: Heike Wanner
: Schokohasenküsse Eine Frühlingsgeschichte
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962151171
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 172
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jedes Jahr zu Ostern treffen sich die Goldsteins in ihrem Ferienhaus im Odenwald. Als Familie feiert man solche Feste schließlich gemeinsam. Doch dieses Mal läuft nicht alles nach Plan, und so findet sich plötzlich der älteste Sohn Alexander in der ungewohnten Rolle des Gastgebers wieder, der für das leibliche Wohl von zehn Personen zu sorgen hat. Zum Glück erklärt sich seine Zufallsbekanntschaft Sina spontan bereit, ihm zu helfen. Erleichtert willigt Alexander ein, obwohl er so gut sie nichts über Sina weiß - außer, dass sie ein kleines Café besitzt und eine begnadete Köchin ist. Was er aber nicht ahnt: Sie ist seit viele Monaten unsterblich in ihn verliebt. Mit ihren raffinierten Kreationen brät und backt sich Sina schnell in die Herzen von Alexanders Verwandtschaft. Doch wird es ihr auch gelingen, sein Herz zu erobern?

Heike Wanner, Jahrgang 1967, schreibt seit 2008 Liebes- und Frauenromane. Ihre Geschichten erscheinen bei Ullstein, Edel Elements, Tinte&Feder und in Eigenregie. Für ihr erstes Jugendbuch DU+ICH=LIEBE wurde sie mit dem Skoutz Award 2018 in der Kategorie Romance ausgezeichnet. Heike Wanner lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Wiesbaden. Wenn sie nicht gerade schreibt oder arbeitet, ist sie viel in der Natur unterwegs - egal auf welchem Kontinent. Denn Reisen ist ihr größtes Hobby ...

Kapitel 1


Schokoladenmuffin und Cappuccino


Sina

Er heißt Alexander Goldstein und kommt jeden Morgen in meine Bäckerei.

Zwischen 7.25 Uhr und 7.28 Uhr.

Von Montag bis Freitag.

Immer pünktlich.

Und immer ein wenig in Eile.

Um 7.45 Uhr geht seine S-Bahn, die ihn in die Frankfurter Innenstadt bringt. Dort arbeitet er bei einem großen Bauunternehmer. Erfolgreich, wie ich vermute, denn seine Anzüge, sein Smartphone und selbst seine Aktentasche sehen nicht nur topmodisch, sondern auch ziemlich teuer aus.

Außerdem scheint ihn dieser Job so sehr in Anspruch zu nehmen, dass ihm kaum Zeit für die kleinen, alltäglichen Dinge des Lebens bleibt. Deshalb beschäftigt er auch eine Putzfrau, bestellt die meisten Lebensmittel online, gibt seine Hemden zum Bügeln in die Wäscherei und kauft all seine Snacks bei mir im Laden.

Zum Frühstück will er immer einen Schokoladenmuffin und einen großen Cappuccino. Für die Mittagspause darf es auch gern etwas Herzhaftes sein: Ein Sandwich, eine pikant gefüllte Teigtasche oder eine Käsebrezel. Dazu nimmt er einen Salat, eine große Flasche Mineralwasser und einen frisch gepressten Orangensaft. Und am Nachmittag gönnt er sich ein Stück Kuchen, das ich ihm doppelt einpacke, damit es schön frisch bleibt.

Er kann sich diese üppige Speisenfolge leisten – sowohl finanziell als auch, was seine Figur betrifft. Denn er ist Mitglied im angesagtesten Fitnessstudio der Stadt, rudert am Wochenende auf dem Main und verbringt seine Ferien in exotischen Luxushotels mit großem Sportangebot.

Auch sonst achtet er sehr auf seine Gesundheit, geht regelmäßig zum Zahnarzt und hat, bis auf kleinere Probleme im rechten Knie, noch keine Beschwerden. Sollte er auch noch nicht, schließlich ist er erst neunundzwanzig Jahre alt. Sternzeichen Skorpion. Evangelisch. Mit einem Master in Innenarchitektur, inklusive eines Auslandssemesters in Florida.

Und – ganz wichtig! – Single.

Woher ich das alles weiß?

Weil ich zuhören kann.

Wie die meisten meiner Kunden, so kramt auch Alexander Goldstein sofort sein Telefon hervor, wenn es bei mir im Geschäft voll wird, und er mal etwas länger warten muss.

Eigentlich finde ich dieses Verhalten extrem unhöflich. Denn in dem Moment, wo das Handy eingeschaltet wird, wird die Aufmerksamkeit für die Umgebung auf ein Minimum zurückgefahren. Oft genug muss ich meine Kunden mehrmals ansprechen, bevor sie reagieren. Was haben die Leute eigentlich gemacht, bevor es Mobiltelefone gab? In die Luft gestarrt? Bis hundert gezählt? Das Kuchenangebot bewundert?

Ich weiß es schon gar nicht mehr so genau.

Bei Alexander ist es sowieso etwas völlig anderes: Ihm kann ich einfach nicht böse sein, wenn er am Handy hängt.

Im Gegenteil!

Er spielt nämlich nicht nur damit herum, sondern telefoniert auch gern. Regelmäßig ruft er seine Sekretärin an. Seine Freunde. Diverse Handwerker. Geschäftspartner. Und natürlich seine Verwandtschaft. Insbesondere seine Mutter scheint sehr neugierig zu sein und fragt viele interessante Dinge.

Ich muss gar nichts weiter machen als mich beim Bedienen auf diese Telefongespräche zu konzentrieren. Was mir trotz des Stimmengewirrs normalerweise auch ganz gut gelingt. Auf diese Weise werden meine Informationen über ihn ständig aktualisiert.

Warum ich das mache?

Weil ich neugierig bin.

Und weil ich gar nicht anders kann. Nicht, was ihn betrifft.

Denn seit unserem ersten Treffen vor zwei Jahren, einem Monat und elf Tagen bin ich rettungslos und unsterblich in Alexander Goldstein verliebt.

Alexander

Die S