: Susanne Mierau, Anja Constance Gaca
: Mein Schreibaby verstehen und begleiten Der geborgene Weg für High Need Babys
: GRÄFE UND UNZER
: 9783833865930
: GU Baby
: 1
: CHF 11.70
:
: Schwangerschaft, Geburt, Säuglinge
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Warum schreit mein Baby so viel und lässt sich nicht ablegen? Manche Babys weinen mehr als andere und lassen Eltern oft verzweifeln, weil einfach nichts helfen will. Alle Säuglinge haben anfangs das Bedürfnis nach viel Nähe, nach Körperkontakt, emotionaler Zuwendung und werden gerne getragen. Einige Babys haben jedoch besonders starke Bedürfnisse: sie weinen oder schreien viel, lassen sich kaum ablegen und können nur im Körperkontakt mit ihren Eltern schlafen, sogenannte 24-Stunden-Babys. Solche Kinder sind für Eltern eine besonders große Herausforderung, denn die Nächte sind unruhig und auch tagsüber gibt es wenige Momente zum Kraftschöpfen. Die Gründe für dieses Verhalten sind oft sehr unterschiedlich, sie reichen von Regulationsstörungen über Hochsensibilität bis hin zu organischen Ursachen und Geburtstraumata. Für Eltern ist es oftmals schwierig, einen Ansatzpunkt zu finden und passend zur Situation zu reagieren. Im Buch bekommen Eltern einen Einblick in die Entwicklung der Kleinen und was gerade alles los ist. Sie erfahren, warum ihr Baby besondere Bedürfnisse hat und was dann am besten hilft, ohne sich selbst zu vernachlässigen. Viele alltagspraktische Tipps unterstützen Eltern darin, das Baby mit seinen Anliegen anzunehmen und unter den erschwerten Bedingungen eine gute Bindung aufzubauen.

Susanne Mierau Diplom-Pädagogin, Familienbegleiterin, Heilpraktikerin und Mutter von drei Kindern bloggt fast täglich auf www.geborgen-wachsen.de über geborgenes Aufwachsen, Elternschaft und einen achtsamen Lebensweg. Zusammen gestalten sie auf youtube den Kanal 'gut& geborgen' zu allen wichtigen Themen rund um Kinder.

INFO

IST MEIN KIND EIN SCHREIBABY?

Der Begriff »Schreibaby«, den wir auch im Titel dieses Buches verwenden, hat sich als Begriff für untröstlich weinende Babys etabliert. Doch auch wenn Ihr Baby gerade viel und untröstlich weint, ist es nicht einfach nur ein Schreibaby, sondern Ihr wundervolles Kind, das Sie gerade durch sein vermehrtes Weinen ganz besonders fordert.

Übertragen Sie deshalb diesen Begriff nicht einfach auf Ihr Kind, wodurch es primär auf sein Schreiverhalten reduziert wird. Das Wort Schreibaby soll eigentlich nur eine Situation oder ein Verhalten beschreiben, aber niemals Ihr Baby als Person. Nehmen Sie Ihr Kind also immer als ganzen Menschen wahr, auch wenn das Schreien Ihren Alltag momentan vielleicht sehr beeinflusst. Und machen Sie auch Ihr Umfeld darauf aufmerksam, wenn es unbedacht mit diesem Begriff umgeht. Es wäre zu wünschen, dass sich zukünftig ein passenderes Wort etabliert. Wir sprechen in diesem Buch deshalb auch oft von erhöhten Bedürfnissen oder eben untröstlich weinenden Babys.

Schreie sind schwieriger zu deuten

Es ist viel schwieriger, das Weinen und Schreien des Babys zu interpretieren als die kleinen Anzeichen zuvor. Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst erfahrene Säuglingskrankenschwestern das Schreien von Babys nur zu 50 Prozent richtig deuten können. Zudem geraten wir in Stress, wenn das Baby weint, weil wir dies (von der Natur so vorgesehen) unbedingt beenden wollen. Da es so schwierig ist, vom Weinen auf die Ursache zu schließen, kommt es umso mehr darauf an, nach und nach die kleinen Signale des Babys verstehen zu lernen, umvor dem Weinen eingreifen und sein Bedürfnis erfüllen zu können.

Den Grund für das untröstliche Weinen erkennen lernen

Bei Babys, die ein von der Norm abweichendes Schreiverhalten zeigen, ist es zudem besonders wichtig, dass Eltern nicht nur die Signale für Bedürfnisse verstehen lernen. Sie sollten vor allem auch die Gründe für mögliche andere Reaktionen verstehen, um das Baby richtig einzuschätzen und auf dieser Basis handeln zu können. Auf diese Gründe gehen wir in Kapitel 2 (siehe>) noch näher ein. Denn eines ist klar: Alle Eltern wollen das andauernde Weinen des Babys verhindern, aber einige haben einen schwierigeren Weg dorthin, weil das Verhalten des Kindes schwerer verständlich ist und von dem Verhalten der meisten anderen Kinder abweicht.

INFO

WELTWEIT HILFE NUMMER 1: TRAGEN

2017 hat eine vergleichende Studie mit über 684 Frauen aus elf verschiedenen Ländern ergeben, dass es ein kulturübergreifend gleiches Handeln bei Müttern gibt, wenn ihre Babys weinen: Sie nehmen sie auf den Arm, tragen sie und sprechen mit ihnen. Ablenkung oder Kuscheln sind eher nicht die Mittel der Wahl.

Wird ein weinendes Baby auf den Arm genommen, beruhigt es sich meist rasch.

Der schwierige Weg zum Verstehen des Kindes


Um einen guten Weg mit Babys, die viel weinen, zu finden, müssen wir einen dreistufigen Weg gehen: Beobachten – Verstehen – Handeln. Insbesonders der zweite Schritt des Verstehens ist bei viel weinenden Babys von großer Bedeutung. Oft reagieren Eltern nur in zwei Schritten: Sie beobachten – und handeln. Weint das Baby, nehmen sie es auf den Arm oder stillen beziehungsweise füttern es zur Beruhigung. Bei vielen Babys funktioniert das zweistufige Vorgehen auch problemlos, bis sich eine differenziertere Kommunikation eingespielt hat.

Generell ist es dennoch wünschenswert, dass Eltern den zweiten Schritt des Verstehens in ihren Familienalltag einbinden. Bei viel weinenden Babys ist das Verstehen der Gründe allerdings unerlässlich, um langfristig ein passendes Beruhigungsangebot auswählen zu können.

Fehlende Vorbilder und Lernerfahrungen

Wenn uns das Verstehen schwerfällt, so liegt das daran, dass wir als Eltern zwar von Natur aus darauf vorbereitet sind, das Baby beruhigen zu wollen, und dafür mit einigen grundlegenden Verhaltensweisen ausgestattet wurden, dass aber die richtige Interpretation auch eine Frage der Übung ist. Diese Übung ist es, die uns heute