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»Himmler hat den König im Tower festsetzen lassen«, berichtete Harry Woods, »aber jetzt sagen die deutschen Generäle, die Wehrmacht solle ihn bewachen.«
Der andere Mann beschäftigte sich mit den Papieren auf seinem Schreibtisch, ohne sich dazu zu äußern. Er drückte einen Gummistempel ins Stempelkissen und knallte ihn auf den Tagesbericht: »Scotland Yard, 14. November 1941«. Unglaublich, dass der Kriegsbeginn erst zwei Jahre zurücklag. Jetzt war alles vorbei und verloren. Es gab so viel Schreibarbeit zu erledigen, dass noch zwei Schuhkartons den überquellenden Papierkram aufnehmen mussten, Schuhe Marke »Dolcis«, Größe 37, erstklassige Lederpumps, hochhackig, schmale Form.
Superintendent Douglas Archer kannte nur eine Frau, die solche Schuhe kaufte – seine Sekretärin.
»Tja, das sagen jedenfalls die Leute«, fügte Harry Woods hinzu. Der schon etwas bejahrte Polizeisergeant war sozusagen die andere Hälfte des »Mord-Teams«.
Douglas Archer zeichnete den Tagesbericht ab und warf ihn in den Ablagekorb. Dann blickte er sich im Raum um und nickte. Es war schon ein jämmerliches Büro: die grün und cremefarben gestrichenen Wände altersgeschwärzt, die kleinen, bleigefassten Fensterscheiben vom rußigen Regen derart verschmiert, dass den ganzen Tag das elektrische Licht brennen musste.
»Mach’s nie auf deiner eigenen Schwelle«, riet Harry, nun, da es für gute Ratschläge ohnehin zu spät war. Jeder andere als Harry, weniger dreist, weniger redselig und wohlmeinend, hätte es hiermit gut sein lassen. Doch Harry übersah das gequälte Lächeln seines Vorgesetzten. »Mach’s lieber mit der Blondine oben in der Registratur oder mit dem dickbusigen deutschen Verbindungsweib von der Waffen-SS. Die soll darin übrigens recht munter sein, heißt es. Aber mit der eigenen Sekretärin?« Harry Woods verzog das Gesicht.
»Du verbringst zu viel Zeit damit, auf das zu hören, was die Leute reden«, meinte Douglas Archer gelassen. »Da hakt es bei dir, Harry.«
Harry Woods hielt dem missbilligenden Blick stand, ohne mit der Wimper zu zucken. »Einer von der Polizei sollte überhaupt keine Zeit damit verbringen, auf das zu hören, was die Leute sagen, Chef«, meinte er. »Und wenn du den Tatsachen mehr Beachtung schenken wolltest, wäre dir inzwischen schon klar geworden, dass du zwar ein sagenhafter Kriminaler sein magst, aber ein miserabler Menschenkenner – da hakt’s beidir!«
Es gab nicht viele Polizeisergeants, die es gewagt hätten, so mit Douglas Archer zu reden, doch diese beiden Männer kannten einander schon seit 1920. Damals war Harry Woods ein fescher junger Polizist gewesen, mit dem Ordensband der Militärverdienstmedaille