: Robert Brack
: Unter dem Schatten des Todes Kriminalroman
: Edition Nautilus
: 9783960541226
: 1
: CHF 12.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Klara Schindler sitzt Ende Februar 1933 in einem Nachtklub in Kopenhagen, als der Berliner Reichstag in Flammen aufgeht. Von der KPD wird sie mit falschen Papieren nach Berlin geschickt, um herauszufinden, wer der angebliche Brandstifter Marinus van der Lubbe wirklich ist. In der Stadt dominiert die SA bereits das Stadtbild, Überfälle auf kommunistische Lokale sind an der Tagesordnung. Die KPD zieht sich in den Untergrund zurück und plant Widerstandsaktionen gegen die Nazis. Klara gerät in ein dunkles Netz von Denunzianten und Spitzeln auf der einen, von abgetauchten und verängstigten Genossen auf der anderen Seite. Eine mysteriöse Ausländerin stiftet Verwirrung und Klaras Freund Ludwig Rinke aus der Hamburger Unterwelt ist auch in Berlin aktiv. Mit Hilfe einiger dubioser Figuren deckt Klara einen genauen Tathergang auf, wie dieser Brand stattgefunden und wer in welcher Weise zur Durchführung beigetragen haben kann. Dann kommt es zum Showdown im Palais des Reichstagspräsidenten ...

Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt in Hamburg. Er wurde mit dem »Marlowe« der Raymond-Chandler-Gesellschaft und mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Nach »Und das Meer gab seine Toten wieder« (2008), »Blutsonntag« (2010) und »Unter dem Schatten des Todes« (2012) erscheint 2023 mit »Schwarzer Oktober« der vierte historische Kriminalroman um Klara Schindler.

»Klara!«

Für dich gibt’s keine Klara mehr, dachte sie, als sie die Straße entlangeilte, während der Wind ihr die feuchten Schneeflocken ins Gesicht trieb.

Auf der Bühne stand eine Operationsliege. Eine Krankenschwester führte einen Mann in Patientenkittel zu ihr hin. Er protestierte, es gehe ihm ausgezeichnet, er sehe keinen Anlass zu einer Behandlung. Die Schwester beruhigte ihn, es sei nur ein Routineeingriff. Nach einigem Hin und Her fügte der Mann sich in sein Schicksal und legte sich auf die Liege. Es dauerte eine Weile, bis die Schwester ihm klargemacht hatte, dass er für diese Operation auf dem Bauch liegen müsse. Der Arzt, der eher wie ein Schlachtermeister aussah, kam mit einem großen Küchenmesser zwischen den Zähnen. Ein Assistent rollte einen Wagen mit chirurgischem Besteck heran. Der Arzt machte sich an dem Patienten zu schaffen. Nach einer Weile warf er einen großen länglichen Gegenstand auf den Wagen. Der Patient sprang fröhlich auf, machte Kniebeugen mit nur einer erhobenen Hand und rannte zufrieden davon. »Der Nächste, bitte!«, rief der Arzt. Die Krankenschwester schob einen weiteren Kandidaten ins Rampenlicht, hinter dem sich inzwischen eine ganze Reihe von Männern und Frauen in Patientenkitteln zusammengefunden hatte. Diesmal ging die Operation schneller, beim nächsten noch schneller. Nachdem sich eine ganze Reihe länglicher Objekte auf dem Operationswagen gestapelt hatten, hielt der Arzt inne und musterte das Publikum. Dann nahm er einen der länglichen Gegenstände, es war eine Wirbelsäule, und versuchte, sie den Anwesenden zu verkaufen. Alle lachten, niemand griff zu. Ein SA-Mann trampelte lautstark heran, verlangte die Herausgabe der Wirbelsäule und gab mit schnarrender Stimme bekannt: »Der deutsche Mensch hat kein Rückgrat, braucht kein Rückgrat und will auch kein Rückgrat haben!« Der Arzt schulterte die Wirbelsäule wie ein Gewehr und salutierte mit der freien Hand: »Jawohl, mein Oberuntersturmbannstaffelgruppenführer!«

Auf der Bühne hatten währenddessen die Krankenschwester, der Assistent und ein Patient die übrig gebliebenen Wirbelsäulen verbogen, sodass sie wie Saxofone aussahen. Die Jazzcombo auf der Nebenbühne zählte ein, und sie spielten mit. Nach acht Takten stoppte die Musik und der Arzt fragte den SA-Mann, ob er wisse, wofür die Wirbelsäule denn da sei. Der SA-Mann zuckte mit den Schultern, woraufhin der Arzt erklärte: »Das Rückgrat verbindet Arsch und Kopf. Nimmt man es weg, rollen die Köpfe und der Arsch bleibt übrig.« Die Musik spielte weiter.

Na ja, dachte Klara, kleinbürgerliches Kabarett, ver