: Elfriede Philipp
: Die fantastische Reise zum Bücherhimmel - Roman für Kinder
: Verlag DeBehr
: 9783957534781
: 1
: CHF 4.30
:
: Abenteuer, Spielgeschichten, Unterhaltung
: German
: 306
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Louise-Ann muss ganz dringend in den Bücherhimmel, um eine Geschichte für ihre Mutter zu finden. Über dem Himmel, den wir kennen, gibt es nämlich noch einen anderen. In ihm wird jedes Buch, das jemals geschrieben wurde, aufbewahrt, eingeordnet und abgestaubt. Das tun zwei Feen, die ihn eifersüchtig bewachen. Noch kein menschlicher Fuß hat den Bücherhimmel betreten. Im Grunde genommen ist er schrecklich geheim und müsste noch entdeckt werden. Die Reise dahin gestaltet sich für Louise-Ann dementsprechend außerordentlich schwierig. Zu allem Überfluss wird sie von einem Gedankenfresserchen namens Olaf verfolgt, welches nichts Gutes im Schilde führt. Ein fantastischer Roman ab 7 Jahre.

 

1. Kapitel

So ist die Lage

Es war ein Freitag und nichts deutete darauf hin, dass es ein besonderer Freitag werden würde, einer, an dem eine Geschichte beginnt. Weder Louise-Ann noch die kleine Gespenstin Elviera ahnten etwas davon. Doch sie kam in Gang mit den ersten Schritten von Elviera aus der kleinen alten Ruine hinaus zu dem Mädchen Louise-Ann hin, das nicht weit entfernt im Gras saß, mit angezogenen Beinen, einem Skizzenblock auf den Knien, und sie zeichnete.

Das Gras ist feucht, sie wird nasse Flecke an ihre weißen Schuhe bekommen, stellte Elviera missbilligend fest. Man sollte seine Sachen schonen, dachte sie. Ich habe in meinem früheren Leben meine Sachen immer geschont, denke ich jedenfalls. Und zu Anfang einer Geschichte gleich krank zu werden, ist auch nicht günstig. Ganz plötzlich überkam die kleine Gespenstin ein Gefühl, da ginge es um den Anfang einer Geschichte. Genau genommen wäre es der zweite Anfang für sie, denn sie war bereits aus einer Geschichte ausgestiegen, weil es dort nicht weiterging. Und doch beschlich sie jetzt eine Ahnung, als würden diese beiden Anfänge zueinander gehören.

„Aber von allen guten und schlechten Dingen gibt es gewöhnlich drei“, murmelte das Gespenst, das in einem verbeulten Gestell eines Reifrockes steckte, und sie sah hinüber zu Louise-Ann.

„Sie sitzt und zeichnet, als ob es nichts Wichtigeres gäbe.“ Sie ging, um sich das, was da gezeichnet wurde, anzusehen. Dabei dachte sie an Blumen, eine Wiese, die kleine Ruine, was Mädchen eben so zeichnen und malen. Dann aber zuckte sie betroffen zurück, als sie dem Mädchen über die Schulter spähte – Louise-Ann zeichnete sie!

„Peng“, sagte die kleine Elviera, da haben wir ihn, den dritten Anfang und den Anschub, den eine Geschichte braucht, um in Fahrt zu kommen. Man kann ihn sich nicht aussuchen. So würde sie die goldene Strickleiter, die sie aus der anderen Geschichte mitgebracht und die sie in der grauen Ruine abgelegt hatte, vielleicht doch noch brauchen.

Elviera stellte sich auf Zehenspitzen und linste erneut über die Schulter von Louise-Ann, nickte dann anerkennend. „Genau so sehe ich aus“, hauchte sie dem Mädchen in das linke Ohr. „Ich habe mich in einer Spiegelscherbe in der alten Ruine betrachtet.“ Sie unterdrückte einen anerkennenden Pfiff und bewunderte das Grübchen, welches das Mädchen nur durch einen Punkt neben den linken Mundwinkel ins Gesicht gezaubert hatte. „Habe ich bisher kaum bemerkt“, stellte sie fest.

Louise-Ann kitzelte ein kalter Hauch im Nacken, sie merkte, wie ihre Füße langsam nass wurden, und im Rücken saß ihr ein kalter Schauer. Ihr Vater würde sie loben für ihre Zeichnung. „Bravo, Anne“, würde er sagen. Ihre Mutter käme bestimmt mit dem Einwand: „Es gibt keine Gespenster in der Wirklichkeit, nur in Gesc