Ein neuer Kunde
Das Jahr war noch jung, es war noch nicht lange her, dass Rina die Weihnachtsdekoration entfernt hatte. Vom letzten Schneefall waren nur schmutzige Matschhaufen an den Bordsteinen und Rabatten geblieben. Noch ganz verschlafen stürzte Rina ihren Kaffee hinunter, bevor sie mit strubbligem Haar und in rosa Pantoffeln in den Laden eilte. Sie war spät dran mit den Tischdecken und Servietten für die Trattoria um die Ecke, die eine der Kellnerinnen vor halb zehn abholen wollte.
Rina schaltete das kleine Radio auf der Konsole ein und suchte den Sender, der rund um die Uhr klassische Musik spielte. Sie kannte sich nicht groß aus, aber beim Bügeln konnte sie dazu wunderbar mit offenen Augen träumen. Wenn das Bügeleisen seine dampfenden Bahnen zog und sie sich ganz darauf konzentrierte, Falten zu vermeiden, begannen ihre Gedanken zu schweifen.
Sie machte sich Sorgen um Samuele. Entgegen seiner erklärten Absicht hatte er nicht wieder angefangen zu studieren, und die Abstände zwischen den Bewerbungsgesprächen wurden auch immer größer; anscheinend hatte er vor lauter Absagen jeden Mut verloren, überhaupt noch weiterzusuchen. Er hing stundenlang am Computer oder chattete mit Freunden und früheren Kollegen, um eventuelle Jobmöglichkeiten auszutüfteln, aus denen meist nur flüchtige Schnapsideen hervorgingen, und später war er dann so niedergeschlagen und erledigt, dass er sich nur noch aufs Sofa fallen ließ oder aufs Essen stürzte. Der letzte Plan dieser Art hatte vorgesehen, in der Bahnhofsgegend eine Annahmestelle für Fußballwetten zu eröffnen, allerdings hatten ihn das fehlende Startkapital und der bürokratische Aufwand dann bald abgeschreckt.
Rina hörte die Tür zuschlagen und Schritte im Waschsalon.
»Bin gleich da!«
Sie verschnürte die Tischdecken und Servietten eilig zu einem Paket. Als sie aus der Bügelecke trat, stand dort ein junger Mann, den sie noch nie gesehen hatte. Er trug einen langen Mantel über einem eleganten Anzug und schaute sich neugierig um. Er war groß und stattlich, und seine Präsenz erfüllte den ganzen Raum, der nicht besonders groß, aber eben auch keine Besenkammer war, mit der Aura einer Berühmtheit. Ohne ersichtlichen Grund fühlte Rina sich gleich ein bisschen eingeschüchtert. Das Einzige, was nicht zu dem Business-Outfit des Mannes passte, war die schwarze Sporttasche über seiner Schulter, die Rina sofort an die miefenden Trainingsanzüge und T-Shirts voller Grasflecken und Matsch erinnerte, die Samuele immer vom Fußball mit nach Hause brachte.
»Guten Tag!«, begrüßte sie ihn und schob sich schnell an ihm vorbei, um den schweren Packen Tischdecken auf dem Ladentresen loszuwerden.
»Was für ein angenehmer Duft …«, sagte er mit einem höflichen Lächeln. Rina fühlte sich überrumpelt und strich sich instinktiv über den Hals. Bevor sie in den Laden hinuntergegangen war, hatte sie eine neue Feuchtigkeitscreme mit Ginkgo ausprobiert, deren Geruch sie aber alles andere als überzeugt hatte.
»Seit meiner Zeit an der Uni war ich nicht mehr in ei