: Caroline Thanneck
: Silvia-Gold 44 Alles auf Anfang
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732557332
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Mit ihrer Arbeit in der Frauenklinik Mittenwald ist Julia mehr als zufrieden, denn sie ist Ärztin mit Leib und Seele. Allerdings vermag auch die mehr als anspruchsvolle Arbeit die Leere in ihrem Herzen nicht zu vertreiben, die sich seit einer großen Liebesenttäuschung darin eingenistet hat.

Noch immer denkt Julia oft an Thomas von Strechow, den Mann, den sie einmal heiraten und mit dem sie eine Familie gründen wollte - und der sie tief verletzt hat. Jetzt, so kurz vor Weihnachten, wenn alle Menschen von Harmonie und Liebe träumen, sitzt der Schmerz besonders tief.

Nein, Julia kann sich wahrlich nicht auf Weihnachten freuen, denn sie wird dieses Jahr am Fest der Liebe wieder allein sein. Doch dann erhält sie einen Anruf, der ihr Leben für immer verändern soll ...

Der Abend hatte sich über das Tal gesenkt wie ein samtschwarzer Mantel. Eine dichte Wolkendecke verbarg die Sterne. Der Herbststurm fauchte über die Berge heran und um die weißen Mauern der Frauenklinik Mittenwald. Ein Rettungswagen stoppte vor dem hell erleuchteten Portal mit der AufschriftNotaufnahme, und die Türen schwangen auf.

Besorgt schaute Julia von Langeneck zu, als zwei Sanitäter aus dem Fahrzeug sprangen und eine Trage ausluden. Eine blonde Frau wälzte sich darauf. Beide Hände auf den hochgewölbten Leib gepresst, stöhnte sie vor Schmerzen. Ihr Gesicht war schweißbedeckt. Fast flehend heftete sich ihr Blick auf die dunkelhaarige Ärztin, die am Portal der Klinik stand und sie erwartete.

Die Sanitäter rollten die Trage im Laufschritt in die Notaufnahme. Julia folgte ihnen und lauschte ihrem Bericht.

»Die Patientin heißt Bianca Rohrbach. Sie ist in der fünfunddreißigsten Woche schwanger und hat alle sechs Minuten Wehen. Unklarer Tastbefund bei vaginaler Untersuchung. Blasensprung.«

»Verstanden.« Julia von Langeneck beugte sich über ihre Patientin und überprüfte die Vitalfunktionen. Das Herz der Schwangeren schlug rasend schnell. Dagegen waren die Herztöne des Babys bereits unter ein vertretbares Niveau abgesunken. Das war kein gutes Zeichen. Die Zeit wurde knapp!

Die Ärztin rief eine Schwester heran und bettete die Patientin mit ihrer Hilfe auf eine Untersuchungsliege um. Als die Gynäkologin die Untersuchung fortsetzte, entfernten sich die Sanitäter.

Julia ertastete eine pulsierende Schlinge zwischen den Beinen der Patientin. Dahinter war der Kopf des Babys zu spüren, der mit einer erneuten Wehe nach draußen drängte und dabei die Nabelschnur abklemmte. Das war gefährlich!

Vorsichtig sorgte Julia dafür, dass der Druck von der Verbindung zwischen Mutter und Kind genommen wurde. Bianca Rohrbach krampfte die Hände um den Rand des Bettes und bäumte sich unter den Wehen auf.

»Bitte, es soll aufhören!«, stöhnte sie.

»Gleich wird es besser«, versprach Julia.

Sie hielt die Nabelschnur fr