Julius
Es war April und einer der wenigen Regentage, die L.A. im Jahr zu bieten hat. Die Tropfen fielen so dicht, dass man kaum seine eigene Hand vor Augen erkennen konnte.
Ich genoss den Regen. Das Wasser wusch all den Staub und Dreck davon, und schon jetzt roch die Luft sauberer, fast rein.
Brandon, Christina und ich drängten uns auf der kleinen Veranda eines Bungalows in der besseren Wohngegend von Pasadena. Wir sahen aus wie ganz normale Besucher: Zwei Männer und die einzige Tochter des Hauses warteten darauf, dass ihnen geöffnet wurde. Christinas Elternhaus fiel zwischen den anderen nicht auf. Der weiß gestrichene Holzbau war von einem liebevoll gepflegten Garten umgeben. Im Rasen nahe dem Bürgersteig steckte ein Schild, das potenzielle Einbrecher vor wachsamen Nachbarn warnte. Es war genau die Sorte von Vorstadtidylle, die mich anwiderte: bieder, gläubig und fest in republikanischer Hand. Eines der wenigen Viertel L.A.s, in denen Trump die Mehrheit geholt hatte. Ich hob den Blick zu einer überdimensionierten Flagge, die vom Regen durchweicht wurde, und schob die Hände in die Hosentaschen.
Ich war noch nie hier gewesen und bereute diesen Ausflug schon jetzt. Denn wenn Christinas Eltern genauso waren wie die Nachbarschaft, dann war er vollkommen sinnlos. Aber wie sollte ich einer Freundin die Bitte um Beistand ausschlagen, besonders, wo doch ich verantwortlich für die Misere war, in der sie sich befand?
„Bist du sicher, dass du das wirklich tun willst?“, fragte ich Christina noch einmal.
Sie nickte mit zusammengepressten Lippen, so heftig, dass ihre dunklen Haare auf und ab wippten. Für eine Latina war sie ungewöhnlich blass, seitdem ich sie vor einem halben Jahr zu einer von uns gemacht hatte, um ihr das Leben zu retten.
Statt wie nach einer Verwandlung üblich ihren eigenen Tod vorzutäuschen, bestand Christina darauf, ihren Eltern die Wahrheit zu sagen. Deshalb waren wir nun hier.
Seit sie eine Unsterbliche war, hatte sie ihre streng katholische Familie gemieden, doch inzwischen waren ihr die Ausreden ausgegangen.
„Wenn du das durchziehen möchtest, solltest du klingeln“, brummte Brandon.
Er kannte die Eltern seiner Freundin seit Langem, da Chris vor ihrem Tod seine Geliebte und Dienerin gewesen war. Eine engere Bindung als diese konnten Mensch und Vampir nicht eingehen.
Ich selbst war daran gescheitert, ein solches Band zu knüpfen. Bei dem Gedanken breitete sich ein dumpfer Schmerz hinter meinem Brustbein aus. Amber hatte mich verlassen, weil sie nicht ertragen konnte, was ich war.
Während ich versuchte, mir das lästige Pochen aus der Brust zu reiben, starrte Chris noch immer den Klingelknopf an, als sei er ein gefährliches Ungeheuer. Genug. Ich schob die Hand an ihr vorbei und schellte.
Schon bald waren Schritte zu hören. Christina nahm Reißaus und versteckte sich hinter Brandon und mir. „Vielleicht ist das Ganze doch keine so gute Idee gewesen“, flüsterte sie.
Doch es war zu spät: Die Tür wurde geöffnet und heraus schaute das Gesicht einer freundlichen, etwas rundlichen Mexikanerin. Bodenständig sah sie aus, ganz anders als die zierliche, aber durchsetzungsfäh