: Paolo Giordano
: Den Himmel stürmen
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644049512
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 528
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Teresa lebt mit ihren Eltern in Turin, doch die Sommerferien verbringt sie jedes Jahr bei der Großmutter in Apulien, mit den Nachbarjungen Bern, Tommaso und Nicola. Die vier Freunde gehen zusammen schwimmen und wandern, erzählen sich alles. Sie sind unzertrennlich, bis zwischen Bern und Teresa etwas Neues entsteht: die erste große Liebe. Aber im Jahr darauf ist Bern nicht mehr da. Zutiefst enttäuscht verbannt Teresa Apulien aus ihrer Erinnerung. Erst zum Begräbnis der Großmutter fährt sie wieder hin. Am Rande des Friedhofs steht ein Mann in einem langen Mantel: Bern. Sie gehen aufeinander zu. Doch Bern verschwindet ein zweites Mal aus Teresas Leben. Über zwanzig Jahre - von den Neunzigern bis heute - erzählt Paolo Giordano die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die sich immer wieder finden und verlieren. Mit einer emotionalen Präzision wie kein zweiter schreibt der promovierte Physiker Giordano über Liebe, Freundschaft und Verlust. Ein Meisterwerk über das Entstehen und Verschwinden von Gefühlen. Existentiell, eindringlich

Paolo Giordano wurde 1982 in Turin geboren, wo er Physik studierte und mit einer Promotion in Theoretischer Physik abschloss. Danach arbeitete er als profilierter Journalist. Sein erster Roman «Die Einsamkeit der Primzahlen» war ein internationaler Bestseller. Er wurde in über vierzig Sprachen übersetzt und verfilmt. Zuletzt erschien sein vielbeachteter Roman 'Den Himmel stürmen'. Giordano erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den angesehensten italienischen Literaturpreis, den Premio Strega. Paolo Giordano lebt in Rom.

Erster TeilDie großen Egoisten


1.


Ich sah sie nachts im Pool baden. Sie waren zu dritt und sehr jung, wie ich damals auch, fast noch Kinder.

In Speziale wurde mein Schlaf andauernd von neuen Geräuschen unterbrochen: dem Rauschen des Rasensprengers, von wilden Katzen, die auf der Wiese miteinander rauften, einem Vogel, der endlos denselben Ton von sich gab. In den ersten Sommern bei der Großmutter kam es mir fast immer so vor, als würde ich gar nicht schlafen. Von dem Bett aus, in dem ich lag, betrachtete ich, wie die Dinge, die einst meinem Vater gehört hatten, zurückwichen und wieder näher kamen, als ob das ganze Haus atmen würde.

In dieser Nacht hatte ich Geräusche im Hof gehört, war aber nicht gleich aufgestanden. Manchmal kam der Mann vom Wachdienst bis zum Eingang und steckte einen Zettel in den Türspalt. Doch dann vernahm ich Flüstern und unterdrücktes Lachen. Da beschloss ich aufzustehen. Meine Füße wichen der Mückenfalle aus, die vom Boden ein blaues Licht aussandte. Ich gelangte ans Fenster und schaute nach unten, zu spät, um zu sehen, wie die Jungs sich auszogen, aber noch rechtzeitig, um mitzukriegen, wie sich der letzte von ihnen in das schwarze Wasser gleiten ließ.

Die Beleuchtung im Säulengang erlaubte mir, die sich bewegenden Köpfe zu unterscheiden, zwei dunklere und einen, der wie aus Silber schien. Abgesehen davon waren sie vo