: Alex Marwood
: Niemand weint um dich Roman
: Heyne Verlag
: 9783641224639
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als die kleine Coco während eines Urlaubs verschwindet, bricht nicht nur ihre Familie auseinander, sondern es entfesselt sich auch ein absurder Pressehype, der das gesamte Umfeld mit sich reißt. Cocos Eltern sind wohlhabend und einflussreich, ebenso wie ihre Freunde, mit denen sie am Meer gefeiert haben. Doch was geschah wirklich mit Coco?

An zwei beklemmenden Wochenenden - das erste, an dem Coco verschwindet, das zweite 12 Jahre später, als ihr Vater beerdigt wird - kommt das dunkle Geheimnis um Coco Stück für Stück ans Licht ...



Alex Marwood ist das Pseudonym einer bekannten britischen Journalistin. Für ihre Romane IM SCHATTEN DER LÜGE und DER KILLER VON NEBENAN wurde sie unter anderem mit dem Edgar Award und dem Macavity Award ausgezeichnet. Alex Marwood lebt in London.

P1 ZEUGENAUSSAGE

Emilia Pereira

Kindermädchen der Familie

17. September 2004

Als Erstes möchte ich sagen, dass mich Mrs Jackson am Mittwoch, bevor sie losgefahren sind, gefeuert hat und ich nicht mal dort war. Sie hat mich rausgeschmissen, weil sie völlig übergeschnappt ist wegen ihrem Mann. Sie dachte, dass jede Frau, die in seine Nähe kommt, versucht, ihn sich zu schnappen, aber das habe ich nicht. Ich fand ihn gruselig. Ständig stand er viel zu nah neben einem und hat mich so Sachen gefragt – wie ob ich einen Freund hätte – und Gründe gesucht, mich anzufassen. Wundert mich nicht, dass sie misstrauisch war, mir gegenüber hätte sie das aber nicht sein müssen.

Nachdem sie mich gefeuert hat, bin ich zu meiner Freundin Lisa Mendes nach Stevenage, weil sie mir keine richtige Kündigung gegeben hat, bloß meinen Lohn in bar und den Auftrag, meine Sachen zu packen, und ich wusste nicht, wo ich hinsollte. Ich habe bei Lisa auf dem Fußboden geschlafen und auf einen Flug zurück nach Lissabon gewartet, als Coco verschwunden ist und Sie mich verhaftet haben, als wär ich eine Kriminelle. In den sechs Monaten seit Mr Jackson das Haus in Sandbanks gekauft hat, war ich nicht ein einziges Mal in der Nähe davon. Ich glaube, sie haben ein Wochenende dort verbracht, bevor die Handwerker rein sind, aber dann kamen sie früher zurück, mit total schlechter Laune. Darum hat es mich gewundert, dass er seinen Geburtstag dort feiern wollte. Ich hätte eher mit Dubai oder so was gerechnet, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Ich weiß nur, dass an diesem Wochenende der fünfzigste Geburtstag von Mr Jackson war und er monatelang vorhatte, ein Riesenfest in dem Strandhaus zu veranstalten. Ungefähr einen Monat davor hat er dann seine Meinung geändert – vielleicht ist ihm ja aufgegangen, dass die Leute den weiten Weg dorthin nicht machen wollen – und die große Party stattdessen für London geplant und an dem Wochenende selbst nur ein kleineres Fest. Irgendwie war es eine Erleichterung, dass Mrs Jackson mich rausgeworfen hat, weil ich weiß ja, wie Partys bei denen sind. Ich hätte an dem verlängerten Wochenende rund um die Uhr arbeiten müssen. Ihre Freunde sollten da sein, und das sind keine Leute, die sich von ihren Kindern gern den Spaß verderben lassen. Wirklich, auch wenn sie mich nicht gefeuert hätte, wollte ich sowieso aufhören, weil das sind keine guten Menschen.

Drei Jahre habe ich für sie gearbeitet, seit kurz nach der Geburt der Zwillinge, aber, wie gesagt, das sind keine guten Menschen. Ich bin wegen der guten Bezahlung geblieben, gemocht habe ich Mrs Jackson aber nie. Sie ist faul und eingebildet und unfreundlich. Nach drei Jahren hat sie immer noch nicht gewuss