Ingolstadt, Juni 1990
Zum dritten Mal betätigte Isabell die Haustürglocke und lauschte dem melodischen Kling-Klong, bis es im Nichts verhallte wie die beiden Male davor.
Seufzend stellte sie die Schultasche zu Boden und hockte sich auf die kleine Treppe vor dem Hauseingang. Die sonnenheißen Fliesen brannten ihr unter den Oberschenkeln. Schnell rutschte sie ganz nach links, um etwas von dem Schatten zu erhaschen, den das Garagendach abwarf, und verfluchte sich selbst.
Warum hatte sie Jan nicht um den Hausschlüssel gebeten, ehe sie an der Bushaltestelle auseinandergegangen waren? – Sie gab sich die Antwort selbst: Weil sie fest damit gerechnet hatte, dass Mama zu Hause war.
Isabell stützte ihre Ellbogen auf die nackten Knie und schob das Kinn in die Handflächen, während ihr Blick die Straße entlang glitt. Vor ihren Augen rührte sich nichts. Die kleinen Vorgärten wirkten in der Mittagshitze wie ausgestorben.
Ich verabschiede mich nur noch von Lisa, dann komme ich sowieso heim, hatte Jan erklärt. Du kannst ja schon voraus gehen, damit sich Mama keine Sorgen macht.
Loswerden hatte er si