3. Elodie
Was soll das heißen, er ist nicht zu erreichen? Als es darum ging, mir eine überteuerte Bruchbude zu verkaufen, war er durchaus zu sprechen. Er istwo bitte? Auf einemRetreat? Yoga? In den tasmanischen Bergen?«Göttin der Nachsicht, gib mir Kraft. »Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Er ruft mich umgehend zurück, ist das klar? Sonst hetze ich ihm eine Meute Anwälte auf den Hals.«
Ich knalle das Smartphone auf den Tisch, greife mit beiden Händen in meine Haare und ziehe einmal kräftig daran.Mann! Das darf ehrlich nicht wahr sein. Ich weiß, mein Umzug hierher war überstürzt, ich weiß, es war riskant, ein derart altes Cottage zu kaufen. Doch hätte ich auch nur einen Augenblick darüber nachgedacht, ich wäre in Frankfurt geblieben und hätte das getan, was ich immer tue – eine Liste geschrieben, abgewogen, das Für und Wider betrachtet, mich natürlich dagegen entschieden. Und dann was? Was dann? Ich spüre, wie mir Tränen in die Augen steigen, doch nicht aus Verzweiflung, sondern aus Wut. Über mich selbst. Darüber, dass ich mich habe hinreißen oder besser: vertreiben lassen, darüber, dass ich meine Gefühle nicht besser im Griff hatte und am Ende geflohen bin wie ein Kaninchen vorm Fuchs.
Du hast es dir noch nicht einmal vorher angeschaut, raunt eine Stimme in meinem Kopf.Du bist über die Anzeige gestolpert, hast über den günstigen Preis gestaunt, hast dich vor diesem Häuschen stehen sehen und hast auf den Kontakt-Button geklickt. Und dann hast du an Per gedacht und bist noch einen Schritt weiter gegangen.
Gekauft.
Hast du es seinetwegen getan, Elodie? Aus Rache? Um ihn zu strafen?
»Und fängst du jetzt an, mit dir selbst zu sprechen?«, murmle ich. Dann blinzle ich die dummen Tränen fort und lasse mich auf einen der zwölf Stühle fallen, die zu diesem riesigen ovalen Tisch gehören.
Der ganz nett ist, wie ich zugeben muss. Eine kleine Ausbesserung hier, ein wenig Politur da, so wird am Ende sicherlich ein schönes Möbelstück daraus. Vom Boden ziehe ich meine Handtasche auf den Sitz neben mir und zerre meinen Planer heraus, um eine neue Liste anzulegen.Einkauf, schreibe ich darauf, darunter:Holzpolitur. Dann stutze ich. Was braucht man noch, um einen alten Tisch auf Vordermann zu bringen? Lappen? Lappen sind gut. Ich setzeLappen auf die Liste und dazuSchmirgelpapier, denn mit irgendwas sollte ich die Macken wohl ausbessern, oder nicht? Ich starre auf die Liste vor mir, bis die Buchstaben vor meinen Augen zu flirren beginnen. Dann lege ich den Kopf auf den Wörtern ab und schlage mit der Stirn ein paarmal dagegen.
Ich habe keine Ahnung, wie man Möbel restauriert.
Geschweige denn, wie man ein altes Bed& Breakfast wieder auf Vordermann bringt.
Ich habe niemals eine Wand gestrichen oder ein Loch gebohrt, noch eine Lampe angeschlossen.
Ich hebe den Kopf und schreibeDo-it-yourself-Ratgeber auf die Liste. Und dann nochScheuermittel, Putzschwämme, Bodenr