: Diana Hamilton
: Spanische Glut
: Cora Verlag
: 9783733754976
: Digital Edition
: 1
: CHF 1.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 130
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Ganz entspannt genießt Cassie den Frieden des andalusischen Nachmittags. Hier auf Romans Landgut ist sie immer gern gewesen. Doch als sie jetzt an ihren Mann denkt, klopft ihr Herz. Nach einjähriger Trennung ist sie zu ihm zurückgekehrt, damit er ihren Bruder nicht wegen Diebstahls anzeigt. In den zwei Jahren ihrer unglücklichen Ehe hat sie sich so eingesperrt und ungeliebt gefühlt, dass sie wieder nach London geflohen ist. Damals war sie ein schüchternes Mädchen, das in Romans Armen zu Eis erstarrte. Jetzt ist sie eine selbstbewusste Frau. Und sie beschließt, ihren Mann in aller Unschuld zu verführen. Das gelingt ihr in einer hemmungslosen Nacht. Jedoch viel zu gut! Nun denkt Roman eifersüchtig, dass sie einen exzellenten Lehrmeister gehabt hat. Dass sie nie mit einem anderen Mann zusammen war, will er ihr einfach nicht glauben...



<p>Diana Hamilton gehört zu den populären britischen Autorinnen für Liebesromane. Seit 1986 wurden über 50 Romane von ihr veröffentlicht. Bereits als Kind trainierte Diana Hamilton ihre Fantasie. Gern wäre das Stadtkind auf dem Land geboren, deshalb verwandelte sie den Baum im Garten des Nachbarn in einen Wald, aus einem Mauerloch wurde ein Hexenhäuschen. Eine Benzinpfütze stellte sie sich als Feenland mit Blumenwiesen, Bergen und Seen vor. Um die verhassten Tätigkeiten im Haushalt angenehmer zu gestalten, erfand sie Geschichten, damit die Zeit schneller verging. Ihre erfundenen Märchen von Prinzessinnen in Rosengärten erzählte sie laut, da sie fand, dass das Erzählen genauso schön war, wie das Lesen der Geschichten in Büchern. Neben der Hausarbeit hasste sie auch die Schule. Obwohl sie die Tage nur durch ihre Träume überstand, sie träumte woanders zu sein, erhielt sie einen guten Abschluss: Eigentlich wollte sie Tierärztin werden, fand sich aber auf einer Kunstschule wieder. Dort begegnete sie ihrem späteren Ehemann Peter, der nach seiner Rückkehr aus dem Korea-Krieg sein Studium wieder aufnahm. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie machte einen Abschluss als Werbetexterin, erhielt einen Job und heiratete. Als sie nach Wales zogen, entdeckte Diana Hamilton ihre Vorliebe für das Bergwandern und Ponytrekking. Vier Jahre später kam die Familie auf einer Wanderung in die Grafschaft Shropshire, sie verliebten sich in die wunderschöne Landschaft. Seitdem wohnen sie dort in einem Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert. Das Haus wurde renoviert und aus einer Wildnis mit Dornenhecken und Brennnesseln entstand ein wunderschöner Garten. Mitte der 1970er Jahre schrieb Diana Hamilton erstmals die Gute-Nacht-Geschichten auf, die sie ihren Kindern erzählte. Sie dachte nie an eine Veröffentlichung ihrer Kurzgeschichten, aber sie schrieb gern. Über 30 Romane brachte sie in den nächsten zehn Jahren zu Papier, sie wurden von Robert Hale, London veröffentlicht. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin zog sie ihre Kinder groß, verschönerte den Garten und kochte für ein Gasthaus im Dorf. Durch diese Arbeiten hatte sie keine Zeit für die gehasste Hausarbeit. Ihr größter Wunsch, eine Veröffentlichung bei Mills& Boon / Harlequin wurde im Jahr 1987 erfüllt, seitdem schrieb sie mehr als 30 Romane für diesen Verlag. Endlich war Diana Hamilton als Autorin angekommen und dieses gute Gefühl wollte sie behalten: Geboren wurde Diana Hamilton in England, sie starb im Mai 2009 in ...

1. KAPITEL

Die Luft stand in dem abgedunkelten Raum, und es war warm, aber nicht allzu unangenehm. Draußen auf den sanft gewellten, sonnengebleichtencampos dagegen würde die Hitze an diesem Julinachmittag beinah unerträglich sein.

Cassie wartete. Sie fühlte sich verschwitzt in dem grauen Leinenkostüm, das sie für die Reise von London zum riesigen Landsitz Las Colinas Verdes in Andalusien angezogen hatte. Von täuschend schlichter Eleganz, hatte es den Flug und die Taxifahrt bis hier draußen zu ihrer Erleichterung gut überstanden. Schließlich wollte sie unbedingt einen geschäftsmäßigen Eindruck erwecken.

