5.
Zwei Tage später stand Yun-Fat im Büro Rabe& Adler und bewunderte die Aussicht über den Hafen. Auf seiner Stirn klebte ein Pflaster, und er hatte einen Arm in der Schlinge. Von wegen ein paar Prellungen: Sie hatten ihm den Arm angeknackst und eine Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beleidigung eines Vollstreckungsbeamten aufgebrummt.
Darüber lachte er jetzt: »Das war nur, weil ich ein Bier getrunken hatte. Bier macht mich fröhlich, wenn ich gute Gründe habe. Es kam ein Anruf, ich hatte gute Gründe und trank ein Bier. Dann kamen die Bullen, und ich wurde geschlagen. Das hat mich wütend gemacht. Und die auch. Jetzt freut sich mein Arzt.« Er hob den bandagierten Arm und verzog das Gesicht.
»Warum wurde dein Lokal denn überhaupt durchsucht?«
»Zollgeschichte, Einfuhrgesetze, Bürokratenkram. Das europäische Lebensmittelrecht ist sehr undurchsichtig. Da tappst du schnell in eine Falle. Aber unser Anwalt kriegt das schon hin.« Er schaute sich um. »Tolles Büro. Hübsch eingerichtet.«
»Danke.«
Er deutete auf den alten Eichentisch, hinter dem Nadine saß. »Aber das Ding da ist alt.«
»Ein Erbstück«, sagte Nadine.
»Du hast einen Schreibtisch geerbt?« Er lachte vor sich hin.
»Was ist daran so witzig?«
»Ich hab ein Restaurant geerbt.«
»Wo ist die Ironie?«, fragte Nadine.
Yun-Fat ging ans Fenster. »Das ist der teuerste Ausblick, den ich kenne«, sagte er.
»Das Haus gehört unserem Anwalt. Also der Kanzlei, für die wir des Öfteren arbeiten. Wir haben Sonderkonditionen, sonst ginge das gar nicht.«
Yun-Fat schüttelte de