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Als Georgia die Maschine hinter den Erster-Klasse-Passagieren verließ, merkte sie erst so richtig, wie viel Geld hier unterwegs war und mit welch selbstbewusster Lässigkeit die Reichen reisten. Die legeren weißen Leinenhemden und Leinenhosen waren mit Monogrammen oder den Logos teurer Label versehen. Allen voran natürlich die von Ralph Lauren und die desUS-Poloverbands. Kein Wunder, schließlich befand sie sich hier im Land des Polos. Trotzdem fragte sie sich ein wenig ketzerisch, wie viele dieser Leute überhaupt eine Ahnung hatten, wie man Polo spielte.
Billy wartete draußen auf sie, lehnte an einem schiefergrauen Wagen, der ebenso elegant und gepflegt war wie er selbst. Er schenkte ihr ein hinreißendes, strahlend weißes Lächeln, das seine Sonnenbräune zusätzlich unterstrich, warf ihre Tasche auf die Rückbank und zog sie in seine Arme. Neben Billy fühlte sie sich immer ein bisschen plump, aber momentan überwog dieFreude, ihn zu sehen.
»Hübsch«, sagte Georgia mit einem Blick auf denschnittigenPorsche.
»Weihnachtsgeschenk«, beeilte sich Billy zu sagen und besaß immerhin so viel Anstand, ein bisschen verlegen zu blicken.»Ich habe ihn nach den Feiertagen runtergefahren.« Billys Eltern hatten mit irgendeinem Fitnessdrink ein Vermögen gemacht, waren jedoch darauf bedacht, dass ihr einziger Sohn seinen Treuhandfonds nicht durchbringen konnte, selbst wenn er es versuchte.
Was er selbstredend tat.
Billy liebte es nämlich, in irgendwelche obskuren Geschäftsideen zu investieren. Derzeit in ein Unternehmen, das es sich zum Ziel setzte, die luxuriösesten Leder der Welt ausfindig zu machen und daraus handgearbeitete Taschen auf Anfrage individuell zu fertigen. Alle paar Monate setzte er Georgia bei irgendeiner Pressemitteilung insCC, um ihr zu beweisen, dass irgendwo auf der Welt über ihn berichtet wurde, aber soweit sie wusste, hatte er bislang nur ein oder zwei Stück verkauft.
So viel zu Billys unternehmerischen Erfolgen.
Jetzt klappte er das Verdeck seines Sportwagens zurück, stellte die Musik an und schoss, noch bevor Georgia sich anschnallen konnte, in einem atemberaubenden, waghalsigen Tempo aus der unterirdischen Terminalzufahrt heraus in die Sonne Floridas.
Ohne hinzusehen, wechselte er die Spuren und plauderte fröhlich über alles, was er für dieses Wochenende geplant hatte. Mit einer klassischen Ray-Ban-Wayfarer-Sonnenbrille, einem eleganten Jersey-T-Shirt und einer tadellosen weißen Jeans war er, wie Georgia fand, der Inbegriff hipper Eleganz. Dagegen fühlte sie sich in ihrer zerknitterten Hose und dem langweiligen Tanktop entsetzlich hausbacken.
Sie fuhren an einigen der eindrucksvollsten künstlich angelegten Landschaften vorbei, die sie je gesehen hatte. Gepflegte Koppeln und naturnahe Umzäunungen– alles war bis inskleinsteDetail mustergültig gestaltet. Riesige Ställe standen etwas zurückgesetzt von der Straße, und überdimensionale Häuser ragten dahinter auf.
»Dieser Ort ist irgendwie unwirklich«, murmelte sie.
»Willkommen in Welly World, Georgia Fellowes.« Billy grinste.»Du wirst es lieben, und ich werde dich verwöhnen, solange ich dich hier habe. Unser Programm für den Nachmittag: Maniküre, Massagen, Margaritas<