Cassie strich sich über das dichte rötlich braune Haar, um sicherzugehen, dass sich keine Strähne aus dem strengen Knoten im Nacken gelöst hatte. Ihr Herz schlug gleichmäßig – auch das war ein Trost. Es gab überhaupt keinen Grund, sich aufzuregen. Immerhin war sie keine nervöse, verliebte Braut von einundzwanzig mehr. Inzwischen war sie drei Jahre älter und wesentlich klüger.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie in Anbetracht ihrer eher durchschnittlichen Erscheinung so gut aussah, wie es eben ging, warf sie einen Blick auf die Uhr und fragte sich, wie lange sie wohl noch würde warten müssen. Das Taxi, das sie nach der Fahrt vom Flugplatz Jerez abgesetzt hatte, war bereits vor einer guten halben Stunde wieder abgefahren. Allmählich empfand sie die Atmosphäre in dem düsteren Raum mit den vielen schweren Möbeln und den geschlossenen Fensterläden, die die gnadenlose Hitze abhalten sollten, als bedrückend.

„Ich lasse Ihrem Mann ausrichten, dass Sie hier sind“, hatte ihre Schwiegermutter Doña Elvira höflich erklärt. Höflich ist sie immer gewesen, erinnerte sich Cassie, auch wenn sie mich beleidigt hat. Ihre beiden älteren Schwestern, Romans Tanten, Tía Agueda und Tía Consuela hatten ihr unweigerlich alles nachgeplappert.

„Erwartet mein Sohn Sie?“ Doña Elvira hatte die aristokratische Nase gerümpft und damit verraten, dass sie wusste, dass Roman sie nicht erwartet. Bestimmt hatte er längst das bisschen Interesse verloren, das er vielleicht einmal für seine unpassende, von ihm getrennt lebende Frau gehegt haben mochte.

Da sie sich nicht mehr so leicht verunsichern ließ, hatte Cassie die Frage ignoriert und kühl geantwortet: „Ich werde warten. In der Zwischenzeit möchte ich mit Roy sprechen. Würden Sie so nett sein und ihn mir herschicken?“

Deshalb wartete sie nun. Ihr in Ungnade gefallener Zwillingsbruder Roy war offenbar unabkömmlich. Als Teil der Strafe, die ihm kurz zuvor auferlegt worden war, hatte man ihm die Aufgabe übertragen, draußen in der gleißenden Sonne Zäune zu errichten. „Ich stehe auf Las Colinas Verdes unter Hausarrest, bis Roman sich entscheidet, was mit mir geschehen soll“, hatte er sich bei jenem Telefonat vor zwei Tagen verzweifelt beklagt. „Zehn Jahre in spanischen Gefängnissen halte ich nicht aus, Cassie.“ In einem Anflug von Panik fügte er hinzu: „Eher nehme ich mir das Leben! Du könntest Roman bestimmt dazu bringen, auf eine Anzeige zu verzichten. Auf mich hört er nicht. Du kennst ihn ja – er hat eine scharfe Zunge und behält, selbst während er mich zurechtweist, seine undurchdringliche Miene bei, so dass ich nie weiß, was er denkt! Deshalb ist es mir bisher nicht gelungen, ihm meinen Standpunkt klarzumachen.“

„Ich rufe ihn heute Abend an“, versprach Cassie widerstrebend. Sie konnte die Enttäuschung über das Verhalten ihres Bruders kaum ertragen, und dass er sie einfach in den Schlamassel hineinzog, den er angerichtet hatte, machte sie fast krank. „Das Telefonat führe ich lieber von der Wohnung aus. Hier in der Boutique ist im Moment zu viel los.“ Am ersten Tag des Sommerschlussverkaufs war der Laden voll mit Schnäppchenjägern. Ihre Chefin und beste Freundin Cindy Corfield gab ihr bereits Zeichen, dass sie ihr Gespräch beenden und nach vorn kommen solle, um ihr zu helfen. „Obwohl er auf mich wahrscheinlich genauso wenig hört wie auf dich“, warnte Cassie Roy. Ihre Stimme hatte heiser geklungen, denn die Kehle war ihr wie zugeschnürt. „Wenn ich ihn bitte, dich nicht vor Gericht zu bringen, wird er vermutlich genau das Gegenteil tun, nur um mir eins auszuwischen. Du hättest gar nicht erst so etwas Idiotisches anstellen sollen!“

„Ich weiß, und es tut mir auch leid – aber verdammt, Cassie, es nützt mir gar nichts, wenn du ihn nur anrufst. Er wird einfach auflegen, denn sein Stolz macht ihn total unnachgiebig. Du kennst doch Roman. Komm lieber her! Dann kann er dich nicht ignorieren. Er wird schon auf dich hören. Cass, der Mann liebt dich immer noch, auch wenn du ihn verlassen hast.“

Das war natürlich absurd. Roman Fernandez hatte sienie geliebt. Er hatte sie nur geheiratet, weil es damals seinen Zwecken diente. Und sie? Darüber dachte sie lieber nicht nach. Niemals. Vor drei Jahren war sie naiv und schrecklich verletzlich gewesen. Roman hatte ihre Tränen getrocknet und sie unglaublich glücklich gemacht. Leider war es ein kurzlebiges Glück gewesen. Es hatte kaum die Hochzeit überdauert. Aber genug davon. Sie war heute eine reife Frau, die nichts davon hielt, lange über die Fehler der Vergangenheit nachzugrübeln. Nur weil sie den größten Teil ihres Lebens für ihren leichtfertigen Zwillingsbruder eingetreten war, hatte sie sich breitschlagen lassen, zu tun, worum er sie bat. Vermutlich hatte Roy es nicht v