Benedicta Prinzessin von Schomburg fuhr gern Auto, vor allem Landstraßen. Und ganz besonders gern diesen gewundenen, von einer Apfelbaumallee gesäumten Weg, der zum Schloss ihres Großvaters führte.
Jetzt, im Frühherbst, waren die Äpfel in voller Reife. Benedicta sog durch das geöffnete Autofenster ihren Duft ein. Sie freute sich auf die Zeit, die sie hier auf dem Land verbringen würde, denn sie liebte das Schloss ihres Großvaters, den Stammsitz der von Schomburgs. Hier hatte sie bereits als Kind spannende Ferientage verlebt und gemeinsam mit den Dorfkindern um Mitternacht Gespensterjagden veranstaltet, die zwar immer erfolglos geblieben waren, aber allen einen Heidenspaß gemacht hatten.
Nun freilich war sie eine erwachsene junge Frau, die gerade ihr Studium der Tiermedizin abgeschlossen hatte. Sie kam auch nicht hierher, um Ferien zu machen, sondern um das Haus zu hüten – oder sollte man in diesem Fall besser sagen »Schloss zu hüten« –, da ihr Großvater einige Wochen in Rom verbringen wollte.
Der alte Herr forschte als Privatgelehrter mit großem Eifer auf dem Gebiet mittelalterlicher Handschriften und unternahm in dieser Mission immer wieder Reisen ins Ausland. Um ganz ehrlich zu sein, Benedicta konnte sich kaum etwas Langweiligeres vorstellen, gleichzeitig freute sie sich für ihren Großvater, dass er Vergnügen daran fand und die Gabe hatte, ganz in dieser Sache aufzugehen.
Noch eine kleine Kurve und jetzt konnte sie bereits den burgartigen Turm des Schlosses sehen.
Benedicta lenkte den Wagen in den Innenhof der Schlossanlage.
Der Turm sowie der weitere efeuumrankte Anbau des Schlosses waren auf Mittelalter getrimmt. Doch Benedicta wusste, dass diese Anbauten aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammten, also noch keine 150 Jahre alt waren. Irgendein romantisch veranlagter Ahnherr ihrer Familie hatte sie dem ursprünglichen Bau hinzugefügt.
Der Kies knirschte unter den Reifen ihres Austin Minis, als sie diesen zum Stehen brachte. Rasch holte sie ihr Gepäck aus dem Kofferraum und ging zum Schlossportal, um den altmodischen Klingelzug zu betätigen.
Es dauerte einen Augenblick lang, bis ihr geöffnet wu