: Christian von Aster, Bernd Perplies, Stephan R. Bellem, Rebekka Pax, Juri Susanne Pavlovic, Tom Orge
: T. S. Orgel, A. S. Bottlinger, S. A. Cernohuby
: Die Hilfskräfte - Die wahren Herren des Dungeons
: Amrûn Verlag
: 9783958693623
: 1
: CHF 3.60
:
: Fantasy
: German
: 300
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Dungeon: uralt, mit gewaltigen Ausmaßen und von unzähligen Kreaturen bevölkert. Wer herrscht über Dungeons? Ihre Besitzer oder Besetzer? Nein, die wahren Herren des Dungeons sind jene, die ihn am Laufen halten. Die das vergossene Blut aufwischen, die Knochen der Skelette sortieren, die Fallen reparieren und die Monster füttern. Dieses Buch erzählt ihre Geschichten. Lernt sie kennen: Die Hilfskräfte - Die wahren Herrn des Dungeons! Mit Geschichten von Christian von Aster, Stephan R. Bellem, Andrea Bottlinger. Stefan Cernohuby, Robin Gates, Christian Günther, Ju Honisch, Tom Orgel, Stephan Orgel, Bernd Perplies, Juri Susanne Pavlovic, Rebekka Pax, Carsten Steenbergen, Melanie Vogltanz, Christian Vogt, Judith Vogt

Schicht im Schacht


Von Tom Orgel

Sie hätte es wissen müssen.

Das wurde Tia klar, als sie im Schatten der der halb zerstörten Statue kauerte und wider besseren Wissens versuchte, mit der rauen Höhlenwand zu verschmelzen. Ein neuerlicher Donnerschlag ließ die Kaverne erzittern. Staub, kleine Steine und verwirrte Höhlenspinnen rieselten von der Decke herab und ein kleinerer Stalagmit verfehlte sie nur um Haaresbreite.Tit, verbesserte ihr Hirn sie ohne ihr Zutun.Stalaktit. Die Titen sind die, die hängen.

Tia verzog das Gesicht. Das war typisch für ihr Hirn. Sich anzügliche Witze merken – das konnte es. Sie rechtzeitig davon abzuhalten, mit berüchtigten Helden auf eine ‚Queste’ zu ziehen, dazu war es nicht in der Lage.

Sei wenigstens ehrlich. Ich habe dich gewarnt. Du hast nur lieber dem Alkohol zugehört, warf ihr Hirn ungebeten ein und Tia schnitt erneut eine Grimasse.

Irgendwo auf der anderen Seite der Statue blitzte es. Sie presste sich rechtzeitig die zerschundenen Handballen auf die Ohren, um den nächsten Donner zu dämpfen. Eine massige, untersetzte Gestalt flog an ihr vorbei und zog dabei eine dünne Rauchfahne hinter sich her. Krachend schlug sie nur wenige Schritte von Tia auf, rollte scheppernd weiter und blieb schließlich in einem Haufen dampfender Rüstungsteile liegen. Erst mit einem Augenblick Verzögerung erkannte Tia den stets mürrischen Zwergenkrieger der Truppe. Die Haare des Mannes standen in alle Richtungen ab, sofern sie nicht in einen seiner zahlreichen Zöpfe eingebunden waren. Winzige Funken sprangen zwischen ihnen und Tia bildete sich ein, ihr Knistern über den Lärm des tobenden Kampfes hören zu können. Was natürlich Unsinn war, denn noch immer waren ihre Hände fest auf ihre Ohren gepresst. Tia senkte sie zögerlich und wandte dabei den Blick nicht von dem wie aus Stein gehauenen, alten Gesicht des Zwergs, dessen weit aufgerissene Augen in ihre Richtung starrten, ohne irgendetwas wahrzunehmen. »Gud … Gudnar?« wisperte sie stockend.Einen Zwerg mit Magie umbringen - welche Chance hat der Rest von uns dann noch? Welche hast vor allem du, in diesem verdammten Dungeon zu überleben? Tia war versucht, ihrem Hirn endgültig das Wort zu entziehen, aber leider hatte sie keine Ahnung, wie das funktionieren sollte. Außerdem hatte es ziemlich wahrscheinlich recht.

Tia war in den letzten zehn Tagen ziemlich gut darin geworden, die leise Stimme in ihrem Hinterkopf zu ignorieren. Genaugenommen, seit die Fremden in den kleinen Marktflecken gekommen waren, der die gesamte Welt war, die Tia in den noch nicht zwanzig Sommern ihres Lebens gesehen hatte. Sie waren nicht die ersten Fremden gewesen. Das hatte das Leben in einem Marktflecken so an sich. In schöner Regelmäßigkeit kamen Händler vorbei, fahrende Handwerker, wandernde Gesellen, Steuereintreiber, der gelegentliche Trupp Söldner auf dem Weg zu einem Kriegsschauplatz irgendwo auf der Welt, und einzelne Krüppel oder Deserteure von genau dort. Schausteller und Gaukler kannte Tia, die Wagen der Dirnen, der Doktoren und der Wahrsager. Fast jeden Sommer ließ sich der eine oder andere Dieb oder Bandit auftreiben, den man in einer fröhlichen Prozession zum Galgenbaum führen konnte. Und erst im letzten Monat hatten die Jäger ein halbes Dutzend Orkschädel aus den Hügeln mitgebracht, das jetzt noch immer das Osttor zierte. T