: Barbara Geist, Andreas Krafft
: Deutsch als Zweitsprache Sprachdidaktik für mehrsprachige Klassen
: Narr Francke Attempto
: 9783823300335
: 1
: CHF 9.90
:
: Sprach- und Literaturwissenschaft
: German
: 146
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
LehrerInnen stehen vor der großartigen Aufgabe, Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Erst- und Zweitsprache gemeinsam zu unterrichten und dabei das große Potential eines mehrsprachigen Klassenzimmers sprachdidaktisch auszuschöpfen. Dieses Buch dient als Unterstützung, diese Herausforderung anzunehmen. Ausgehend von den Kompetenzbereichen der Bildungsstandards erläutert der Band sprachwissenschaftliche Grundlagen, beschreibt die besonderen Lernbedingungen von SchülerInnen mit Deutsch als Zweitsprache und stellt sprachdidaktische Konzeptionen unter Berücksichtigung ihrer Eignung für mehrsprachige Klassen vor.

Dr. Barbara Geist ist als Sprachwissenschaftlerin und Sprachdidaktikerin an der Universität Leipzig tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Didaktik des Deutschen als Zweitsprache, Mehrsprachigkeitsdidaktik, Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Unterrichtskommunikation (Rechtschreibgespräche). Sie veröffentlicht in Fachzeitschriften und entwirft Unter-richtsmaterialien mit dem Fokus des gemeinsamen Unterrichts in sprachlich heterogenen Klassen. Prof. Dr. Andreas Krafft ist Professor für deutsche Sprache und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Entwicklung metasprachlicher Fähigkeiten und der Grammatikunterricht, Interpunktionserwerb und Interpunktionsdidaktik sowie die Didaktik des Deutschen als Zweitsprache.

2.1Fachliche Grundlagen: Mündliche Sprachproduktion und -rezeption in Unterricht und Alltag


Eine Besonderheit des KompetenzbereichsSprechen und Zuhören ist, dass gesprochene Sprache Lerngegenstand und -medium zugleich ist. Jedoch unterscheidet sich ein Unterrichtsgespräch in vielerlei Hinsicht von einem Alltagsgespräch: Die Zahl der (potentiellen) SprecherInnen ist höher und es bestehen hierarchische Unterschiede zwischen SuS und Lehrperson (Hochstadt et al.2015). Die Charakteristika von Unterrichtskommunikation wurden bereits umfangreich erforscht (u.a. Ehlich/Rehbein1979, Becker-Mrotzek/Vogt2009, Grundler/Vogt2013, Heller/Morek2015). Die Herausforderung, als Lehrkraft nicht immer als Gesprächsleiter, Gesprächsteilnehmer mit einem hohen Redeanteil oder Aufgabensteller aufzutreten, ist groß. Ebenso relevant ist jedoch, sich eben dieser immer wieder praktizierten Handlungsmuster von Unterrichtskommunikation als Lehrkraft bewusst zu sein und dann mit Blick auf die Sprachförderung von SuS mit DaZ die Rolle des Sprachvorbilds ernst zu nehmen (Jeuk2013:119). Es gibt bislang wenig Forschung zur Unterrichtskommunikation mit dem Fokus auf die sprachliche Heterogenität der Klasse. Aus diesem Grund greifen wir in diesem Kapitel auch auf Methoden der Sprachheilpädagogik und Fremdsprachdidaktik zurück, sofern diese uns einsetzbar für den Regelunterricht in mehrsprachigen Klassen erscheinen. Bei der Darstellung der fachlichen Grundlagen setzen wir zwei Schwerpunkte:1. Besonderheiten der deutschen Sprache (mit Fokus auf die gesprochene Sprache) und2. Bildungssprache. Der Zweitspracherwerb ist in der Förderung desSprechens und verstehendenZuhörens eine zentrale Orientierungsgröße und wird im folgenden Abschnitt in Auszügen beschrieben.

Um im Unterricht den SuS ein sprachliches Vorbild zu sein, ihre sprachlichen Fähigkeiten zu fördern, dem Erwerbsstand angemessene Aufgaben zu formulieren und Leistungen zu bewerten, gilt es, mindestens die Sprache, in der der Unterricht stattfindet, genauestens zu kennen. Daher möchten wir ausgewählte Besonderheiten des Deutschen hier kurz darstellen.

Phonologie

Während es sich beim stimmlosen [t] und dem stimmhaften [d] um verschiedene Phoneme handelt (z.B.<tanken> und<danken>), liegen bei [x] (wie inlachen) und [ç] (wie insicher) Allophone desselben Phonems /χ/ vor, die je nach lautlicher Umgebung eingesetzt werden. Damit handelt es sich um ein seltenes Spezifikum, das für Fremdsprachenlerner und vermutlich auch für SuS mit Deutsch als später L2 eine Erwerbshürde darstellen kann. Während nach den vorderen Vokalen ein am vorderen Gaumen gebildetes [ç] produziert wird (sicher, echt, Bücher …), folgt auf die zentralen bzw. hinteren Vokale der am hinteren Gaumen gebildete Frikativ [x] (acht, kochen, Buch …). Gerade die Artikulation des [x] als Reibelaut, der durch eine Engstelle am Velum (hinterer Gaumen) produziert wird, stellt Truckenbrodt (2014:46) als schwierig heraus. Die Beispiele zeigen, dass innerhalb eines Wortstamms das Phonem, in Abhängigkeit vom vorangehenden Vokal, unterschiedlich artik