Der Abend hatte sich über das Tal gesenkt wie ein samtschwarzer Mantel. Eine dichte Wolkendecke verbarg die Sterne. Der Herbststurm fauchte über die Berge heran und um die weißen Mauern der Frauenklinik Mittenwald. Ein Rettungswagen stoppte vor dem hell erleuchteten Portal mit der AufschriftNotaufnahme, und die Türen schwangen auf.
Besorgt schaute Julia von Langeneck zu, als zwei Sanitäter aus dem Fahrzeug sprangen und eine Trage ausluden. Eine blonde Frau wälzte sich darauf. Beide Hände auf den hochgewölbten Leib gepresst, stöhnte sie vor Schmerzen. Ihr Gesicht war schweißbedeckt. Fast flehend heftete sich ihr Blick auf die dunkelhaarige Ärztin, die am Portal der Klinik stand und sie erwartete.
Die Sanitäter rollten die Trage im Laufschritt in die Notaufnahme. Julia folgte ihnen und lauschte ihrem Bericht.
»Die Patientin heißt Bianca Rohrbach. Sie ist in der fünfunddreißigsten Woche schwanger und hat alle sechs Minuten Wehen. Unklarer Tastbefund bei vaginaler Untersuchung. Blasensprung.«
»Verstanden.« Julia von Langeneck beugte sich über ihre Patientin und überprüfte die Vitalfunktionen. Das Herz der Schwangeren schlug rasend schnell. Dagegen waren die Herztöne des Babys bereits unter ein vertretbares Niveau abgesunken. Das war kein gutes Zeichen. Die Zeit wurde knapp!
Die Ärztin rief eine Schwester heran und bettete die Patientin mit ihrer Hilfe auf eine Untersuchungsliege um. Als die Gynäkologin die Untersuchung fortsetzte, entfernten sich die Sanitäter.
Julia ertastete eine pulsierende Schlinge zwischen den Beinen der Patientin. Dahinter war der Kopf des Babys zu spüren, der mit einer erneuten Wehe nach draußen drängte und dabei die Nabelschnur abklemmte. Das war gefährlich!
Vorsichtig sorgte Julia dafür, dass der Druck von der Verbindung zwischen Mutter und Kind genommen wurde. Bianca Rohrbach krampfte die Hände um den Rand des Bettes und bäumte sich unter den Wehen auf.
»Bitte, es soll aufhören!«, stöhnte sie.
»Gleich wird es besser«, versprach Julia.
Sie hielt die Nabelschnur fr