: Robert Brack
: Schneewittchens Sarg Ein Fall für Lenina Rabe
: Edition Nautilus
: 9783960541714
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Aikido-Meisterin Lenina Rabe hat viel zu tun, denn zwei Aufträge verbinden sich auf unerwartete Weise. Ein geheimnisvoller Unbekannter bietet ihr einen astronomischen Vorschuss, wenn sie herausfindet, wer hinter der sogenannten Dänischen Befreiungsfront steckt. Mit ihrer Forderung, die Zwangsvereinigung Altonas mit Hamburg müsse rückgängig gemacht werden, macht diese Organisation nicht nur den Bürgermeister nervös. Gleichzeitig soll Lenina Schneewittchens Mörder finden. Beim Abriss eines Teils einer alten Fabrikhalle wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Zwanzig Jahre lang lag sie dort im Keller begraben. Heute befinden sich in dem Gebäude Luxuswohnungen, aber damals hauste in der besetzten Fabrik eine alternative Lebensgemeinschaft. Bei ihren Nachforschungen wühlt Lenina viel Zwist unter den verbürgerlichten Ex-Engagierten auf, so dass sie froh um ihre neue Mitarbeiterin Nadine ist.

Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt in Hamburg. Er wurde mit dem 'Marlowe' der Raymond-Chandler-Gesellschaft und dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen in der Edition Nautilus drei Romane über die politischen Verhältnisse in der Weimarer Republik: Und das Meer gab seine Toten wieder beschreibt einen Polizeiskandal aus dem Jahr 1931, Blutsonntag befasst sich mit den Ereignissen im Juli 1932 in Altona, beschreibt die Hintergründe des Reichstagsbrands 1933 in Berlin. Mit Die drei Leben des Feng Yun Fat kehrt der Autor in die Gegenwart zurück und knüpft an seine drei Lenina-Rabe-Romane Lenina kämpft, Haie zu Fischstäbchen und Schneewittchens Sarg an. Weitere Abenteuer von Rabe& Adler sollen folgen.

ZWEI


Ich eilte ihm voraus und bemerkte dabei, dass ich es vor allem deswegen tat, um ihm zu zeigen, dass ich viel jünger und besser im Training war als er. Aber als ich oben ankam, war ich ziemlich aus der Puste, ich war ja immerhin vom Bahnhof hergerannt. Er war dicht hinter mir geblieben und atmete langsam und gleichmäßig.

Ich schloss die Stahltür mit dem Schild »Lenina Rabe, Detektivin« auf und betrat das Büro. Der vordere Raum des Lofts, mein Büro, war glücklicherweise vorbildlich aufgeräumt. Sogar der Küchenbereich glänzte. Im Hinterzimmer, meinem privaten Reich, sah es anders aus, aber das lag nur daran, dass ich zur Zeit Besuch hatte. Annie war aus Berlin rübergekommen, um sich bei mir auszuweinen, weil ihre Karriere als Sängerin einen Knick bekommen hatte. Wir waren letzte Nacht in unserer alten Stammkneipe, dem »Espace«, gewesen und hatten einen nostalgischen Abend verbracht bis zu dem Moment, als so ein Typ, der aussah wie ein weichgespülter Til Schweiger, Annie gefragt hatte, ob sie nicht die Annie sei, die er neulich auf MTV und so weiter … Sie waren dann zusammen weggegangen und ich allein nach Hause.

Aber jetzt stand, nachdem die Tür hinter ihm laut ins Schloss gefallen war, dieser alte Knacker in meinem Büro und sah sich meine »Galerie der Inspiration« an. Das waren Bilder von schwierigen Übungen, die ich mir noch draufschaffen musste. Einfache Skizzen, die ich selbst angefertigt hatte.

»Machst du immer noch Aikido?«, fragte Paul.

»Ja.«

»Und bist immer noch der Ansicht, dass die Revolution nicht auf der Straße, sondern im Kopf statt