Ein Gespräch zwischen Martina Minkner, Thorsten Padberg und dem Herausgeberteam als Beitrag zu einem etwas anderen Lehrbuch
Ausschnitte dieses frei geführten Gesprächs finden sich als Einführung oder Nachklang zu den jeweiligen Beiträgen des Lehrbuchs1
Guten Tag. Wir möchten uns kurz vorstellen: Wir, Martina Minkner und Thorsten Padberg, arbeiten als Psychotherapeutin und Psychotherapeut, wir praktizieren, lehren und schreiben zu unterschiedlichen psychologischen und psychotherapeutischen Themen. Und wir haben viel zu tun mit Kolleginnen und Kollegen in der Psychotherapieaus- und -weiterbildung.
Wir haben eine spannende Aufgabe in diesem Lehrbuch übernommen. Im Gespräch mit den Herausgeberinnen und Herausgebern möchten wir Sie bei der Lektüre der nächsten paar Hundert Seiten begleiten. Doch dazu gleich mehr.
Vor einiger Zeit wurden wir von dem Herausgeberteam des Lehrbuchs gebeten, Übergänge zu den einzelnen Beiträgen zu formulieren. Das Herausgeberteam, allesamt Mitglieder der DGVT-Ausbildungsakademie, hat die Absicht, mit einem neuen Lehrbuch die Entwicklungen einer modernen Psychotherapieausbildung aufzugreifen und sie in einem Gesamtzusammenhang darzustellen. Mit den Übergängen und Kommentaren möchten wir Ein- und Ausblicke geben, um verschiedene Brillen beim Lesen aufsetzen zu können. Brillen wie: Welche Gedanken und Fragen hätten wohl Fachkollegen, welche hätten Patientinnen oder Forschende, welche am Fach Interessierte? Dabei genießen wir ein besonderes Privileg. Da wir nicht die Fachkapitel selbst schreiben, aber dennoch selbst präsent sein dürfen, stehen wir außerhalb eines Zwangs, unter dem die Autorinnen und Autoren wissenschaftlicher Werke sonst oft stehen.
Als Stimmen in einem etwas anderen Lehrbuch wollen wir gemeinsam für einen Teil dieses „anderen“ zuständig sein, die zusätzlichen Stimmen, die normalerweise in objektiven Texten außen vor bleiben. Das lässt Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, ein wenig mehr kognitiven Spielraum, als es Ihnen in herkömmlichen Lehrwerken zumeist zugestanden wird.
Als Erzähler sind wir manchmal auch unzuverlässig, weil wir nicht unbedingt bei jedem Wort darauf achten, ob die Wissenschaft das notwendigerweise genauso sieht. Zum Beispiel wenn wir Ihnen Standpunkte nahebringen, die wir in der Psychologie und Psychotherapie für unterrepräsentiert halten. Vielleicht sehen wir etwas, das Sie nicht sehen und was Ihre Aufmerksamkeit besonders weckt.
Wobei es Sie vielleicht auch skeptisch macht: Denn wird das alles stimmen, was wir so kommentierend und erzählend von uns geben? Eigentlich sind wir ja zu dritt, denn wir begleiten die Wissenschaft, die Nr. 1 in diesem Lehrbuch, also die Beiträge der Autorinnen und Autoren. Und da wir unsere Beiträge im Gespräch mit den Herausgebern formulieren, fließen auch von diesen einzelne Passagen ein.
Kurzum: Wir möchten Sie trotz aller Wissenschaftlichkeit auch unterhalten und überraschen! Wir möchten Ihnen gerne hin und wieder eine Idee mitgeben, die Ihr therapeutisches Denken und Handeln verändern könnte. Insofern können Sie uns auch wie eine Patientin oder einen Patienten betrachten. Denn es geht ja darum, das von uns Gesagte einzuordnen, die erzählte Geschichte vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte und der Erfahrungen des Erzählenden zu verstehen, und das ist ja auch Teil Ihrer (zukünftigen) Arbeit als Psychotherapeutin und Psychotherapeut.
So, nun wenden wir uns mal den Herausgebern zu. Eine Frage bewegt uns gleich zu Beginn: Warum eigentlich noch ein psychotherapeutisches Lehrbuch, oder ist es ein verhaltenstherapeutisches Lehrbuch? Es gibt doch schon so viele davon!
Fangen wir mit der Titelgebung an: Es gab teilweise heftige Diskussionen darüber. Soll es ein psychotherapeutisches Lehrbuch sein? Oder ein verhaltensther