Vorwort
Die vierjährige Sarah Biasini war mit dem Kindermädchen bei Freunden auf dem Lande, als am Morgen des 29. Mai 1982 in einem Pariser Appartement Romy Schneider tot aufgefunden wurde. So blieben nur Szenen einer lebendigen, sie liebevoll umsorgendenMaman in ihrer kindlichen Erinnerung. Eines der letzten gemeinsamen Fotos, aufgenommen von Robert Lebeck, dem stillen Löwen mit dem Gespür für den entscheidenden Augenblick, zeigt Mutter und Tochter lachend und verspielt und zärtlich auf einem großen Bett. Auf dem mußte der Filmstar ruhen, weil der gebrochene Fuß noch in Gips lag, geschont werden sollte, und deshalb die Dreharbeiten zum nächsten Film, dem achtundfünfzigsten ihrer Karriere, erst beginnen würden, wenn sie wieder fest auf eigenen Beinen stehen konnte.
Aufgewachsen ist Sarah nach dem Tod der Mutter unter der wachsamen Obhut ihres Vaters Daniel und behütet von Biasinis Eltern. Sie hat nach dem Abitur Kunstgeschichte an der Sorbonne studiert, dann auf der Lee-Strasberg-Schule in Los Angeles Unterricht als Schauspielerin genommen, dann wieder andere berufliche Lebenspläne verfolgt – alles ganz normal für ein junges Mädchen auf der Suche nach sich selbst. Genetisch geprägt vom früh schon sichtbaren schauspielerischen Talent ihrer Mutter sowie dem mitunter auch vorhandenen ihrer Großmutter Magda oder dem betörenden ihres Großvaters Wolf Albach-Retty, den sie nicht kannte, der längst verstorben war, als sie am 21. Juli 1977 auf die Welt kam, hat sie vor ein paar Jahren schließlich die Hauptrolle in einem Mantel- und Degenfilm unter dem TitelJulie gespielt.
Da Sarah danach erst recht mit ihrer Mutter verglichen wurde, deren Gesicht in dem ihren auftaucht, hielt sich die Lust der mittlerweile 31jährigen, in Rollen zu schlüpfen, die ihr angeboten wurden und von denen manche nicht ganz zufällig nach einem Remake des WelterfolgsSissi aussahen, in Grenzen. Für ihren Lebensunterhalt braucht sie die angebotenen Gagen ohnehin nicht. Zwei verschwiegene Anwälte der guten alten Schule waren von ihrer Mutter als Treuhänder ausgewählt worden, und die für Sarah angelegten Millionen reichen bis ans Lebensende. Wie es dazu kam, ist eine komplizierte und zugleich eine einfache Geschichte: Harry Meyen war nach der Scheidung von Romy Schneider mit 1,2 Millionen Mark abgefunden worden. Die hat Meyen zeitlebens selbst dann nicht angerührt, wenn er Geld hätte brauchen können, denn er war ein stolzer Mann. Er ließ die Summe für den gemeinsamen Sohn David in einem Depot ruhen und dort wachsen. Nach seinem Selbstmord war automatisch sein Sohn alleiniger Erbe, womit seine Zukunft gesichert schien. Doch David hatte keine Zukunft. Im Sommer 1981 rutschte der damals 14-jährige beim Überklettern eines Zaunes ab, wurde dabei von einem eisernen Pfahl aufgespießt, verblutete wenig später. Jetzt war seine Mutter Nutznießerin des einst von ihr an Davids Vater überwiesenen Geldes, wovon sie allerdings nichts ihrem Noch-Ehemann Daniel Biasini erzählte. Von dem lebte sie bereits getrennt.
Ihr deutscher Anwalt, ein treuer Freund, legte mit einem Schweizer Kollegen alles in einem Fonds in Liechtenstein an, diesmal zu Gunsten von Sarah, die nach dem Willen von Romy Schneider an ihrem 26.&n