: Rainer Greubel
: Die Bestie vom Steigerwald
: Rainer Greubel
: 9783961340514
: 2
: CHF 8.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 170
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Den Kriminalroman ?Die Bestie vom Steigerwald? könnte man als Heimatroman bezeichnen, weil er im Steigerwald spielt und mit Lokalkolorit großzügig prangt. Doch die behandelten Themen sind durchaus überregional, sogar national, wenn nicht gar weltweit relevant. Es geht um aktuelle Fragen, die sich an alle Menschen richten:

Darf sich der Mensch die Erde beliebig untertan machen?
Ist Naturschutz das höchste Gut oder ist der Mensch das Maß aller Dinge?
Ist Naturliebe für viele eine Ersatzreligion?
Ist Narzißmus eine notwendige Eigenschaft von Erfolgreichen?

Insofer behandelt das Buch reale globale Problematiken und psychologische Grenzbereiche. Die Aufarbeitung der soziologisch typischen Verhaltensweisen entwickelt sich innerhalb eines Szenarios, das aktuell mehrere Regionen bewegt. Kernpunkt: Soll der Steigerwald (aktuell auch der Spessart und die Rhön) ein Nationalpark werden? Die unlängst erfolgte Gründung eines weiteren Vereins, der für einen Nationalpark kämpft, zeigt, wie präsent diese Frage ist.

Die Handlung: Hauptfigur im Heimatkrimi ist ein freiberuflicher Reporter, der den Leser auf seinen Recherchetouren zu den Schauplätzen führt. Die Story beginnt relativ harmlos mit einem getöteten Lamm. Man verdächtigt wildernde Hunde. Die Steigerwäldler wollen mehrheitlich keinen Nationalpark, weil sie sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und sogar wirtschaftliche Existenzängste haben. Als deutlich wird, dass die Befürworter eines Nationalparks unbedingt auch Wölfe angesiedelt haben wollen, fürchten die Bewohner auch um ihre Sicherheit. Ein Großinvestor will den Steigerwald mit hochtechnisierten Freizeitanlagen überziehen und um jeden Preis einen Nationalpark verhindern. Plötzlich werden auch Menschen getötet! Jetzt gerät ein Wolf in Verdacht, der einem Tierparkgehege entsprungen sein soll ? ?die Bestie vom Steigerwald?? Oder ist letztlich doch ein Mensch ?die Bestie??In der Geschichte gibt es übrigens mehrere Parallelen zu den Vorfällen vor 250 Jahren in Südfrankreich, als ?La Bête du Gévaudan? Menschen überfiel und massakrierte ? ähnlich wie ?Die Bestie im Steigerwald?.
Kapitel 1 (S: 4-5)

Das Mündungsfeuer blendete ihn für einen Augenblick. Dann sah er von seinem Hochsitz aus, wie das Wildschwein vor dem Maisfeld umfiel, sich aber wieder aufrappelte und davon humpelte. Gerade eben hatte Frieder nach allen Regeln der Waidmannskunst sorgfältig gezielt, das Gewehr entsichert und bei angehaltener Luft den Finger am Abzug langsam gekrümmt. Er hatte nicht ahnen können, daß unmittelbar vor dem Lösen des Schusses ein lautes Knacken im Wald das Tier erschrecken würde, worauf es sich ein wenig drehte.

Frieder kletterte in Windeseile von seinem Hochsitz und eilte im Mondlicht dorthin, wo vor wenigen Sekunden noch das Wildschwein gestanden hatte. Am Rande des Maisfeldes hatte nun eine Vierergruppe Radfahrer angehalten, die mitten in der Nacht mit ihren Mountainbikes im Slalom um die Baumstämme einen bewaldeten Hang abwärtsgefahren waren.

Frieder kam am Mais an. „Mensch, was treibt ihr denn hier? Habt mir die Sau erschreckt, ihr Deppen!“

Jeder der vier Zweiradsportler trug eine Stirnlampe und hatte an sein Fahrrad drei oder mehr Kleinscheinwerfer montiert. Einer gab den Sprecher: „Deppen? Na, Sie sind lustig! Sie schießen wild durch die Gegend und hätten uns beinahe erwischt!“

„Lustig? Was ist da lustig? Ich sitz’ seit drei Stunden an, endlich tritt die Sau aus dem Mais – und dann kommt ihr daher. Was macht ihr eigentlich um Mitternacht in meinem Revier an der Ebersbrunner Mühle?“

In ihren farbenfrohen Klamotten wirkten die Nachtaktiven ein wenig deplaziert, vor allem im Kontrast zu Frieder, der stets waidmännisch perfekt und korrekt gekleidet in Grün und Braun zum Ansitzen ging.

Der Sprecher fränkelte mit Englischeinschlag: „Mir trainiere’ für die Day-and-Night-Challenge übernächste Woch’ in Zell. Da gibt’s a speschel Nachtetappe über’n Ebersberg mit Arraivel am Mordsgrund. Weil mir von Gräfenneuses sinn, fahr’n mir gern über den alte’ Dreifrankenstein, Großbirkach, Ebersbrunn und über’n Kirchberch und Sandberch zurück nach Gräfenneuses.“

Richtig zugehört hatte Frieder zuletzt nicht mehr. Ihn trieb die Sorge um das angeschossene Wildschwein. Auch er konnte fränkisch: „Hey, Leut’, wenn ihr scho’ so viel Lampiongs bei euch habt, dann könnt er mir a a weng helf, die Sau zu suche’, okeh?“ Das fand das bunte Quartett spannend. Wie gefährlich ein verletztes Wildschwein sein konnte, sprach Frieder nicht an. Man trat in das Maisfeld mit den übermannshohen, getrockneten Maispflanzen ein. Frieder gab die Richtung vor. Mit dem linken Arm lenkte er die Halme und die scharfen Blattkanten weg vom Gesicht, mit der Rechten hatte er längst den Revolver ertastet und aus dem Holster gezogen. Falls die Sau angriff, wollte er gewappnet sein. Die vier leuchtenden Sportler gaben ihm Geleitschutz.

Nach etwa dreißig Metern hatte die pirschende Truppe das Maisfeld durchquert und erreichte einen Acker mit Senfpflanzen, die bis Oktober knapp kniehoch gewachsen waren. Ein paar Schritte weiter sah Frieder im Mondlicht das Wildschwein liegen. „Da!“, stieß er gedämpft hervor. Alle wandten ihr Köpfe zu ihm und leuchteten ihm mit ihren Stirnlampen in die Augen. „Nicht ich! Da, da vorne“, sagte er, zwickte die Augen zu und deutete irgendwo ins Dunkel, denn vierfach geblendet, konnte er sekundenlang nichts mehr erkennen. Er hob den Revolver, bereit, zweimal schnell abzudrücken. Zweimal, das war seine Masche, seit er in einem Roman über einen Profikiller gelesen hatte, daß dieser stets die erste der sechs Kammern nicht lud, um nicht versehentlich zu früh zu schießen. Jetzt hatten die vier Radler das liegende Wildschwein ausgemacht und gingen Schritt für Schritt darauf zu.
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Kapitel 641
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Kapitel 961
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Kapitel 1176
Kapitel 1281
Kapitel 1391
Kapitel 1497
Kapitel 1599
Kapitel 16108
Kapitel 17118
Kapitel 18122
Kapitel 19130
Kapitel 20134
Kapitel 21151
Kapitel 22160