BUCH 2
Julius
Curtis’ Befehl, Amber Handschellen anzulegen, damit sie für die Vampire des Lafayette keine Gefahr darstellte, war unumstößlich, auch wenn sich alles in mir dagegen wehrte. Ich hatte ihr Vertrauen ausgenutzt, damit sie mir trotz der verbundenen Augen die Hände reichte, wohl wissend, dass ich damit einen tiefen Keil zwischen uns trieb. „Es tut mir leid, dir wird nichts geschehen“, brachte ich heraus, ehe Steven blitzschnell die Handschellen schloss. Als sie mit einem leisen Klacken einrasteten, erstarrte Amber für den Bruchteil einer Sekunde – und verwandelte sich im nächsten Moment in eine Furie.
Mit aller Kraft, die ihr menschlicher Körper aufbringen konnte, warf sie sich uns entgegen. Sie schrie so laut, dass man es sogar auf der Straße hören musste.
Steven bekam einen saftigen Tritt ab, ich einen zweiten, der überraschend genau mein Knie traf. Steven hielt ihre Hände fest, während ich ihren Körper umklammerte. Wir hätten ihr mit Leichtigkeit die Knochen brechen können.
„Tu ihr nicht weh, Steven!“, schrie ich. „Bitte!“
Ich riss die Augenbinde von ihrem Kopf. „Amber, Amber, beruhige dich!“
Keine Chance. Das Messer, das in ihrem Gürtel steckte, sandte in alle Richtungen Morddrohungen aus.
Stevens Gesicht war schmerzverzerrt.
Dava, die nicht viel älter war als er, rannte in Panik davon. Und auch ich hatte das Gefühl zu verbrennen.
Ambers Körper strahlte heiß wie glühende Kohlen.
Unter Aufbietung meiner gesamten Willenskraft riss ich ihr das Messer aus dem Gürtel.
Sobald ich es berührte, zerrte ein heftiger Sog fast alle Lebensenergie aus meinem Leib. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand mit einem Ruck alle Nerven aus den Gliedern gerissen.
Ich schrie auf, ließ die Waffe fallen und taumelte zur Seite.
Meine Hand brannte wie Feuer. Ich wagte kaum, sie anzuschauen, sah im Geiste verkohlte Stümpfe anstelle der Finger, dachte an den sterbenden Vampir, den das Messer getroffen hatte. Doch mir war nichts passiert.
Amber verstummte. Ihr Brustkorb bebte, und sie starrte wie ein in die Enge getriebenes Tier in die Runde.
Aber sie besaß Kampfgeist, und sie war noch lange nicht bereit, aufzugeben.
Plötzlich ließ sie sich auf den Boden fallen und warf sich mit aller Kraft in Richtung Messer.
Steven wurde vorwärtsgerissen, doch zum Glück hatte er die Handschellen fest im Griff. Als Amber merkte, dass sie gegen ihn nicht ankam, gab sie endlich auf und blieb liegen.
Ich stützte mich schwer atmend gegen die Wand.
Die verlorene Energie kehrte nicht zurück. Mein Körper war ausgelaugt wie nach einer mehrwöchigen Fastenkur. Ich blinzelte immer wieder, doch der Raum wollte einfach nicht aufhören, sich zu drehen. Amber schien sich auf dem Boden zu krümmen und doch wieder nicht, der Teppich unter ihr kreiste und die Muster darin verwischten sich zu verschwommenen Flächen.
Für einen Augenblick herrschte gespenstische Ruhe.
Brandon, der indianische Vampir, war hinter seine Dienerin getreten, als könne sie ihn vor dem Messer beschützen. Er starrte die Waffe auf dem Boden an, als würde sie jeden Moment zum Leben erwachen.
Eivi und Manolo hatten sich sogar bis in den Eingang unseres Versammlungsraumes zurückgezogen. Alle schienen darauf zu warten, dass ich etwas tat.
Das scharfe Klackern von High Heels durchbrach die Stille. Kathryn kehrte mit einer hölzernen Schachtel und einem Pullover in der Hand zurück. Abwartend hielt sie mir beides hin. Das Messer war nicht ihr Problem, sondern meines.
„Mach schon, Julius“, sagte sie schneidend. Sie hatte mir nichts zu befehlen, doch ich wusste, dass die Order von Curtis kam.
Erschöpft stieß ich mich von der Wand ab, wickelte mir den dicken Wollstoff um die Hand, hob das Messer auf, ohne dass mir etwas geschah, und legte es vorsichtig in die Holzkiste.
Sobald Kathryn den Deckel geschlossen hatte, machte sich Erleichterung breit. Die Spannung, die die Vampire in den letzten Minuten befallen hatte, ließ nach.
Mit zä