: Rita Hampp
: Im Dunkel der Schuld Psychothriller
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962150754
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 415
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Vergangenheit ist nie zu Ende Ebba hat gelernt, mit den schrecklichen Erinnerungen an ihre Kindheit zu leben. Sie und ihre Geschwister wurden vom Vater tyrannisiert - bis er bei einem Unfall ums Leben kam. Danach findet die Familie zum ersten Mal Frieden. Doch als Ebbas Bruder unter mysteriösen Umständen stirbt, holt sie die Vergangenheit ein. Sein Tod ist erst der Anfang. Bald passieren Dinge, die Ebba mit ihren tiefsten Ängsten konfrontieren. Sie ahnt: Die Dämonen der Kindheit sind noch längst nicht besiegt. Denn es scheint jemanden zu geben, der in die dunkelsten Winkel ihrer Seele blicken kann ...

Hampp verbrachte ihre Kindheit in Wittmung und die Jugendjahre in Bad Mergentheim. Sie studierte zunächst Jura in Würzburg , brach ab und wurde Journalistin. Zwanzig Jahre lang arbeitete sie für die Main-Post, zunächst als Leiterin der Kitzinger Lokalredaktion und später überörtlich als Gerichtsreporterin. Es folgte ein mehrjähriger Aufenthalt in New York und Virginia, wo Hampp Book Publishing studierte. Seit 2000 lebt sie als Autorin mit Ehemann in Baden-Baden.

DREI


Es dauerte trotzdem nicht mehr lange.

Im Nachhinein kam es Ebba vor, als hätten alle nur auf irgendeinen noch so kleinen Auslöser gewartet.

Diesmal geschah es, als ihre Mutter zur Tür hereinkam. Ebba stand gerade außer Sichtweite der Küche, was sie nur ungern tat, wenn etwas in den Töpfen köchelte. Maria war beim Staubsaugen an den Esstisch gestoßen und hatte aus Versehen eines von Georgs soldatisch aufgereihten Gläsern umgeworfen, dass es kaputtging und sie laut zu schluchzen begann. Was Georg mit Wortfetzen quittierte, aus denen maßlos angestaute Wut sprach.

»Absicht – Sabotage – seit Monaten schon – jetzt auch hier – lüg nicht«, zischte er, und Ebba war hinzugeeilt, weil sie dachte, er würde seine Frau gleich ohrfeigen. Rosie stand abseits, rang ihre Hände und murmelte etwas von »keine Absicht«, »es ist doch Weihnachten.«

Gleich würde das Pulverfass hochgehen.

Ebba machte ein paar Schritte ins Esszimmer und sammelte die Scherben zusammen. «Aufhören, alle!«, fuhr sie ihre Geschwister an, während draußen die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. »Maria, hol einfach den kleinen Handfeger. Georg, würdest du bitte still sein? Niemand will dir etwas Böses. Das bildest du dir ein. Und Rosie, bitte! Setz dich am besten schon auf deinen Stuhl.«

Mit einem Ohr lauschte sie in die Küche. Und da hörte sie es auch schon: Die Ofentür schnappte zu. Sie merkte, wie sich ihr die Haare aufstellten.

Drei, vier große Schritte genügten, und sie stand neben ihrer Mutter, die sich noch im Mantel an der Gans zu schaffen machte.

Rosie war ihr gefolgt und hielt sie am Arm fest. »Nicht, Ebba, nicht aufregen. Sie meint es nur gut …«

Ebba schüttelte die Hand ab.

»Was hast du getan?«, schnappte sie und versuchte, einen Anflug von Panik niederzuringen.

Ihre Mutter drehte sich lächelnd zu ihr um. »Nichts. Nur etwas Wasser. Man riecht bis draußen, dass die Gans gleich anbrennt.« Sie stockte, und ihr rechtes Augenlid flatterte etwas. »Und eine Prise Beifuß. Eine Gans muss nach Beifuß riechen.«

»Das istmein Essen!«

Frieda Seidels Lippen wurden schmal, und sie knöpfte sich den Mantel auf. »Nicht so laut, Elisabetha, benimm dich bitte.«

»Du isst die Gans doch gar nicht. Was soll das?«

»Nichts kann ich dir recht machen.«

»Wirst du bitte endlich akzeptieren, dass ich aus gutem Grund selbst koche und dass ihr nichts an meinen Töpfen zu suchen habt? Man kann schon wütend werden, wenn das nicht beachtet wird.«

»Diese Regeln stellst nur du auf.«

»Du weißt, warum.«

Ihre Mutter senkte den Kopf. »