehr zu. Das war ein unmissverständlicher Seitenhieb auf ihren Status als Geliebte gewesen. Ein Status, auf den sie nicht stolz war. Die Trophäe eines reichen Mannes, die er überall zur Schau stellen konnte und die fallen gelassen wurde, sowie sein Interesse von einer anderen aufregenden Frau gefesselt wurde.
Sie hatte Cesare Andriotti durch ihre Arbeit in einer PR-Agentur kennengelernt, als sie die Eröffnungsveranstaltung für ein weiteres Haus der Andriotti-Hotelkette organisierte. Schon auf den ersten Blick war eine unglaubliche Anziehungskraft zwischen ihnen spürbar gewesen. Bianca hatte gewusst, dass er ihr gefährlich werden konnte. Dennoch hatte sie nicht Nein sagen können.
Es hatte auch nicht geholfen, sich immer wieder zu versichern, dass Cesare Andriotti die Art von Mann war, die sie am meisten verabscheute.
Steinreich, von umwerfend gutem Aussehen, mit massenhaft italienischem Charisma und jener Spur von Arroganz, die auf alle Frauen in seiner Umgebung wirkte. Er gehörte zu den Männern, die sich Geliebte nahmen, diese mit Geschenken überhäuften, und die sich dann berechtigt fühlten, diese Geliebten wieder fallen zu lassen, wenn ihnen danach war – auf sehr höfliche, sehr charmante Weise selbstverständlich.
Bianca hatte versucht, auf Distanz zu bleiben, aber innerhalb eines Monats nach diesem ersten Treffen war sie seine Geliebte geworden. Sie hatte einfach nichts dagegen tun können. Er hatte sie bestürmt und hatte sich über all ihre Einwände hinweggesetzt.
Seine Augen ruhten jetzt auf ihr, das konnte sie spüren. E