„Mei, war das lustig, als der Bimberl fast aus dem Karussell gefallen ist!“
„Ach ja? Und was war, als du im Autoscooter einen Unfall nach dem anderen gebaut hast?“
Der Großknecht vom Hinterleitner-Hof lachte schallend.
„Hätt nur noch gefehlt, dass die Gendarmen dich abführen!“
Allgemeines Gelächter erhob sich, die Altmagd Rosa fühlte sich bemüßigt zu mahnen: „Macht net so einen Lärm. Ihr wisst doch selbst, dass der Bauer das net mag.“
„Ach, Roserl, sei halt nicht so streng mit uns“, bat Bimberl fröhlich. „Die Kirmes kommt ja nur einmal im Jahr ins Tal. Und da wird man sich doch noch amüsieren dürfen.“
Ehe Rosa etwas erwidern konnte, betrat Lukas Hinterleitner die Küche, wo am großen Holztisch gemeinsam die Mahlzeiten eingenommen wurden. Wie meist war die Miene des noch jungen Bauern finster und streng. Da erübrigte sich alles Mahnen der Altmagd, denn das Gesinde verstummte von selbst.
Lukas nickte knapp in die Runde und ließ sich auf seinem Stuhl am Kopf der Tafel nieder. Von diesem Moment an wurde schweigend gegessen. Die lustige Stimmung, die eben noch geherrscht hatte, war vergessen. Alle wussten, dass Lukas keine Gespräche bei den Mahlzeiten duldete und es schon gar nicht leiden konnte, wenn einer laut wurde oder lachte.
Freilich war der Berghofbauer nicht immer so streng und hart gewesen. Das Schicksal hatte ihn in seinen jungen Jahren bereits schwer geprüft. Mit Anfang zwanzig hatte er die Eltern verloren und den Erbhof von da an allein bewirtschaften müssen. Oft war es Lukas schwer geworden, die Verantwortung allein zu tragen, nie einen zu haben, der half oder zumindest gut zuredete.
Als das hochgewachsene, fesche Mannsbild mit dem dichten, dunklen Haarschopf und den ernsten grauen Augen sich dann verliebt hatte, schien es so, als sollte nach den schweren Jahren wieder Licht und Freude in sein Leben zurückkehren.
Aber das Madel, dem er einen prächtigen Verlobungsring an den Finger gesteckt und an das er sein Herz verloren hatte, war Lukas einfach ohne Erklärung fortgelaufen. Zwar hatte sie ihm öfter vorgeworfen, zu ernst, ja zu langweilig zu sein, aber das hatte er nie wirklich ernst genommen. Seitdem seine Verlobte ihn verlassen hatte, war Lukas noch abweisender und verschlossener geworden. Keiner drang mehr so recht zu ihm vor, nicht einmal die Altmagd Rosa, die für den Burschen früher wie eine liebe Tante gewesen war. Trotzdem gab Rosa sich auch weiterhin Mühe, den meist mürrischen Bauern noch auf den rechten Lebensweg zu führen.
„Willst du net auch einmal die Kirmes im Tal besuchen?“, fragte sie Lukas nach dem Frühstück. „Vielleicht das Tanzbein schwingen und ein bisserl lustig sein?“
Er schaute sie verständnislos an. „Wozu soll das gut sein?“
„Ja, mei, damit du auch einmal wieder lachen kannst und net allerweil nur trübsinnig umeinandrennst.“
„Danke, kein Bedarf.“ Er verließ die Küche und ging hinüber in sein Arbeitszimmer. Hinter dem Schreibtisc