: Heike Knauber
: Najaden - Das Siegel des Meeres Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641215460
: 1
: CHF 2.70
:
: Fantasy
: German
: 608
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Brodelnde Feuerinseln, am Meeresgrund leuchtende Steine, das unendliche Sandmeer – ein exotisches Fantasyabenteuer.

In Heike Knaubers Roman lauert an jeder Ecke tödliche Magie, geheimnisvolle Wesen kämpfen in der Arena um Leben und Tod, und die Seiten knistern nur so vor Romantik. Dabei spielt die vielschichtige Handlung sowohl am Grunde des Meeres als auch in einem Wüstenreich, das im Sandmeer zu versinken droht: Knaubers Heldin Meliaé ist Thronfolgerin des legendären Najaden-Volkes – doch weiß sie nichts über ihre Herkunft. Als zwei grausame Brüder sie entführen, scheint Meliaés Tod unausweichlich, doch dann entdeckt sie ihre dunkle Liebe zu einem Mann, der sich für sie sogar mit dem Gott der Unterwelt anlegen wird …

Heike Knauber, 1967 geboren, lebt mit ihrer Familie in Schwalbach an der Saar. Ein Jahrzehnt war sie im Vertrieb für einen multinationalen Softwareentwicklungskonzern tätig, heute bereist sie als dolmetschende Assistentin für einen Industriekonzern Europa. Daneben hat sie sich der Phantastik verschrieben. Inspiriert von den großen Meistern der Fantasy wie J.R.R. Tolkien, George R.R. Martin, aber auch Bernhard Hennen und Kai Mayer hat die Autorin mit ihrem DebütNajaden – Das Siegel des Meeres eine ganz eigene fantastische Welt erschaffen.

Kapitel 2

Im Wein liegt Wahrheit

Meliaé schlug die Augen auf und stöhnte gegen den Knebel in ihrem Mund an. Um sie herum war es stockfinster. Sie lag auf dicken Fellen, und irgendwie schien alles unter ihr zu schwanken. Als sie die über dem Kopf festgebundenen Hände zu bewegen versuchte, entrang sich ihr ein Winseln. Die straff gezogenen Lederriemen schnitten ihr ins Fleisch.

Angespannt lauschte sie auf ihre Umgebung, hörte aber nur das Knarzen des Schiffsrumpfs und ihre eigenen rasselnden Atemzüge. Schlagartig holte sie das Grauen ein.

Alles war so schnell gegangen. Die Ermordung ihrer Mutter inmitten der Leute. Der Wink des Satrapen und dann das Zustoßen des schakalfratzigen Ašhāk mit der Lanze, eiskalt und ohne Gnade. Und dann war alles unter dem Zorngebrüll des aššunischen Heeresfürsten erstarrt. Ohne Vorwarnung hatte er sein Schwert gezogen und dem Ašhāk den Kopf abgeschlagen.

Es hatte Blut geregnet, und Meliaé war nur knapp den vor ihr aufstampfenden Pferdehufen entgangen. Allein die Erinnerung daran ließ ihr Herz schneller schlagen und trieb ihr wieder den metallischen Geruch von Blut in die Nase. Sie schluckte, Übelkeit wallte in ihr auf.

Ein Titan von einem Ašhāk aus dem Gefolge des Heeresfürsten war vom Pferd gesprungen und hatte sie gepackt.

»Bringt sie auf mein Schiff!«, hatte Abu Sayaf befohlen. Das war das Letzte, an das sie sich erinnern konnte, ehe der schakalfratzige Titan sie bewusstlos geschlagen hatte.

Meliaé bewegte ihre durch die Fesseln ebenso tauben Füße und stöhnte gegen den speicheltriefenden Knebel in ihrem Mund. Wie lange sie nun hier lag, ob erst einige Stunden oder schon die ganze Nacht, vermochte sie nicht zu sagen.

Oh, ihr Götter, lasst uns noch nicht ausgelaufen sein!

Tränen rannen ihr heiß über die Schläfen. Sie warf den Kopf zur Seite und entdeckte umherhuschende Schatten unter einem verzogenen Türblatt. Verhalten drangen Männerstimmen an ihr Ohr. Aber das waren keine Männer, es waren Ašhāk! Schakalköpfige Sultanskrieger.

Meliaé zog die Nase hoch, erneut wallte Panik in ihr auf. Was, wenn sie an diesem Knebel erstickte?Nicht weinen! Verzweifelt konzentrierte sie sich darauf, ruhiger zu atmen, und nach einer Weile ging es tatsächlich leichter. Ihr Herzrasen ließ nach. Um sich abzulenken, sah sie dorthin, wo sie ein mit rotem Stoff verhangenes Fenster vermutete. Wie geronnenes Blut sickerte Licht durch den Vorhang. Dahinter war die Struktur eines Ornamentgitters zu erkennen.

Meliaé erinnerte sich, solche Gitter an den Kastellen der prächtigen Trieren gesehen zu haben, die die meiste Zeit des Jahres in Glarnos’ Hafen lagen.

Die Männerstimmen vor der Kammer wurden lauter. Als sie den Kopf zur Tür drehte, ging sie auf, und ihr Herz überschlug sich.

Der Titan, der sie bewusstlos geschlagen hatte, trat mit eingezogenem Kopf ein. Jedoch war er kein Ašhāk mehr – statt eines schwarzen Schakalschädels saß nun ein menschliches Haupt auf seinen Schultern, und er hatte jetzt Menschenhände statt der fellbewachsenen Klauen. Er trug ein Tablett mit dampfenden Schüsseln und Öllampen herein, Helligkeit drang in die Kammer.<