: Sylvia Weill
: Das Geheimnis des alten Tagebuchs
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962151461
: 1
: CHF 5.40
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 349
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im victorianischen England muß die junge Anabelle Burton völlig mittellos das Pfarrhaus verlassen, nachdem ihr Vater verstorben ist. Sie nimmt eine Stelle als Erzieherin der kleinen Viola auf der alten Normannenburg Darkhaven an der Südküste Englands an. Schon bald fühlt sie sich wohl dort. Sie lernt den Bruder des abwesenden Burgherrn kennen und lieben. Doch was verbirgt er? Ihre einzige Verwandte geht mit Florence Nightingale auf die Krim und verstirbt dort. Anabelle ist die Universalerbin ihres Vermögens. Heimlich heiratet sie Archibald. Da fälllt ihr durch einen Zufall das alte Tagebuch der früheren Burgherrin in die Hände. Nun erkennt sie, daß sie auf der Burg in großer Gefahr schwebt. Ihre einzige Freundin stirbt unter mysteriösen Umständen. Welche Rollte spielt der Burgherr? Gibt es noch eine Rettung oder ist es bereits zu spät?

1. Kapitel


Als ich Darkhaven das erste Mal sah, stand ich an der Bootsanlegestelle von Readingsworth. Die Sonne ging gerade unter, und so konnte ich Darkhaven nur in einem feinen Dunst sehen. Es schien mir wie ein Blick auf eine andere Welt. Nicht weit von der Küste entfernt lag eine kleine Felseninsel im Meer, auf deren höchstem Punkt schon die Normannen eine befestigte Burg gebaut hatten. Darkhaven.

Ich weiß noch genau, dass in zwei Fenstern Licht zu sehen war und ich mich fragte, was wohl gerade dort vor sich ging. Der Gedanke machte mir ein wenig Angst. Instinktiv zog ich meinen warmen Umhang fester um die Schultern und setzte mir die Kapuze auf, weil mich leicht fröstelte.

Was würde mich dort drüben erwarten? Wie oft hatte ich mir diese Frage schon gestellt, seit ich in York alles hinter mir gelassen und mich auf den Weg nach Devon gemacht hatte?

So weit nach Süden war ich noch nie gekommen und um ehrlich zu sein, war es die erste große Reise in meinem zweiundzwanzigjährigen Leben.

Seit ein paar Jahren gab es die Eisenbahn in England, und ich muss sagen, es war zwar eine anstrengende Reise, aber allemal besser als die mit Postkutschen, die immer noch fuhren und die ich zur Genüge kennengelernt hatte bei Fahrten in die Umgebung.

Darkhaven ist zu Fuß nur bei Ebbe über einen schmalen Damm zu erreichen, meistens aber werden die Menschen mit einem Boot übergesetzt.

Dazu war es aber heute Abend bereits zu spät, sodass man mir ein Zimmer in einer Pension direkt gegenüber der Bootsanlegestelle reserviert hatte.

Darauf war ich schriftlich vorbereitet worden. Morgen früh würde zur ausgemachten Stunde ein Boot auf mich warten und mich zu meiner neuen Heimat bringen.

Warum machte mich dieser Gedanke nicht froh? Es ist alles noch zu aufregend und neu für mich, versuchte ich mich selbst zu beruhigen.

Erst jetzt bemerkte ich, dass der Umhang und mein langes Kleid den nassen Sand am Strand berührten und davon wahrscheinlich schmutzig werden würden. Also raffte ich sie leicht und ging wieder auf die befestigte Straße.

Ich wollte aber noch nicht in die Pension zurückgehen, wo Mrs Pandergast sicherlich schon auf mich wartete, um mir das Dinner zu servieren. Sie war wohl der Ansicht, dass es nicht schicklich für ein so junges Ding wie mich war, solch eine lange Reise allein zu machen und dann auch noch abends ohne Begleitung vor die Tür zu gehen. Am liebsten hätte sie mich wohl noch höchstselbst in mein Zimmer gebracht, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich in mein Bett ging und dort auch verblieb.

Ich wollte die Seeluft noch ein bisschen genießen. Dabei schweifte mein Blick immer wieder hinüber nach Darkhaven, das langsam, aber sicher im Abenddunst verschwand. Die Lichter, die vor Kurzem noch so deutlich erkennbar gewesen waren, sah ich kaum noch.

Fühlte man sich auf so einer kleinen Inse