: Martin Olden
: Kommissar Platow, Band 12: Das Phantom aus dem Palmengarten Kriminalroman
: mainebook Verlag
: 9783946413790
: Kommissar Platow
: 1
: CHF 1.80
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 124
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie war eine Großmutter wie aus dem Bilderbuch. Verständnisvoll, großzügig, von allen geliebt. Als wir die Dame fanden, lag eine weiße Rose in ihrem Schoß. Der Gruß eines Mörders. Ich rätselte über sein Motiv, nicht ahnend, dass ich die schlimmste aller Nachrichten erhalten sollte. Terroristen hatten die Landshut gekapert - und meine Eltern waren an Bord der Maschine ...# Alle Bände der Serie: Band 1 'Sieben Schüsse im Stadtwald', Band 2 'Das Grab am Kapellenberg', Band 3 'Endstation Hauptwache', Band 4 'Der Westend-Würger', Band 5 'Blutnacht im Brentanopark', Band 6 'Frau Wirtins letzter Gast', Band 7 'Geiselnahme in der Goethestraße', Band 8 'Der Rächer aus der Römerstadt', Band 9 'Geschändet am Frankfurter Kreuz', Band 10 'Abrechnung in Bankfurt', Band 11 'Die Sünderin vom Schaumainkai', Band 12 'Das Phantom aus dem Palmengarten', Band 13: 'Zahltag auf der Zeil', Band 14 'Der Kerker im Kettenhofweg' und Band 15 'Letzte Ausfahrt Frankfurt-Süd'

Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbuchautors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der 'Frankfurter Neuen Presse'. Ebenso ist er als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Bei mainbook erscheint auch Martin Oldens Krimi-Reihe mit Kommissar Steiner: 1. Band: 'Gekreuzigt'. 2. Band 'Der 7. Patient'. 3.Band 'Wo bist du?'. 4. Band 'Böses Netz'. 5. Band 'Mord am Mikro'. 6. Band 'Die Rückkehr des Rippers'. 7. Band 'Vergiftetes Land'. Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller 'Frankfurt Ripper'. Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher 'Mach mich ganz', 'Wer hat den Wald gebaut?', 'Wo ist der Tannenbaum?' und 'Graue Pfote, Schwarze Feder'

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Donnerstag, 13. Oktober

Der Schock stand Hauptkommissar Hans Söhnlein ins Gesicht geschrieben. Die Farbe war aus den kernigen Zügen meines Chefs gewichen. Mister Brillant, wie er wegen seines scharfen Verstandes genannt wurde, stand am Küchenfenster, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und atmete schwer. Er hatte schon an zig Tatorten gestanden, mehr Tote gesehen als ihm lieb war, manchmal grausam verstümmelt, die Körper von Fäulnisgasen aufgebläht wie Heißluftballons, stinkend und verrottend. Schlecht war ihm dabei nur in den Anfangsjahren geworden, bis sich sein Magen abgehärtet hatte gegen die Gerüche des Todes und seine Seele die Schicksale der Ermordeten nicht mehr an sich heranließ. Jetzt kämpfte Mister Brillant sichtlich gegen die Übelkeit, denn das Opfer gehörte sozusagen zur Familie.

„Wer tut sowas, Joe?“ Seine Stimme war ein heiseres Flüstern.

Ich trat neben ihn und betrachtete durch die Fensterscheibe den Nebelschleier, der sich langsam zwischen den Häusern der Siedlung aufzulösen begann wie Gespenster aus dem bösen Traum eines Kindes. Aus dem Albtraum, in den wir vor ein paar Stunden geraten waren, gab es kein Erwachen. „Ein Mensch, der Hass in sich trägt“, antwortete ich schließlich. Abba drückte sich an mein Hosenbein.Armer Sascha – wie traurig!

Söhnlein stellte die nächste Frage, den Blick gen Himmel gerichtet. „Kann man jemanden, der sich zu einer solchen Tat hinreißen lässt, überhaupt als Menschen bezeichnen?“

„Seit Kains Zeiten steckt im widerwärtigsten Verbrecher ein Funken Menschlichkeit – die Weisheit haben Sie mir beigebracht, Chef.“

„Hab ich das? Im Augenblick fällt`s mir schwer, daran zu glauben.“

Gerade trugen zwei Bedienstete der Stadt den Sarg aus der Wohnung am Birkholzweg. Darin ruhte der Leichnam von Lina Jansen. Mister Brillant trauerte mit Sascha, unserem Kollegen und Freund. Mir ging es nicht anders. Es mochte zwei, drei Jahre her sein, da war ich von Sascha zum Essen eingeladen worden und hatte in eben dieser Küche einen gemütlichen Abend mit ihm und Oma Jansen verbracht. Ihre Herzenswärme und ihr Gottvertrauen waren mir im Gedächtnis haften geblieben. Gleichwohl mussten wir den Fall bearbeiten wie jeden anderen, mit der gebotenen Sachlichkeit und Nüchternheit. Ich fischte meine Pfeife aus der Anzugtasche, ein Modell der Marke Design Berlin mit langem Fishtail-Mundstück, füllte eine dänische Tabakmischung in den Kopf und riss ein Streichholz an. Während mir eine nussige Duftwolke in die Nase stieg, versuchte ich anhand der Faktenlage zu enträtseln, was sich abgespielt hatte. Gestern Abend, zwischen 20 Uhr und Mitternacht, war der Täter unbemerkt in die Wohnung eingedrungen. Lina Jansen hatte zu der Zeit im Wohnzimmer-Sessel gesessen und Radio gehört. Mit einem Drosselwerkzeug, wahrscheinlich einem dünnen Hanfstrick, war die alte Dame bis zur Bewusstlosigkeit stranguliert und danach mit einem Messerstich ins Herz getötet worden. Der Mörder hatte darauf geachtet, beim Durchsuchen der Schränke und Schubladen keine Unordnung zu hinterlassen, und war mit einer Beute im Wert von nicht einmal 200 Mark entkommen. Am heutigen Morgen wollte Sascha das Frühstück und die Zeitung bringen, hatte aber feststellen müssen, dass sich die Tür nicht aufschließen ließ. Der Schlüssel seiner Oma steckte von innen. Bei Einbruch der Dunkelheit pflegte sie ihn ins Schloss zu schieben und morgens nach dem Aufstehen wieder abzuziehen. Sascha war zunächst von ihrer Vergesslichkeit ausgegangen. Erst nachdem sie auf sein Klingeln, Klopfen und Rufen keine Antwort gegeben hatte, wusste er, dass ein Unglück geschehen sein musste.

Ich zog bedächtig an der Pfeife, einen Haufen Fragen im Kopf, auf die mir momentan keine plausiblen Antworten einfielen. Sascha Jansen kam aus dem Schlafzimmer zu uns in die Küche. Man sah ihm an, dass er geweint hatte. Begleitet wurde er von einem dicklichen Mann Anfang fünfzig. Hauptkommissar Helmut Löschner vom Raubdezernat, dessen Triefaugen und hängende Wangen mich an den Basset-Hund aus meiner Nachbarschaft erinnerten. Wahrscheinlich war das der Grund, warum Abba jedes Mal begeistert mit der Rute wedelte, wenn sie Lösch