Kapitel 2
Unheimlicher Besuch
Ein Wind war aufgekommen und eine leichte Böe stieß das Fenster auf. Die Fensterflügel schlugen aneinander und davon wurde Theo wach. Die Blätter rauschten, und das Rauschen wurde immer lauter, als kündigte sich ein Sturm an.
Verschlafen setzte Theo sich auf. Gerade als er aufstehen wollte, um das Fenster zu schließen, sah er, wie der alte Baum erbebte. Die Zweige schlugen wild gegeneinander und knackten laut. Die Blätter erzitterten und dann schob sich eine riesige dunkle Wand zwischen den Ästen hindurch und kam mit einem lauten Ächzen und Knarzen in leichter Schräglage zur Ruhe.
Theo drückte sich ängstlich in die Schatten. Er war wie gelähmt. Was hatte das alles zu bedeuten? Leise Stimmen drangen von oberhalb der Wand zu ihm. Kurz darauf wurde etwas durch sein Fenster geworfen und knallte klirrend zu Boden. Es war ein Seil mit einem Eisenhaken. Das Seil wurde angezogen und der Haken verfing sich unter dem Fensterbrett.
Dann sah Theo den Raben, der ihn schon mehrfach besucht hatte. Er hörte den leisen Flügelschlag und sah den schwarzen Schatten, der die Wand hinaufflog. Plötzlich war ein Surren zu hören und es erschien eine Strickleiter. Sie landete direkt auf Theos Fenstersims.
Das Ganze wurde immer unheimlicher. Vorsichtig ließ sich Theo über die Bettkante gleiten und versteckte sich unterm Bett. Sein Herz hämmerte so laut, dass man es sicher im ganzen Zimmer hören konnte. Was passierte hier? Waren Außerirdische im Baum gelandet, die ihn entführen wollten? Oder waren es Einbrecher? Er wollte nach Mama rufen, aber als er den Mund öffnete, kam kein Pieps heraus.
Der Mond schob sich über das Dach des gegenüberliegenden Hauses, und in seinem blassen Licht erkannte Theo eine dunkle Gestalt, die langsam die Leiter hinabkletterte. Der Mann stieß das Fenster auf und ließ sich lautlos zu Boden gleiten.
Er war, soweit Theo das erkennen konnte, etwas merkwürdig gekleidet, trug kniehohe Stiefel, einen breitkrempigen Hut und eine altmodische blaue Uniformjacke mit goldenen Knöpfen. Außerdem hatte er einen Säbel und einen Revolver im Gürtel stecken.
Der Mann sah sich suchend im Zimmer um, bis sein Blick auf Theos Bett fi