2 – San Francisco, Dienstag, 7. Februar 2012
Ich stehe erstarrt in der hintersten Ecke des Wohnzimmers, den Rücken an die Wand gepresst. Fichten fliegen am Fenster vorbei. Keine Wurzeln. Kein Halt. Angst. Blut. Andreas kniet auf dem Boden und hält unsere Mutter im Arm. Sie schreit vor Schmerzen und presst die Hände gegen den Bauch. Sie blutet. Vater beugt sich über sie. In der rechten Hand der Dolch. Er fletscht die Zähne und sieht angeekelt auf Mutter herab. Ich zittere, versuche Mamas Schreien standzuhalten. Vaters Augen durchbohren mich. Panik schießt durch meine Venen. Endlich löst sich die Starre. Ich renne weg …
Mein Schädel brummt wie die Hölle. Ich fühle mich gerädert. Noch mehr als sonst. Eine Träne rollt über meine Wange.
Wieder bin ich wach geworden.
Wieder war die Dosis zu gering.
Wieder dieser verdammte Albtraum.
Ich liege neben der Toilette. In meiner Kotze. Es stinkt wie die Pest. Mein Alltagsalbtraum beginnt von vorne.
Ich reiße mir die Kleider vom Leib und klettere unter die Dusche, drehe den Kaltwasserhahn auf, soweit es geht. Ich krümme mich vor Schmerzen. Mein Magen verdaut sich selbst. Ich übergebe mich in den Abfluss. Es kommt nur Galle. Übelkeit. Schwindel. Dann der Heißhunger. Außer den zwei ekeligen Croissants gestern habe ich nichts gegessen. Ich werfe meinen Kopf auf das verrostete Acryl, genieße das Eiswasser und weine.
Vielleicht ist meine Zeit noch nicht gekommen.
Vielleicht darf ich noch nicht gehen.
Vielleicht gibt es tatsächlich noch etwas, das ich in meinem verkorksten Leben erledigen muss, erledigen darf.
Dann quäle ich mich in die Vertikale.
Dasselbe Ritual wie an jedem beschissenen Morgen. Rasieren. Mu