: Sophie Oliver
: Das Erbe von Gullrock Hall Ein windumtostes Stück Land an der walisischen Küste und ein dunkles Geheimnis, über das nach hundert Jahren noch geredet wird.
: beHEARTBEAT
: 9783732535941
: Die schönsten Familiengeheimnis-Romane
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 332
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Iris Rhys lebt in Boston und arbeitet als Restaurateurin für das Museum of Fine Arts. Nach einem Kongress in London beschließt sie, Ogmore-by-Sea in Wales zu besuchen - die Heimat ihrer Vorfahren. In dem kleinen Dorf an der walisischen Südküste erfährt sie, dass sie ein kleines Cottage geerbt hat. Doch je länger sie in dem Dorf bleibt, desto deutlicher wird, dass ein dunkles Geheimnis ihre Familie umgibt.
Sie entscheidet sich zu bleiben, um den bösen Gerüchten entgegenzutreten. Einzig der junge Anwalt Gabriel steht auf ihrer Seite, obwohl seine Familie die Amerikanerin nur zu gern wieder loswerden würde. Kann sie mit seiner Hilfe das Geheimnis lüften? Und hält dieser mysteriöse Ort für sie eine glückliche Liebe bereit, nach der sie sich so sehnt?
Alle Romane der Familiengeheimnis-Reihe sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.

e ooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.



1


Juni 2016

Mit elegantem, durch und durch britischem Akzent hatte das Navigationssystem des Mietwagens Iris versichert, dass die Fahrt vom Flughafen in Cardiff nach Merthyr Mawr achtunddreißig Minuten dauern würde. Wer wollte das infrage stellen? Zumal es für amerikanische Verhältnisse, wie Iris sie kannte, ein Katzensprung war. Deswegen war sie einigermaßen zuversichtlich gestartet, obwohl sie sich beim Fahren auf der ungewohnten linken Straßenseite ein wenig unsicher fühlte. Hinzu kam, dass die Fahrbahnbreiten in Wales sich doch deutlich von denen in den USA unterschieden. Iris glaubte nicht, irgendwo in Boston und Umgebung jemals derartig schmale Straßen gesehen zu haben.

Nach eineinhalb Stunden begann sie, die freundliche Computerstimme anzuzweifeln. War sie nicht schon dreimal an dieser Kreuzung vorbeigekommen? Die Umgebung wirkte trotz der Nähe zur walisischen Hauptstadt sehr ländlich, einsam beinahe. Kilometerlang säumten Wiesen und Felder den Weg, dazwischen lag wie hingetupft das eine oder andere Gehöft. Ortschaften hatte Iris schon länger nicht mehr passiert. Die Sonne ging unter, und mit ihr schlief auch der Wind ein, der sie am Flughafen begrüßt und bis hierher begleitet hatte.

»Wenn möglich, bitte wenden«, wies Mister Navi sie an.

Schicksalsergeben seufzte Iris und tat, wie ihr geheißen. Sie bog in einen Weg ein, dessen Asphaltbelag nach ein paar Metern von Schotter abgelöst wurde, erblickte kurz ein einsames Cottage und holperte weiter über Schlaglöcher, bis sie schließlich vor einem weiteren Haus im Niemandsland zum Stehen kam, dessen Schild es alsColomen Ty auswies. Sackgasse. Ende der Straße. Zwar hatte Iris keine Ahnung, was Colomen Ty bedeutete, aber sie war sich sicher, dass dies nicht ihr Ziel war.

Mit einem weiteren Seufzer öffnete sie die Tasche neben sich auf dem Beifahrersitz und fischte eine herkömmliche Landkarte heraus, die sie in weiser Voraussicht am Flughafen noch gekauft hatte. Draußen wurde es immer dunkler. Sie knipste die Beleuchtung im Wageninneren an und versuchte, sich auf der Karte zu orientieren. So viele Straßen standen hier eigentlich nicht zur Auswahl. Iris begriff nicht, warum das GPS Schwierigkeiten damit hatte. Ab jetzt würde sie das Navigieren selbst übernehmen und die Anweisungen von Mister Navi ignorieren.

Ein paar Mal musste sie noch anhalten, um die Straßenkarte zurate zu ziehen, aber irgendwann, mittlerweile war es stockfinster, erreichte sie Merthyr Mawr.

Straßenlaternen gab es in dem kleinen Ort keine – Iris hatte gelesen, dass weniger als dreihundert Menschen hier lebten, nicht genügend für eine Nachtbeleuchtung, anscheinend. Alles wirkte wie ausgestorben. Lediglich über einer der Eingangstüren an der Durchfahrtstraße brannte Licht. Erleichtert stieß Iris die Luft aus, als sie das Schild darunter las:Tywod Cottage.

»Sie haben Ihr Ziel erreicht«, informierte Mister Navi sie überflüssigerweise, als ob es sein Verdienst wäre, dass sie die Nacht nicht auf offenem Feld zubringen musste.

»Vielen Dank«, sagte sie laut und schaltete die Zündung aus.

Mit ihrer Reisetasche in der Hand klopfte sie an die Tür des Hauses.

»Herzlich willkommen! Sie müssen Iris sein!« Freundlich lächelnd öffnete ihr eine Dame um die fünfzig und bat sie herein.

»Vielen Dank. Und Sie sind sicher Mrs Llewellyn?« Iris gab sich Mühe, den Namen korrekt auszusprechen, was ihr allerdings mehr schlecht als recht gelang.

»Nennen Sie mich Rosemary, bitte.« Wahrscheinlich wollte die arme Mrs Llewellyn