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Mackenzie
Lieber Matt,
ich habe Sie diese Woche im Gefängnis gesehen (als ich Ihren Nachbarn Mitchell und seinen Hund besucht habe), und seitdem muss ich ständig an Sie denken. Oder genauer gesagt daran, was Sie zu mir gesagt haben – dass Sie unschuldig sind. Ich habe in der Zeitung über Sie gelesen, und ich würde gerne Ihre Version der Geschichte hören. Vielleicht fragen Sie nach dem Grund, doch die Antwort ist ganz einfach: Ich bin gegen die Todesstrafe. Ich habe in der Army gedient und war einige Male in Afghanistan stationiert. Beim letzten Mal musste ich ein Gefängnis bewachen. Dort habe ich aus nächster Nähe miterlebt, wie unschuldige Menschen bis an ihr Lebensende eingesperrt wurden, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Ich bin kein Moralapostel; nach meiner Rückkehr bin ich nicht sofort auf die Barrikaden gegangen, aber als ich Sie sah … Sie haben einen verlorenen Eindruck auf mich gemacht, und das hat mich berührt. Vielleicht kann ich ja für Sie etwas tun. Ich hoffe natürlich, dass Ihnen das überhaupt recht ist.
Mackenzie Walker
Liebe Mackenzie,
vielen Dank für Ihren Brief – der ist ganz anders als die, die ich normalerweise bekomme. Sie glauben gar nicht, wie viele Frauen mir schreiben, die völlig gestört sind. Da steht dann, dass sie begreifen, dass ich diese Frauen entführt habe und dass sie mich heiraten wollen. Manche schicken mir auch Nacktfotos von sich. Ich weiß gar nicht, was ich damit soll. So ein Mann bin ich nicht.
Ich sage mir immer wieder, und den anderen sage ich das auch: Ich bin unschuldig. Weil es die Wahrheit ist, aber auch, weil ich befürchte, das eines Tages zu vergessen. Jeder behandelt mich, als wäre ich schuldig; die Leute hassen mich. Ich habe Angst, wenn ich nur oft genug höre, dass ich es getan habe, glaube ich es irgendwann selbst, verstehen Sie?
Sie schreiben, dass Sie in der Zeitung über mich gelesen haben, aber die Person, die da beschrieben wird, bin ich nicht. Diese Scheißjournalisten haben alles verdreht. Ich hatte nicht den Hauch einer Chance und war schon verurteilt, bevor mein Prozess überhaupt anfing. Zugegeben: Bevor ich hierhergekommen bin, war ich kein Heiliger. Ich habe früher einige wirklich schlimme Dinge getan, aber dafür habe ich meine Strafe erhalten.
In meinem Prozess ist es zu vielen Fehlern gekommen: Es gab nur wenige Beweise, und die, die vorgelegt wurden, sind keine echten. Ich weiß, wie die Sache gelaufen ist: Vicky hat mich als Täter identifiziert, und die Polizei hat bei mir zu Hause ihre Kette gefunden. Das mit der Kette stimmt: Vicky hatte sie in der Werkstatt verloren, wo ich damals arbeitete. Ich habe sie gefunden und mit nach Hause genommen – ich hatte ja keine Ahnung, dass sie Vicky gehörte. Und das Einzige, was Vicky beschreiben konnte, ist ein Mann mit einer Baseballkappe. Sie hat den Mann, der sie entführt hat, niemals zu Gesicht bekommen, nur gesprochen. Ich weiß nicht, warum sie mich identifiziert hat. Vielleicht, weil ich auch solche Kappen trage, auch an dem Tag in der Werkstatt, als sie ihr Auto abgeholt hat. Danach h