FREITAG, 17. JULI
Das Gewitter setzt ein, als wir uns für die Dauer der Sommerferien verabschieden. Ein lauter Donnerschlag lässt Connie zusammenzucken. John lacht, und die schwülheiße Luft scheint uns noch dichter einzuhüllen.
»Beeil dich lieber!«, ruft er.
Ich renne mit einem Winken zu meinem Auto. Kurz bevor ich es erreiche, beginnt mein Smartphone zu klingeln – in den Tiefen meiner Umhängetasche nur gedämpft. Der Klingelton zeigt mir, dass der Anrufer Matthew ist.
»Ich bin unterwegs«, sage ich ihm, während ich in der Dunkelheit nach dem Türgriff taste. »Ich steige gerade ins Auto.
»Schon? Ich dachte, du wolltest noch mit zu Connie?«
»Das wollte ich, aber der Gedanke, dass du auf mich wartest, war zu verlockend«, scherze ich. Dann fällt mir auf, wie ausdruckslos er gesprochen hat. »Alles in Ordnung?«, frage ich.
»Klar, ich habe nur eine schreckliche Migräne. Sie hat vor ungefähr einer Stunde angefangen und wird stetig schlimmer. Deshalb rufe ich an. Macht’s dir was aus, wenn ich schon ins Bett gehe?«
Ich spüre die Luft drückend auf meiner Haut und denke an das Gewitter; noch regnet es nicht, aber mein Instinkt sagt mir, dass der Regen nicht mehr lange auf sich warten lässt. »Natürlich nicht. Hast du was dagegen genommen?«
»Ja, aber die Tabletten scheinen nicht anzuschlagen. Ich dachte, ich gehe rauf und lege mich im Gästezimmer hin; falls ich einschlafen kann, wache ich dann nicht auf, wenn du heimkommst.«
»Gute Idee.«
»Eigentlich mag ich nicht ins Bett gehen, ohne zu wissen, dass du sicher wieder zu Hause bist.«
Darüber muss ich lächeln. »Mach dir keine Sorgen, die Fahrt dauert doch nur vierzig Minuten. Durch den Wald wäre ich sogar noch schneller.«
»Untersteh dich!« Den Schmerzstrahl, der durch sein Gehirn zuckt, als er die Stimme erhebt, kann ich fast körperlich spüren. »Autsch, das hat wehgetan«, sagt er, leiser jetzt. »Cass, versprich mir, dass du nicht die Blackwater Lane nimmst. Erstens möchte ich auf keinen Fall, dass du nachts allein durch den Wald fährst, und zweitens kommt ein Gewitter.«
»Okay, ich tu’s nicht«, sage ich, während ich mich auf dem Fahrersitz zusammenfalte und meine Tasche auf den Beifahrersitz werfe.
»Versprichst du’s?«
»Versprochen.« Ich lasse den Motor an und lege den ersten Gang ein, wobei das Smartphone warm und glatt zwischen Ohr und Schulter klemmt.
»Fahr vorsichtig«, ermahnt er mich.
»Das tue ich. Liebe dich.«
»Ich liebe dich mehr.«
Ich lächle über seine Besorgnis, während ich das Handy wieder in meine Tasche fallen lasse. Als ich aus der Parklücke stoße, klatschen die ersten dicken Regentropfen auf die Frontscheibe.Jetzt geht’s los, denke ich.
Als ich die vierspurige Fernstraße erreiche, gießt es in Strömen. Zuerst klemme ich hinter einem riesigen Sattelschlepper, und meine Scheibenwischer schaffen es kaum, das von seinen Rädern aufgewirbelte Spritzwasser zu bewältigen. Als ich ausschere, um ihn zu überholen, zuckt ein Blitz über den Himmel, und in alte Kindergewohnheiten verfallend, beginne ich, die Sekunden zu zählen. Das dazugehörige Donnergroll