: Robert Brack
: Lenina Kämpft Ein Fall für Lenina Rabe
: Edition Nautilus
: 9783960541721
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Lenina Rabe ist sich sicher. Es war Mord und kein Unfall. Was trieb ihren Vater nachts zum Athabaska-Kai? Und was suchte der Mann mit der Narbe, den sie bei einem Einbruch in das Detektivbüro überrascht? Lenina, eine junge Frau, die lieber Beethoven hört als sich mit ihren Freundinnen in den einschlägigen Clubs auf dem Kiez zu amüsieren, erhält immer verwirrendere Informationen. Ihr Vater, ein alter Revoluzzer und Straßenkämpfer, soll gute Kontakte zur D.P.O., der neugegründeten 'Deutschen Partei für die Ordnung' gehabt haben. Und der Mann mit der Narbe macht offenkundig krumme Geschäfte mit Hektor, dem Besitzer des Szene-Ladens 'Sold To The Highest Buddha Inc.', für den Lenina heimlich schwärmt. Bei ihrer Suche stolpert sie über Dokumente, für die sich nicht nur die selbsternannten Saubermänner der Stadt interessieren. Mit Hilfe ihrer in der Anti-Globalisierungsbewegung engagierten Freunde kommt sie einer Verschwörung auf die Spur, in der neben einem einflußreichen Fleischgroßhändler auch einige ihrer Bekannten aus der Club-Szene verwickelt sind. Von der Polizei gejagt gerät Lenina in eine Situation, aus der sie auch ihre Aikido-Künste nicht mehr befreien können. Mit Lenina Rabe hat der mehrfach ausgezeichnete Krimi-Autor Robert Brack, auch bekannt unter seinem erst kürzlich aufgedeckten Pseudonym Virginia Doyle, eine wunderbar widersprüchliche Krimi-Heldin geschaffen: etwas verschroben, etwas naiv, mit viel Temperament und Spontaneität ausgestattet, kühl, distanziert und dennoch sehr verletzlich.

Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt in Hamburg. Er wurde mit dem 'Marlowe' der Raymond-Chandler-Gesellschaft und dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen in der Edition Nautilus drei Romane über die politischen Verhältnisse in der Weimarer Republik: Und das Meer gab seine Toten wieder beschreibt einen Polizeiskandal aus dem Jahr 1931, Blutsonntag befasst sich mit den Ereignissen im Juli 1932 in Altona, beschreibt die Hintergründe des Reichstagsbrands 1933 in Berlin. Mit Die drei Leben des Feng Yun Fat kehrt der Autor in die Gegenwart zurück und knüpft an seine drei Lenina-Rabe-Romane Lenina kämpft, Haie zu Fischstäbchen und Schneewittchens Sarg an. Weitere Abenteuer von Rabe& Adler sollen folgen.

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In der Schublade seines Schreibtischs fand ich die Pistole. Stopp! Ich will mich ja präzise ausdrücken, habe ich mir vorgenommen: den Revolver.

Er sah genau so aus wie die Schusswaffen in amerikanischen Kriminalfilmen. Allerdings fand ich den Namen seltsam, der in das verchromte Metall an der Stelle zwischen Lauf und Trommel eingeprägt war: Arminius. Darunter zwei Buchstaben und eine Zahl: HW 5. Ich fummelte neugierig daran herum, betätigte den seitlichen Schiebeknopf und schwenkte die Trommel aus. Acht Patronen passten hinein.

Ich griff nach der Schachtel mit der Aufschrift »Kaliber .22 L.R.« und ließ sie wieder fallen. Ich spürte einen Kloß im Hals, legte das schwere Ding auf den Filzlappen in die Schublade zurück und deckte es zu.

Der Idiot! Eine sinnlosere Anschaffung als diesen Revolver konnte ich mir im Moment kaum vorstellen. Ich wischte mir die Tränen aus den Augenwinkeln und ließ meinen Blick über die riesige Wandkarte gleiten. Ich erinnerte mich noch genau, wie wir diese alte Schulkarte zusammen auf dem Flohmarkt gekauft hatten. Sie hatte nur zwanzig Mark gekostet, war ziemlich verknittert und roch muffig wie gammeliges Leder. Ich fand sie hässlich, aber er war begeistert und hängte sie sich ins Büro.

»Wenn du mal genau hinguckst, siehst du, dass Kanada viel größer ist als die Vereinigten Staaten.«

»Dazu muss ich nicht genau hingucken, das hab ich in der Schule gelernt.«

»Und hier ist übrigens der Athabasca-River.«

»Ja, ich weiß.«

»Und der Athabasca-See.«

»Ja, okay.«

Er war verdammt stolz auf seine alte Wandkarte.

Was mach ich jetzt mit dem Revolver?

Stopp! Noch mal von vorn. Ich will ja genau beschreiben, wie alles gewesen ist. Angefangen hat diese ganze grässliche Geschichte an einem Dienstagabend im Espace. Das ist eine dieser angesagten Bars in einer Seitenstraße der Reeperbahn. Da wo die Nutten rumstehen, Entschuldigung, die Huren, wie sie sich selbst nennen. Normalerweise gehe ich da nicht hin. Weder da hin, noch in andere angesagte Bars. Aber an diesem Abend hat mich Annie, meine beste Freundin, dort hingeschleppt.

Das Espace war wild dek