Hinterzimmer der Sirius-Apotheke zu Ischl herrschte drückende Schwüle. Zum offenen Fenster zog der schwere Duft der blühenden Linden herein. Mariann Einegger merkte nichts davon, zerstreut nahm sie ein altes Porzellangefäß aus dem Regal, es entfiel ihrer Hand und zerbrach klirrend am Boden.
Ihr Aufschrei lockte den Apotheker Sixtus Menardi herbei. Seine Haushälterin stand mit dem Rücken zu ihm, das Gesicht in den Händen versteckt, ihre Schultern zuckten. Menardi erschrak. Noch nie hatte sie während der ganzen Jahre, in denen sie der gute Geist seines Hauses war, die Fassung verloren.
Tröstend meinte er: „Na, na, Mariann, wegen der paar Scherben werden Sie doch nicht weinen. Was haben Sie denn nur, schon den ganzen Tag merk ich, dass Sie was bedrückt.“
Langsam ließ sie die Hände sinken.
„Ich soll Sie verlassen, Herr Sixtus, auf den Einegg-Hof soll ich zurück!“
Verständnislos sah er sie an. Er war ein Fünfziger mit einem scharf geschnittenen Kopf auf seinem schmächtigen Körper. Das graue Haar wich ihm in tiefen Winkeln aus der schmalen Stirn. Der eingefleischte Junggeselle verdankte der Mariann ein behagliches Heim. Keine Ehefrau hätte ihn mehr verwöhnen können, als die geschiedene Frau des Gutsbesitzers Martin Einegger. Über ihre Ehe hatte sie nie geredet, er begriff nicht, wie dieser Mann die tüchtige und herzenswarme Frau hatte gehen lassen können.
„Ihr Mann will Sie wiederhaben, Mariann? Er hat aber doch wieder geheiratet?“ Plötzlich fiel ihm ein: „Verloren hat er seine zweite Frau. Witwer ist er geworden, vor zwei Jahren war’s gelt, ja?“
Sie nickte. „Jetzt ist auch der Martin tot, einen Herzinfarkt hat er gehabt. Und der Notar Doktor Wachter teilt mir mit, dass er mich als Erbin eingesetzt hat!“
Jetzt kamen ihr wieder die Tränen. Die Fünfunddreißigjährige hatte ein ruhiges Madonnengesicht, ihr braunes Haar war in der Mitte gescheitelt und im Nacken zu einer Rolle gekämmt. Schön an ihr waren die dunklen, warmen Augen, ihr Blick nahm jeden für sie ein.
„Das tut mir leid, ich habe nicht gewusst, dass Sie ihn noch mögen.“
„Freilich tut’s mir leid um ihn, abgerackert hat er sich. Das Gut hat ihn am Gewissen und vielleicht auch …“ Sie stockte. Bekannte hatten ihr zugetragen, dass er es in seiner zweiten Ehe nicht leicht gehabt hatte, vor allem seine Schwiegermutter wär schwierig gewesen!
„Sind da nicht zwei Kinder, warum erbe